Rennsport-Geschichten

Huffaker Genie Mk8 von 1963

Der Huffaker Genie Mk8 von 1963 gehört zu den Rennsiegern der United States Road Racing Championship (USRRC)

Es ist schon etwas her, dass ich in Hockenheim durchs Fahrerlager schlenderte und auf einen von Joe Huffaker gebauten Sportwagen traf. Der offene Sportwagen faszinierte mich sofort. Wusste ich doch aus Büchern, dass mit dem Huffaker Genie Mk8 der Mexikaner Pedro Rodriguez 1963 einen Lauf der United States Road Racing Championship (USRRC) gewann.

Seitenansicht des Huffaker Genie Mk8
Der Huffaker Genie Mk8 entstand 1963. Einsatzgebiet war die vom SCCA veranstaltete United States Road Racing Championship (USRRC)

Joe Huffaker begann bereits als Teenager in den späten 40er Jahren mit dem Bau von Hot Rods. 1954 entstand auf Basis eines Austin Healy mit dem „Huffaker Special“ der erste Huffaker-Sportwagen. Mit diesem sorgte Huffaker im heimischen Kalifornien für Aufsehen, wobei sich der Techniker nur im Ausnahmefall selbst hinter das Lenkrad klemmte. In der Regel vertraute Huffaker seine Sportwagen lokalen Größen des Rennsports an. Über dieses Engagement lernte der Techniker Kjell Qvale kennen. Der in Kalifornien lebende Norweger ist Autofreunden ein Begriff, gründete Qvale doch einst den legendären Pebble Beach Concours d’Elegance mit.

In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre importierte Qvale Autos der British Motor Car (BMC) in die USA und betrieb im Großraum San Francisco selbst einige Autohäuser. Wie andere amerikanische Autohändler, mir fallen spontan das Sportwagen-Team Brumos oder das zeitweilige Formel-1-Team Pete Lovely Volkswagen Inc. ein, legte sich auch Ovales Firma British Motor Car (BMC) Distributors bald ein Rennteam zu. Ab 1958 leitete Joe Huffaker dieses Team. Teameigner Qvale sah in der Zusammenarbeit die Möglichkeit, sein Motorsport-Team zum Rennwagenhersteller weiterzuentwickeln. Ziel war, in der damals neuen Formel Junior einen US-Rennwagen einzusetzen.

Vorläufer Huffaker Genie Mk4 mit BMC-Motor

Es ist nicht ganz klar warum, aber stattdessen entstand der offene Sportwagen Genie Mk4. Dessen Antrieb übernahm ein 1,1-Liter großer BMC-Motor, was tatsächlich etwas nach Formel Junior klingt. Namensgeberin des Rennwagens war übrigens Huffakers Ehefrau Genie. Womit wie bei Lola der Name einer Frau bei einem Rennwagen eine Rolle spielte. Als der Sports Car Club of America (SCCA) im Winter 1962/63 die Gründung der United States Road Racing Championship (USRRC) als landesweite Sportwagen-Rennserie verkündete, war Team-Eigner und -Chef sofort klar, dass sie in der USRRC antreten. Doch in der USRRC fuhren die Gegner in der GT-Klasse Sportwagen wie AC Cobra, Cooper Monaco T61M Climax, Chaparral 1 Chevrolet oder Scarab Mk.II Chevrolet.

Heckansicht des Huffaker Genie Mk8
Pedro Rodríguez gewann mit dem Huffaker Genie Mk8 einen Lauf der United States Road Racing Championship (USRRC). Wie bei diesem Fahrzeug, das ich in Hockenheim traf, trieb dabei ein Chevy-V8 den Rennwagen aus Kalifornien an.

