Rennsport-Geschichten

Cooper T86C Alfa Romeo – Schlusspunkt einer Marke

Der Cooper T86C Alfa Romeo war der letzte Formel 1-Rennwagen von John Cooper

Der Cooper 86C war der letzte Rennwagen, den die Cooper Car Company für die Formel 1 auf die Räder stellte. Heute ist der Bolide von Zeit zu Zeit im historischen Motorsport unterwegs.

Cooper T86C Alfa Romeo – Schlusspunkt einer Marke
Cooper T86C Alfa Romeo beim AvD Oldtimer Grand Prix 2006 (Foto: Tom Schwede)

Die Cooper Car Company war ursprünglich eine kleine Reparaturwerkstatt für Autos und Motorräder in Surbiton, südwestlich von London. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Sohn des Hauses mit dem Bau von Rennwagen. Aus dem Vergnügen von John Cooper wurde schnell ein zusätzliches Geschäftsfeld. Denn in den Händen von Kunden wie Stirling Moss oder Peter Collins fuhren die Rennwagen von Cooper in der Formel 3 zu ersten Erfolgen. Schon 1952 feierte Cooper sein Debüt in der Automobil-Weltmeisterschaft. Denn dort galt seit dem Anfang des Jahres das bisherige Formel 2-Regelwerk.

Wie die Konkurrenz setzte auch Cooper zunächst noch auf die damals übliche Bauweise und platzierte den Piloten hinter dem Motor. Der Erfolg blieb überschaubar. Doch 1956 folgte ein Paukenschlag. Denn mit dem T41 stellte Cooper als Erster in der Automobil-Weltmeisterschaft ein Monoposto mit Mittelmotor vor. Das hatte seit Ferdinand Porsche bei den Auto Union Rennwagen vor dem Zweiten Weltkrieg in der professionellen Welt des Motorsports niemand mehr probiert. Doch die Cooper Car Company setzte bereits seit 1946 bei seinen Rennwagen für die Formel 500, aus der die Formel 3 hervorging, auf diese Bauweise.

Die Cooper Car Company veränderte die Formel 1!

Die neuen kleinen leichten Rennwagen aus London fuhren den schweren Frontmotor-Boliden bald um die Ohren. 1959 und 1960 gewann Jack Brabham mit dem Cooper-Climax den Titel in der Automobil-Weltmeisterschaft. Cooper war im Olymp der Rennwagen-Konstrukteure angekommen. Doch die etablierten Konstrukteure konterten und übernahmen das Prinzip. Damit fiel der Rennstall bald ins Mittelfeld zurück. Nach dem Tod von Firmengründer Charles Cooper übernahm kurz Ken Tyrrell die Leitung des Teams. 1965 verkaufte John Cooper das Formel-1-Team an eine Investorengruppe rund um den Rennfahrer Roy Salvadori. Cooper blieb trotz des Verkaufs technischer Direktor des Teams und betrieb auch die Werkstatt der Familie weiter.

Cooper T86C Alfa Romeo
Der Cooper T86C-Alfa Romeo war der letzte F1 von Cooper und kam über einen Test nicht hinaus.

John Cooper verkaufte das Team wohl auch, weil Anfang 1966 in der Formel 1-WM ein neues Motoren-Reglement griff. Damit durften die Rennwagen drei Liter große Motoren nutzen. Cooper scheute die Kosten und sah im Verkauf die Möglichkeit, das Risiko an Investoren auszulagern. Die neuen Team-Inhaber stellten den Kontakt zu Maserati her. Doch der 1966 exklusiv von Cooper gefahrene 3,0-Liter-Zwölfzylinder-Saugmotor war ein Flop – trotz des Siegs von John Surtees beim Großen Preis von Mexiko. Auch 1967 vertraut Cooper auf den italienischen Motor.

Doch mit dem neuen Cooper T86 konnte das Team endgültig nicht mehr an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Zwar gewann Pedro Rodríguez den Saisonauftakt in Südafrika, aber Jochen Rindt fiel achtmal aus. Der italienische Motor war zu groß, zu schwer und vor allem auch zu durstig für das filigrane Fahrzeug. Nach zwei Jahren wechselte Cooper den Motorlieferanten. Statt von Maserati vertraute Cooper ab 1968 auf Motoren von B.R.M. Doch der Wechsel war eine diese Fehlentscheidung. Das Team verlor mit den Motoren von B.R.M. endgültig den Anschluss. Denn der von Geoff Johnson ursprünglich für einen Sportwagen konstruierte Motor war gegen den neuen Ford Cosworth DFV chancenlos und gewann keinen Blumentopf.

Cooper T86C Alfa Romeo als Finale der Marke

Wegen der engen Verbindungen von Cooper zu British Leyland steht der Cosworth dem Team nicht zur Verfügung. Denn eine Entscheidung für den Ford-Motor hätte den lukrativen Deal rund um den Mini gefährdet. Auf der Suche nach einer Alternative für den schwächlichen BRM-Motor wurde John Cooper bei Alfa Romeo fündig. Denn dort gab es seit Kurzem den Sportwagen Tipo 33 und einen V8-Motor. Die Tatsache, dass das Aggregat ursprünglich ein Zweilitermotor war, ignorierte John Cooper. Schließlich lief der Motor im Tipo 33/2 bereits in einer 2,5-Liter-Version.

Cooper T86C Alfa Romeo
Cooper T86C Alfa Romeo beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring (Fotos: Tom Schwede)

Doch die Idee, mit dem Motor des wunderbaren Alfa Romeo Tipo 33 Coupé Stradale in der Formel 1 anzutreten, funktionierte nicht. Auch mit mehr Hubraum kam der V8 aus Mailand nicht auf das in der Königsklasse notwendige Leistungsniveau. Lucien Bianchi sollte mit dem Rennwagen in Brands Hatch und Monza an den Grand Prix teilnehmen. Doch nach frustrierenden Testfahrten entschied sich das Team schließlich gegen den Einsatz. Zumal auch Alfa Romeo die Unterstützung zurückzog. Ende des Jahres sperrte Cooper den Rennstall zu und zog sich aus der Formel 1 zurück. Den Cooper T86C kaufte Formel-5000-Pilot Fred Place. Doch auch auch in der Formel 5000, wo der T86C mit einem 5-Liter-V8 von Ford fuhr, wurde aus dem Rennwagen kein Rennsieger mehr.

Trotzdem entwendeten Diebe kurze Zeit später den Rennwagen. Zwar fand die Polizei den T86C kurze Zeit später wieder, doch die Rennkarriere des Cooper T86C Alfa Romeo war zunächst vorbei. Über mehrere Inhaber kam der Rennwagen zu Ron Maydon. Der Originalmotor gilt als verschollen. Der Brite Maiden bestückte das Chassis mit einem V8-Motor aus dem Alfa Romeo Montreal, um den restaurierten Cooper T86C Alfa-Romeo ab und an im historischen Motorsport auszuführen. Der Motor geht konstruktiv auf den V8 aus dem Tipo 33/2 zurück. Insofern paßt das.

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.