Es passierte am ... Geschichten zum Auto

19. Januar 1978 – das Ende der VW Käfer-Produktion in Europa

Nach dem Ende der Käfer-Produktion in Deutschland baut VW dem Käfer noch 25 Jahre weiter!

Mit dem letzten VW Käfer, der am 19. Januar 1978 im VW-Werk in Emden vom Band läuft, endet eine Epoche. Denn fortan baut Volkswagen das Symbol des Wirtschaftswunders nur noch in Übersee. Auch wenn damals dann doch noch 25 Jahre Produktionsjahre vor dem Käfer liegen sollte, das Produktionsende des Käfers in Europa war genauso Meilenstein wie Zeitenwende.

Denn der Käfer und Volkswagen waren auch in den 1970er-Jahren noch eine untrennbare Einheit. Das Volkswagen getaufte erste Modell des Hauses gab dem Autobauer sogar den Namen. Erst 1955, immerhin zehn Jahre nach der Stunde null und dem Restart des Käfers nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mit dem Karman Ghia bei Volkswagen ein zweiten Modell. Der Konzern, der heute mit zahlreichen Töchtern und Marken zu den ganz großen Playern des Automarkts gehört, war noch nicht vorhersehbar. Lange hält Volkswagen am Typ 1 – wie der Käfer offiziell immer hieß – fest. Anfang der 1970er-Jahre fährt VW deshalb sogar mit Volldampf in die Krise.

1950 feiert VW den 100.000 Käfer. Es folgen noch 20.000.000
1950 feiert Volkswagen den 100.000 VW Käfer. Es folgen noch 20.000.000 (Foto: Volkswagen)

Zuvor fährt das Unternehmen nämlich nach der Devise, es ist ja noch immer gut gegangen. 20 Jahre lang sorgt der VW Käfer Jahr für Jahr für neue Absatzrekorde. Erst Mitte der 1960er-Jahre liegt die Absatzmenge einmal unter der des Vorjahrs. Ansonsten geht es seit 1945 nur aufwärts. 1947 verlassen 8.987 Käfer die Werkshallen. Ein Jahr später sind es schon 19.244 Einheiten. Mit dem Wirtschaftswunder wird der VW Käfer endgültig zu einem weltweiten Exportschlager. Bereits 1955 blickt Volkswagen auf die erste Million zurück. Gut zehn Jahre später laufen eine Million Käfer pro Jahr vom Band.

Der VW Käfer läuft und läuft und läuft …

Mit geschicktem Marketing versteht es Volkswagen, den Absatz des Käfers in ungeahnte Höhen zu treiben. Der wichtigste Absatzmarkt außerhalb Deutschlands sind die USA. In den 1960er-Jahren ist der VW Käfer jenseits des großen Teichs die Verkörperung einer Gegenkultur zu den monströsen Straßenkreuzern der heimischen Autobauer. Daheim in Wolfsburg beschränken sich die Techniker all die Jahre auf eine zwar kontinuierliche aber letztlich immer moderate Modellpflege. Ab 1953 gibt es eine einteilige Heckscheibe. Vier Jahre später wird die Heckscheibe etwas größer. 1964 vergrößert Volkswagen auch die anderen Fenster.

1953 verschwindet das charmante Brezel. (Foto Volkswagen)
1953 verschwindet das charmante Brezel. (Foto Volkswagen)

Ab 1967 gibt es senkrecht stehende Scheinwerfer. Zudem bekommen die Modelle mit größeren Motoren ein Bordnetz mit zwölf Volt Spannung sowie teilweise eine andere Hinterachse. Im August 1970 verlängert VW den Vorderwagen des Käfers. Damit schaffen die Techniker Platz für eine neue Vorderachse. Statt der guten alten Pendelachse gibt es jetzt MacPherson-Federbeine. Der Umbau schafft den Raum, um das Reserverad im Kofferraumboden zu verbergen. Die Kunden freuen sich über mehr Platz im Kofferraum. Zudem wird die Schräglenkerhinterachse, die es zuvor nur bei den Automatikmodellen gab, Standard.

1971 ist der Höhepunkt erreicht!