Daher rüstete auch Joe Huffaker seinen Rennwagen für den Einbau größerer Motoren um. Aus dem Mk4 wurde damit der Mk5, der bald mit V8-Motoren von Ford, Chevy, Buick und Oldsmobile rannte. In den alten Nennlisten finden sich unter den Huffaker-Piloten bereits jetzt so illustre Namen wie Dan Gurney und Pedro Rodriguez. Parallel zum Engagement in der USRRC betrieb British Motor Car (BMC) Distributors übrigens noch ein Indy-500-Programm. Um für das „Hydrolastic“ genannte Federungssystem des BMC ADO16 (Morris 1100 beziehungsweise MG 1100) zu werben, entstand 1963/64 der MG Liquid Suspension Special. 1964 verpasste Pedro Rodriguez mit dem „MG“ jedoch die Qualifikation für das „große amerikanische Rennen“.

Alte Fotos dieses Monoposto interpretiere ich so, dass der MG Liquid Suspension Special im Kern ein angepasstes Cooper-Chassis war. Und trotz der Werbung für britische Autobauer arbeitete im Motorraum der legendäre Offenhauser-Motor. Zwei anderen Huffaker-Piloten gelang übrigens der Sprung ins Starterfeld. Walt Hansgen, der zwei Jahre später in Le Mans tödlich verunglücken sollte, fuhr sogar zeitweise auf Platz zwei vor. Doch ein längerer Boxenstopp verhinderte am Ende ein besseres Ergebnis. Hansgen kam schließlich überrundet als 13. in Ziel. Trotzdem sollten bis 1969 regelmäßig Monoposto von Huffaker in Indianapolis an den Start rollen.

Huffaker Genie Mk8 – Rennsieger der USRRC

Definitiv erfolgreicher war der Sportwagen Huffaker Genie Mk8, den Joe Huffaker 1963 ebenfalls vorstellte. Auch dieser Sportwagen basiert auf einem Rohrrahmen und verfügt wie schon die Vorgänger Mk4 und Mk5 über eine Einzelradaufhängung an allen vier Rädern. Über den Rahmen stülpte Huffaker eine leichte Karosserie aus Fiberglas. Diesen Rennwagen boten Qvale und Huffaker von Anfang an zum Kauf an, um die Entwicklungskosten zu amortisieren. Wobei die Käufer wählen konnten, ob British Motor Car (BMC) Distributors den Wagen montiert oder einen Bausatz liefert. Gerade der Bausatz bot den Kunden die Möglichkeit, Motor und Getriebe nach ihren Wünschen einzubauen.

Chevy-Motor im Huffaker Genie Mk8
Neben dem Chevy-Motor, den dieser Mk8 trägt, kamen im Sportwagen auch Motoren von Ford, Oldsmobile, Buick und Pontiac zum Einsatz.

So tauchten bald Mk8 mit Motoren von Ford, Oldsmobile, Buick und Pontiac an den Rennstrecken auf. Das „Werksteam“ vertraute zunächst auf Chevy-Motoren. Bereits im Juli 1963 gewann Pedro Rodriguez damit auf dem Pacific Raceways in der Nähe von Kent im US-Bundesstaat Washington einen USRRC-Meisterschaftslauf. Kunde Dave Ridenour, in dessen Mk8 ein Motor von Oldsmobile saß, fuhr auf den zweiten Platz. Beim Rennen in Riverside fuhr Rodriguez auf den dritten Platz. Wobei diesmal ein V8 von Ford den Vortrieb übernahm. Insgesamt entstanden fünf Exemplare:

  • Chassis #1: Gekauft von Dave Ridenour – dieser Rennwagen fuhr 1963 mit einem Motor von Oldsmobile, 1964 trieb ein Motor von Ford diesen Sportwagen an.
  • Chassis #2: Werkswagen von British Motor Car (BMC) Distributors – Pedro Rodriguez trat mit diesem Chassis 1963 in Laguna Seca und auf dem Pacific Raceway in der USRRC an. Das Rennen am Pacific Raceway gewann der Mexikaner. Dieses Fahrzeug übernahm später Paul Reinhart, um es mit einem Chevy-Motor einzusetzen.
  • Chassis #3: Werkswagen von British Motor Car (BMC) Distributors – gefahren von Dan Gurney (1963 Northwest GP) und Rodriguez, ausgerüstet mit einem Ford-Motor.
  • Chassis #4: Ausgeliefert an Alfred Momo und Briggs Cunningham, die den Rennwagen mit Dan Gurney und Walt Hansgen im Cockpit einsetzten. Dabei kamen Motoren von Ford zum Einsatz. Dieses Auto kaufte später Ed Lowther.
  • Chassis #5: Gekauft von Bud Gates, der den Rennwagen mit einem Chevy-Motor ausgerüstet einsetzte.

