Auto-Erinnerungen

Millionär, Maharadscha und Hit – die Sondermodelle des Opel Rekord D

Wie Opel mit seinen Sondermodellen den Absatz des Opel Rekord D puschte!

Opel Rekord, das klingt heute fast so miefig wie Bundesjugendspiele oder Trevira-Hosen. Auch wenn die seit 1953 angebotenen Mittelklasse-Baureihe von Opel nicht den Kultstatus der Prilblume erreicht, sie steht für Auto-Fans um die 50 bis heute definitiv für die 70er-Jahre. Verantwortlich dafür ist die vierte Generation des Dauerläufers, die Fans als Opel Rekord D kennen.

Opel Rekord D Caravan von 1972
Die vierte Generation des Rekord entsprach mehr als der Vorgänger dem europäischen Geschmack. (Foto: Opel)

Anfang der 1970er-Jahre sah der Automarkt in Deutschland völlig anders aus als heute. Opel und Ford, die deutschen Töchter großer amerikanischer Autobauer, profitierten, dass der ewige Marktführer Volkswagen gerade in einer existenzbedrohenden Krise steckte. Opel profitiert davon besonders stark. 1972 betrug der Marktanteil der Rüsselsheimer 20,4 Prozent. Damit lag Opel tatsächlich vor Volkswagen. Doch die Wolfsburger erneuerten in einem Kraftakt ihr Programm. Mit wassergekühlten Motoren und Frontantrieb eroberte VW die Spitzenposition in den Zulassungsstatistiken bald wieder zurück.

Trotzdem verdiente auch Opel in diesen Jahren gutes Geld. Denn mit Kadett, Ascona, Rekord sowie der KAD-Baureihe mit Kapitän, Admiral und Diplomat bediente Opel fast den ganzen Automarkt. So ein breites Angebot bot Volkswagen erst fast drei Jahrzehnte später. Ab 2001 reichte das Programm der Wolfsburger vom Polo bis zum Phaethon. Gleichzeitig zog sich Opel noch in den 1970er-Jahren aus der Oberklasse zurück und beendete 2002 mit dem Auslaufen des Omega auch das Engagement in der oberen Mittelklasse. Womit Aufstieg und Fall der Autoindustrie am Beispiel von nur zwei Marken erzählt sind.

Vor 50 Jahren war das nicht absehbar!

Opel war auf den Höhepunkt des Erfolgs und der Rekord sowie sein Schwestermodell Commodore vertraten Opel in der oberen Mittelklasse. Im Herbst 1971 kündigte Opel einen Modellwechsel. Die seit 1966 angebotene Rekord-Generation mit ihrem „Coke-Bottle-Shape“ fuhr in den Ruhestand. An ihre Stelle trat die etwas sachlicher gestaltete Rekord D-Familie. Denn Rekord hießen bei Opel nicht nur die Stufenheck-Limousine mit zwei oder vier Türen sondern auch ein Coupé, das wahlweise drei- oder fünftürige Caravan-Modell sowie ein dreitüriger Lieferwagen. Im Frühjahr 1972 folgte die Neuauflage des genauso sportlich wie exklusiven Schwestermodells Commodore.

Alle Rekord-Varianten präsentierte Opel mit dem kecken Werbespruch: „Seine europäische Linie hält, was sie verspricht“. Eine Aussage, die auf den Vorgänger anspielte. Denn der seit 1966 gebaute Rekord C war mit gut 1,2 Millionen verkauften Exemplaren der erste Millionenseller Opels in der gehobenen Mittelklasse. Doch die Karosserie des Rekord C mit dem US-typischen „Hüftschwung“ vor der C-Säule war in ihrer Formensprache stark von den Schwestermodellen der Konzernmutter GM beeinflusst. Der Vietnamkrieg schürte in Europa Antiamerikanismus. Das US-Design entsprach Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr dem Zeitgeist.

Opel Rekord C mit seinem „Coke-Bottle-Shape“
Der Opel Rekord C wirkt mit seinem „Coke-Bottle-Shape“ amerikanisch. Das war Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr in. Dabei spielte auch der Krieg in Vietnam eine Rolle. (Foto: Opel)

Der Rekord D aus der Feder des US-Designers Chuck Jordan trug daher europäische Züge. Die niedrige Gürtellinie sowie die glatten Flächen der Karosserie und die großen Fenster entsprachen deutsch mehr dem Geschmack der Kunden in Europa. Doch die Neuerungen gingen über eine Neugestaltung hinaus. Denn Opel kümmerte sich beim Rekord D auch um die passive Sicherheit. Bei einem Frontalaufprall schützten jetzt Knautschzonen die Insassen. Auch bei einem Seitenaufprall oder Überschlag bot der Rekord D mehr Sicherheit als der Vorgänger.

Die Technik des Opel Rekord D basierte auf dem Vorgänger!

Das Fahrwerk mit vorderer Einzelradaufhängung und starrer „Tri-Stabil-Hinterachse“ überstand den Generationswechsel fast unverändert. Die Motoren des Opel Rekord D waren Weiterentwicklungen der bewährten Vierzylinderaggregate mit seitlich liegender Nockenwelle (cih = camshaft-in-head). Sie waren bereits seit den 1960er-Jahren Bestandteil des Opel-Programms. Die Basismotorisierung bildete ein 1,7 Liter großes Triebwerk mit 66 PS Leistung. Die gleich große S-Maschine leistete 83 PS, das 1,9-Liter-Aggregat stemmte sogar 97 PS auf die Kurbelwelle.

