Fünf Sätze umfasst eine Pressemitteilung, die das Ende hochtrabender Pläne ankündigt. Renault ist wieder alleiniger Besitzer der Sportwagenschmiede Alpine. Der für 2016 angekündigte Sportwagen soll nun ohne den zeitweiligen Partner Caterham auf den Markt gebracht werden – heißt es dort.

Im November 2012 hatte sich Caterham mit 50% an dem traditionsreichen Sportwagenhersteller beteiligt. Die Idee klang gut. Alpine verfügt über große Tradition. Doch nach dem Auslaufen des A610 entstehen am Firmensitz in Dieppe seit 1992 „nur“ noch sportliche Renault-Modelle. Caterham agiert mit seinen überwiegend vom legendären Lotus Seven inspirierten Fahrzeugen in einem sehr spitzen Marktsegment.

Bei der Präsentation klangen die Pläne vielversprechend.

Denn die Zusammenarbeit versprach beiden Seiten Vorteile. Mit dem Know-how von Caterham und den Produktionskapazitäten von Alpine sollte etwas „Großes“ entstehen. Renault sah die Chance zur Rettung seiner siechenden Marke Alpine. Caterham-Besitzer Tony Fernandes wähnte sich am Ziel, auch als „Sportwagenbauer“ wahrgenommen zu werden. Bevor der Luftfahrtunternehmer Caterham erwarb, versuchte Fernandes schon Lotus zu übernehmen.

Beide Partner kannten sich aus der Formel 1. Dort bezieht Caterham seine Motoren bei Renault. Und genau dort könnte jetzt auch der Anfang von diesem Ende zu finden sein. Denn ganz überraschend kommt der Verkauf der Anteile an Alpine nicht. Vor ein par Wochen beschwerte sich Renault öffentlich über die Zahlungsmoral in der Formel 1 – allerdings ohne Namen zu nennen. Gleichzeitig gab es auch Gerüchte über einen Verkauf des Unternehmens, was Caterham allerdings umgehend dementierte. Man sei, so die Erklärung der Britten, aber auf der Suche nach Investoren.

Trotzdem blieben Zweifel am Budget von Caterham F1. Gut möglich, dass Ferandes mit dem Verkauf seiner Alpine-Anteile primär offene Motorenrechnungen beglichen hat. Genau so ist aber möglich, dass der Verkauf der Anteile von Alpine nur das Vorspiel weiterer Transaktionen ist. Inzwischen gilt ein Unternehmer aus Rumänien als Kaufinteressent – für das Formel-1-Team.

Ob Ion Bazac allerdings auch Interesse an dem Sportwagenbauer hat, ist fraglich. Sein Interesse gilt der Formel 1. Mit Unterstützung von Colin Kolles hat sich Bazac um einen Platz in der Formel 1 beworben. Wie zurzeit auch Gene Haas beweist, ist der Aufbau eines Formel-1-Teams allerdings eine komplexe Sache. Der Kauf eines existierenden Teams gilt als gute Abkürzung.

Caterham scheint im Angebot zu sein – egal wie man das tituliert. Wer Investoren sucht, kann das mit Schuldverschreibungen probieren. Aber schneller geht das in dieser Branche erfahrungsgemäß, wenn zumindest Firmenanteile angeboten werden.

Dazu kommt, dass die Formel 1 ein teures Hobby ist. Das kann man sich leisten, wenn das Stammgeschäft funktioniert. Immer wieder gibt es Zweifel an den Wachstumsplänen des von Fernandes geführten Flugunternehmens AirAsia. Ihre Umsetzung erfordert die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Chefs. Der Verkauf von Caterham wäre eine klare Aussage zu den Prioritäten des Chefs.

Gleichzeitig verbessert Tony Fernandes seine Verhandlungsposition

Wobei Eile geboten sein könnte. Denn inzwischen wird der Start von Caterham beim Großen Preis von Österreich in gut einer Woche öffentlich infrage gestellt. Ein Startverzicht würde, wenn sich das Team nicht eine höhere Gewalt berufen kann, die F1-Lizenz und damit den Wert des Unternehmens gefährden. Bleiben wir mal bei der Idee, dass Tony Fernandes mit dem Verkauf der Anteile von Alpine die Motoren bis zum Ende der Saison bezahlt hat. Dann hat der pfiffige Geschäftsmann gerade seine Verhandlungsposition im Poker mit möglichen Käufern verbessert.

4 Kommentare

  1. Interessant, erst vorgestern sprach ich mit einem Neffen des CEO von Caterham Alpina der recht zuversichtlich über einen ersten „Präsentationstermin“ der Autos sprach …

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