Auf den Mk8 folgte der Mk10 – zudem entstand Huffaker Engineering

Trotz der Erfolge entwickelte Joe Huffaker sein Erfolgsmodell bald zum Mk10 weiter. Ein verstärkter Rahmen verbesserte die Stetigkeit des Chassis. Zudem wählte Huffaker andere Bremsen und passte die Aufhängungen an. Alles zusammen war ein Fortschritt, der die Rennwagen von Huffaker im Spiel hielt. In den kommenden Jahren galten sie als die Herausforderer der schnellen Chaparral-Sportwagen von Jim Hall, die die USRRC 1964 und 1965 dominierten. Ein Jahr später machte sich Joe Huffaker mit Huffaker Engineering selbstständig und beendete den Bau eigener Fahrzeuge.

Karosserie Huffaker Genie Mk8
Die Karosserie des Huffaker Genie Mk8 fertigte Joe Huffaker aus Fiberglas. Sie ruht auf einem Gitterrohrrahmen.

Denn das neue Unternehmen übernahm zunächst die Werkseinsätze der Jaguar Rover Triumph Group in den USA. Später wurde es das offizielle Pontiac-Werksteam. In dieser Rolle gewann Huffaker Engineering 1982 mit dem Pontiac Firebird den Trans-Am-Titel. Ab 1985 setzte das Team den Pontiac Fiero als GTU in der IMSA-Serie ein. Im gleichen Jahr schloss sich Huffaker mit Bruce Qvale zusammen. Das neue Team Huffaker-Qvale Motorsports kehrte bald in die Trans-Am zurück und gewann dort im Jahr 2000 mit dem Qvale Mangusta (auch bekannt als De Tomaso Biguá) die Meisterschaft.

Gründer Joe Huffaker ging 1991 in den Ruhestand. Seit Sohn Joe Huffaker Junior übernahm die Geschäftsführung des Stammunternehmens Huffaker Engineering, das sich seitdem auch im historischen Motorsport betätigt. Wobei sich der Junior regelmäßig selbst in seine Rennwagen setzt. Mit einem MG Midget gewann Huffaker Junior sieben SCCA F Production National Championship Titel. Seit 2018 gehört das Unternehmen einer Gruppe von Rennfahrern. Als Huffaker Motorsports bietet die Firma heute den Komplettservice für Oldtimer-Freunde an.

Welchen Huffaker Genie Mk8 traf ich?

Diese Frage muss ich (leider) im Moment unbeantwortet lassen. Das Auto seit fast 20 Jahren in Deutschland. Schon 2003 tauchte der Huffaker Genie Mk8 erstmals beim AvD Oldtimer Grand Prix auf. Später nahm der Rennwagen in Berchtesgaden am Edelweiß Bergpreis/Rossfeldrennen teil. Auch bei den Gleichmäßigkeitsprüfungen des Veteranen Fahrzeug Verbands (VFV) ist der Mk8 regelmäßig am Start. Doch leider fand ich in Hockenheim den Fahrzeugbesitzer nicht, da ich nach dem Schießen der Fotos schnell weiter in die Sprecherkabine musste. Aber ich bin mir sicher, dass einer der Leser die Antwort weiß. Ich würde mich über eine Mail oder einen Kommentar freuen.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der Huffaker Genie Mk8 entstand 1963. Einsatzgebiet war die vom SCCA veranstaltete United States Road Racing Championship (USRRC)

Fotos: Tom Schwede

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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