Carspotting: Über Oldtimer-Treffen und Daily Driver

Techno Classica 2022 in drei Autos

Unsere Auswahl von Autos, die jeder Besucher der Techno Classica 2022 sehen muss!

Endlich wieder Oldtimer-Messe – nach zwei Jahren Corona-Pause feiert zurzeit die Techno Classica 2022 ihren Neustart. Am ersten Publikumstag strömte das Publikum reichlich in die Hallen der Messe Essen. Wir suchten drei Autos, die unserer Meinung nach zum Pflichtprogramm aller Messebesucher gehören sollten.

Matra MS640
Der Matra MS640 sollte 1969 Le Mans gewinnen. Doch bei hohem Tempo flatterte die Karosserie. Das Fahrzeug war unfahrbar. Matra stoppte das Projekt.

Auch wenn die Traditionsabteilungen der Autobauer auf der Techno Classica 2022 fehlen, lohnt sich der Besuch. Schließlich gibt es auch an den Ständen der großen Oldtimer-Händler jede Menge zu sehen. Dazu locken die oft liebevoll arrangierten Clubstände. Alles zusammen bietet jede Menge Ideen für Benzingespräche. Und es ist nicht leicht, drei Autos herauszugreifen, wie es bei AutoNatives.de Tradition ist, um das immer noch außergewöhnliche dieser Leitmesse der Oldtimer-Szene zu beschreiben.

Trotzdem will ich es versuchen! Nach sechs Stunden in den Essener Messehallen und auf der Techno Classica 2022 entschied ich mich für einen Rennwagen, der nie rennen durfte, ein schwedisches Auto mit niederländischen Wurzeln sowie einen Oldtimer mit lilafarbiger Lackierung.

Matra MS640 – ungerannte Aeroflunder auf der Techno Classica 2022! 

Mit dem Matra MS640 wollte der ehemalige Rüstungskonzern Matra 1969 die Dominanz von Ford bei den 24 Stunden von Le Mans brechen. Auf Grundlage des Matra-V12 aus der Formel 1 entstand ein aufregender Sportwagen. Aerodynamik-Experte Robert Choulet entwarf eine strömungsgünstige Karosserie. In der Theorie sah das vielversprechend aus. Doch Henri Pescarolo verunglückte im April am Le Mans-Testtag mit dem MS640 schwer. Unterluft ließ den Sportwagen bei hoher Geschwindigkeit abheben.

Jüngere erinnert dieser Unfall sicher an die Mercedes, die 1999 in Le Mans ebenfalls spektakulär abhoben. Doch während diese Unfälle letztlich relativ glimpflich vonstatten gingen, verletzte sich Henri Pescarolo 30 Jahre zuvor schwer. Denn der Prototyp fing beim Unfall Feuer, die erlittenen Verbrennungen kennzeichnen seinen Piloten bis heute. Da Matra keine Chance sah, die aerodynamischen Probleme des MS640 zu lösen, stoppte das Unternehmen das Projekt. Der Rennwagen MS640 trat nie bei einem offiziellen Rennen an.

Mercedes-Benz 630 – Lila Saoutchik-Karosserie

Henry Ford bot sein Modell T lange nur in schwarz an. Der Grund war einfach, die schwarze Farbe trocknete am schnellsten. In den auf Effizienz getrimmten Werken von Ford war das wichtig. Auch viele andere Fahrzeuge aus der Gründerzeit des Automobils entstanden in eher gedeckten Farben. Die oftmals weißen Sportwagen von Mercedes-Benz waren da schon ein wohltuender Kontrast. Trotzdem gab es auch vor fast 100 Jahren Autokäufer, die ihr Fahrzeug anders lackieren ließen.

Mercedes-Benz 630 mit Karosserie von Iakov Saoutchik.
Der in lila lackierte Mercedes-Benz 630 entstand 1928 in Paris. Heute steht er im Technik Museum Sinsheim.

Monsieur Fagan aus Paris zum Beispiel. Denn Fagan orderte 1928 bei Daimler-Benz ein Fahrgestell des Typs 630. Der Karosseriebauer Iakov Saoutchik bekam den Auftrag, das Fahrzeug zu vollenden. Dabei entstand eine genauso exklusive wie individuelle Karosserie. Das Stoffdach im Fonds macht diesen 630 zu einem Stadtcoupé. Auffällig ist der aus Glas gefertigte Gallische Hahn, der den Kühlergrill schmückt. Doch das absolute Highlight ist die lilafarbene Lackierung. Das wirkt selbst heute noch etwas exzentrisch.

Kalmar-DAF – Hurra die Post ist da!

Viele Oldtimer-Fans kennen den VW Typ 147 „Fridolin“, den Landpostboten in den 1960er und 1970er-Jahren oft fuhren. Der Eisenbahnhersteller Kalmar Verkstad baute ab 1967 für die schwedische Post ein ähnliches Fahrzeug. Heute heißen solche Autos Lifestyle-Hochdachkombi, vor 50 Jahren waren es schlicht Lieferwagen. Versuche, sie an Privatkunden zu verkaufen, scheiterten letztlich sowohl bei VW als auch bei seinem schwedischen Wettbewerber.

Kalmar Verkstad baute sein Fahrzeug auf dem Fahrgestell des DAF 44 auf. Auch dessen 40 PS kräftiger Motor und dessen legendäre Variomatic, ein stufenloses Getriebe, zogen in den Lieferwagen ein. Zwei seitliche Schiebetüren erleichtern das Ein- und Aussteigen. Schon 1971 endete die Produktion. Nur 2.170 Exemplare, des in Schweden Tjorven getauften Fahrzeugs, entstanden. Fast alle kamen in Schweden zum Einsatz. Nur 50 Exemplare gingen als Kalmar-DAF in die Niederlande.


Die Techno Classica 2022 findet noch bis zum 27. März in Essen statt. Sie ist täglich von 9:oo Uhr bis 18:oo Uhr geöffnet.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Dieser Lieferwagen für die schwedische Post entstand beim Eisenbahn-Hersteller Kalmar Verkstad. Das in Schweden Tjorven genannte Auto basiert auf dem DAF 44.

Gesehen auf der Techno Classica 2022 - Foto: Tom Schwede

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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