Standard war 1972 ein Viergang-Schaltgetriebe. Für den 83-PS- und 97-PS-Motor gab es optional eine Dreigang-Automatik. Gegen Aufpreis gab es eine „Sportschaltung“, bei der der Schaltknüppel vom Lenkrad auf die Mittelkonsole wanderte. Bei den Händeln hieß der Neue zunächst „Rekord II“. Der Name Opel Rekord D wäre möglicherweise aals Diesel missverstanden zu werden. Wobei Opel zum Modelljahr 1973 tatsächlich einen Selbstzünder Diesel nachlegte. Der erste von Opel für Pkw-Modelle entwickelte Diesel war ein 2,1 Liter großer Vierzylinder-Wirbelkammermotor. Zielgruppe dieses Antriebs waren Taxi-Fahrer.

Um so mehr überrascht, wie Opel dieses Triebwerk im Juni 1972 der Öffentlichkeit präsentierte. Ausgerüstet mit dem per Turbolader auf 95 PS erstarkten Vierzylinder fuhr ein Opel GT zu 20 internationalen Rekorden. Im Rekord 2100 D, jetzt passte die Bezeichnung, verfügte der Saug-Diesel über 60 PS Leistung und war maximal 135 km/h schnell. Im Durchschnitt verbrauchte der Diesel im Schnitt 8,7 Liter gefärbtes Heizöl auf 100 Kilometer. Erkennungszeichen des Diesels war eine gewölbten Motorhaube. Sie war erforderlich, da der Selbstzünder mit oben liegender Nockenwelle und entsprechend geändertem Zylinderkopf deutlich höher als die Benzin-Motoren baute.

Die Sechszylinder des Rekord hießen Commodore!

Die Neuauflage des sportlich-exklusiven Schwestermodells Commodore, das es nur als Limousine und Coupé gab, stattete Opel mit Sechszylindermotoren aus. Das 2,5-Liter-Basismodell leistete 115 PS, die GS-Variante mit zwei Registervergasern verfügte sogar über 130 PS Leistung. Im September 1972 folgte als Topversion der 160 PS starke Commodore GS/E. In diesem Modell sorgte der 2,8-Liter-Motor mit elektronischer Einspritzung, der aus den Oberklasse-Modellen Diplomat und Admiral stammte, für eindrucksvolle Fahrleistungen.

Mit einem Sechszylinder hieß der Rekord Commodore
Wen ein Sechszylinder unter der Motorhaube arbeitete, dann hieß der Rekord Commodore. Hier ein Opel Commodore B Coupé. (Foto: Opel)

Das Opel Commodore GS/E Coupé erreichte 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, die viertürige Limousine rannte immerhin 195 km/h schnell. Erkennbar war der der Commodore GS/E am Frontspoiler, den Opel im Windkanal entwickelte. Opel erklärte zur Vorstellung des Rekord-Spitzenmodells selbstbewusst:

Der GS/E spricht die Liebhaber leistungsstarker Tourenwagen an, die selbst weite Strecken mit hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten zurücklegen wollen und dabei auf optimales Fahrverhalten und guten Fahrkomfort Wert legen.

Opel, 1972 zum Commodore GS/E

Der Opel Rekord D begeisterte die Kundschaft!

Schon nach weniger als fünf Jahren Bauzeit übersprang auch der Opel Rekord D die Millionen-Marke. Anfang September 1976 lief eine goldene Opel Rekord D Limousine als einmillionstes Modell der Baureihe vom Band. Der Autobauer feierte das Jubiläum mit dem Sondermodell „Millionär“. Es glänzte mit einem 100 PS starken 2,0 Liter-Motor und feiner „Berlina“-Ausstattung. Die Rüsselsheimer verstanden es damals geschickt, mit Sondermodellen für den Opel Rekord D zu werben.

Opel Rekord Coupe
Auch mit Vierzylinder-Motor gab es Coupé des Opel Rekord D (Foto: Opel).

Ebenfalls 1976 bewarb Opel den „Rekord 2000 Maharadscha“ als „fürstliches Auto zum günstigen Preis“. Fürstlich, das hieß im Opel Rekord D zu dieser Zeit: 2,0 Liter-Motor, 100 PS, UKW-Radio, 4 Türen, 185er Stahlgürtelreifen. In Werbeanzeigen präsentierte der Autobauer den Maharadscha selbstironisch in einer unwirklichen, grafischen Urwald-Kulisse in der als Gag auch noch ein Flamingo stand. Das passte eigentlich gar nicht zur Zielgruppe der eher rational entscheidenden Rekord-Fahrer. Es sollte wohl heimliche Wünsche der Käufer ansprechen.

Das Sondermodell „Rekord 2000 Hit“ trug weiß-rote Rückleuchten und stellte damit (schwache) Bezüge zu erfolgreichen TV-Formaten wie „Hitparade“ oder „Disco“ her. Alles zusammen half, den Rekord zu verkaufen. Bis Modellwechsel im September 1977 liefen in Rüsselsheim insgesamt 1.128.196 Opel Rekord D und 140.827 Commodore B vom Band. Original erhaltene Exemplare sind heute gesuchte Oldtimer und auch im historischen Motorsport gern gesehen. Denn schon zu seiner Zeit konnte Rekord und Commodore auch Sport. So trat Walter Röhrl mit einem von Irmscher vorbereiteten Commodore GS/E-Coupé einst bei der Rallye Monte Carlo an.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Die 1972 präsentierte vierten Generation des Rekord entsprach mehr als der Vorgänger dem europäischen Geschmack.

Foto: Opel

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

Comments

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