Italien gilt gemeinhin als Land des guten Weins, des guten Essens und des gefälligen Karosseriedesigns. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Fiat City Car Prototyp von 1972 war so ein Fall. Denn selbst mit ganz viel Wohlwollen lässt sich dieser Entwurf nicht als gelungen bezeichnen.

Der häßliche Prototyp verfügt über eine fast symmetrische Seitenlinie. Schon der erste Blick auf dieses Fahrzeug macht nachvollziehbar, warum für den genialen Gestalter Ludwig Mies van der Rohe die Symmetrie die Ästhetik der Dummen war. Offensichtlich waren sich die Formgeber dieser Mühle irgendwann selbst nicht mehr sicher, wo vorne oder hinten ist. Daher haben sie dem Gefährt an der Vorderseite eine dicke schwarze Gummileiste spendiert. Sie ist quasi ein Richtungszeiger zum Bug dieses Fahrzeugs.

Schön ist anders!

Schöner wurde der intern als Fiat X1/23 bezeichnete Prototyp dadurch auch nicht. Vermutlich glaubten die Entwickler selbst nicht an eine Realisierung. Deshalb sparte sich Fiat bei der Premiere auf dem internationalen Autosalon in Turin 1972 alle Angaben zu technischen Details. Nur zu den Abmessungen äußerten sich die Italiener: 2,64 Meter lang, 1,51 Meter breit und 1,34 hoch ist der Kleinstwagen, der damit gedanklich als eine Art Smart-Vorbild durchgeht.

Dazu ließ Fiat verlauten, dass die Seitenscheiben nicht zu öffnen seien. Ein Belüftungssystem sollte dem Fahrgastraum Frischluft zuführen. Das sollte irgendwie für Innovation stehen. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass der Entwurf nach dem Autosalon in der Versenkung verschwindet. Zumal die Publikumsreaktionen in Turin eindeutig waren. Die Studie sorgte meistens für Spott und Gelächter, in Einzelfall auch für Mitleid des Publikums.

Fiat City Car Prototyp gerät trotzdem nicht in Vergessenheit

Erstaunlicherweise wurde der Fiat X1/23 in der Folge zu einem wahrlich untoten Toten, der noch ein paar Jahre durch die Gazetten geistern sollte. Denn zwei Jahre nach der Premiere baute Fiat die Studie zum Konzeptfahrzeug eines kleinen Elektromobils um. Den Antrieb übernahm jetzt ein 13,5 PS starker elektrischer Gleichstrommotor. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn es benötigt nicht viel Fantasie, um sich folgenden Dialog in der Fiat-Entwicklungsabteilung vorzustellen:

Entwickler 1: Die wollen, dass wir ein Elektroauto für die Stadt bauen.


Entwickler 2: Du, da nehmen wir das häßliche Ding vom letzten Jahr. Nicht, dass I’Avvocato hinterher noch auf die Idee kommt, so einen Mist zu bauen.

Bis 1979 verbesserte Fiat den Prototypen regelmäßig. In der ersten Elektro-Version sahen die Techniker noch Blei-Akkumulatoren vor. Später planten die Ingenieure mit einer 166 Kilogramm schweren Nickel-Zink-Batterie. Damit sollte der bis 70 Kilometer pro Stunde schnelle Fiat City Car Prototyp eine Reichweite von bis zu 70 Kilometern erreichen. Es blieb eine Fiktion, denn zu einer Serienproduktion kam es nie. Vermutlich fand der bekannte Ästhet Gianni Agnell das Ding einfach zu häßlich. Und die Techniker erkannten, dass das batteriegespeiste Elektroauto – damals wie heute – eine Sackgasse ist.

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