Unfassbare 1.291.612 Käfer verlassen 1971 die Produktionsstätten. Längst baut VW den Käfer nicht nur in Wolfsburg. Auf der Suche nach zusätzlichen Fertigungskapazitäten kauften die Wolfsburger in den 1960er-Jahren Auto Union und NSU. Dazu entsteht auf Druck des Miteigentümers Niedersachsen 1964 ein Werk im strukturschwachen Emden. Wegen der Nähe zum Emdener-Überseehafen laufen an der Nordseeküste zunächst nur die Käfer für den US-Markt vom Band. Doch das Ende naht – obwohl die Fachzeitschrift „auto motor und sport“ noch 1969 einen Test mit dem Fazit „Einen wirklichen, echten Anti-Käfer wird und kann es nie geben.“ abschließt.

Der letzte VW Käfer aus Wolfsburg wird gefeiert. (Foto VW)
Schon 1974 läuft der letzte VW Käfer in Wolfsburg vom Band. (Foto VW)

Die Herren des Automagazins täuschen sich, denn inzwischen zeigen moderne Kleinwagen wie der Fiat 127 oder auch der Peugeot 104 wohin sich der Autobau entwickelt. Dem Frontantrieb und der Wasserkühlung gehören die Zukunft. Die luftgekühlten Boxermotoren von Volkswagen erfüllen immer weniger die gestiegenen Komfortbedürfnisse der Kunden. Das gilt auch für den 1961 präsentierten Typ 3 in der Mittelklasse. Trotzdem feiert Volkswagen zunächst weitere Erfolge. Im Februar 1972 löst der Käfer Fords Modell T als bisher meistgebautes Auto ab. Doch die Produktion des Käfers ist ein teures Vergnügen. Die Fertigung ist an vielen Stellen auf dem Stand der 1930er-Jahre. Das geht zu Lasten der Marge. Volkswagen braucht Stückzahlen, um Gewinne zu schreiben.

Das lange Ende des VW Käfers

Doch ausgerechnet jetzt nehmen die modernen Wettbewerber dem Volkswagen zunehmend Marktanteile ab. VW leitet die Wende ein. Den Typ 3 löst 1973 mit dem VW Passat eine Variante des Audi 80 ab. Es ist der Versuchsballon. Ein Jahr später läuft der letzte Wolfsburger Käfer vom Band. Im Stammwerk entsteht jetzt der VW Golf, der das ganze Unternehmen aus der Krise fährt. Trotzdem kann sich Volkswagen noch nicht ganz vom Käfer trennen. Seit 1967 baut VW den Käfer auch in Mexico. Zudem läuft auch die Produktion in Emden zunächst weiter.

Nach dem Produktionsende in Deutschland bietet VW auch in der Heimat den Mexico-Käfer an. (Foto Volkswagen)
Nach dem Produktionsende in Deutschland bietet VW auch in der Heimat den Mexico-Käfer an. (Foto Volkswagen)

Doch es ist nur eine Frage der Zeit. Passat und Golf verkaufen sich gut. Deshalb fährt der Käfer in Europa endgültig aufs Abstellgleis. Am 19. Januar 1978 verlässt der letzte europäische Käfer die Werkshallen in Emden. VW braucht die Kapazitäten für den Passat. Emden spielt trotzdem noch einige Jahre eine tragende Rolle, wenn es um den Käfer geht. Denn über den Hafen der friesischen Kleinstadt importiert Volkswagen fortan den Mexiko-Käfer. Bis zum Sommer 1985 bietet Volkswagen den Käfer noch in Deutschland an. In den letzten Jahren ist der Käfer zumindest in der alten Heimat nur noch ein Auto für Liebhaber.

Denn längst sind auch bei Volkswagen Frontantrieb und Wasserkühlung der Standard. Trotzdem gibt es auf einigen Überseemärkten den Käfer noch bis 2003 an. Erst dann, 25 Jahre nach dem Produktionsende in Deutschland, stellt der Autobauer die Produktion nach 21.529.464 VW Käfer endgültig ein.

Dieser Artikel über das Produktionsende des VW Käfer entstand ursprünglich 2017, fünf Jahre später haben wir ihn neu veröffentlicht.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der letzte VW Käfer aus Wolfsburg wird gefeiert. (Foto VW) Schon 1974 läuft der letzte VW Käfer in Wolfsburg vom Band.

Foto VW

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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