Heute vor exakt 99 Jahren gründeten Geschäftsleute in der Lombardei die Società „Anonima Lombarda Fabbrica Automobili“ – kurz: A.L.F.A. Von Beginn an zeichnen sich die Produkte der jungen Firma durch ihre Sportlichkeit aus. Keine andere Marke kann häufiger bei der sagenumwobenen Mille Miglia siegen. Zum 99. Geburtstag blickt AutoNatives.de auf die Geschichte der heute als Alfa Romeo bekannten Firma zurück.

Henry Ford sagte einmal, er ziehe den Hut, wann immer er einen Alfa Romeo sehe. Ford drückte mit dieser Aussage seine Bewunderung für die oftmals wegweisende Technik der in Mailand beheimateten Marke aus. Genau diese Technik ist immer wieder auch die Grundlage für aufsehenerregende Rennerfolge. Schon der erste A.L.F.A., der für seine Robustheit gerühmte 24 HP, erreicht dank eines 42 PS starken Vierliter-Vierzylinder-Motors die für seine Zeit fantastische Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. 1911 führen Franchini / Ronzoni mit ihm die Targa Florio an – und müssen erst in der letzten Runde wegen eines Radschadens aufgeben.

1913 debütiert im A.L.F.A. 40-60 HP ein 6,0-Liter-Vierzylinder mit obenliegenden Ventilen. Für die Rennversion entwirft Konstrukteur Giuseppe Merosi sogar einen 4,5-Liter-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Vierventiltechnik. Mit der „Aerodinamica“ genannten Karosserie in luftwiderstandsoptimierter Tropfenform erreicht der 40-60 HP so eine Spitzengeschwindigkeit von fast 140 km/h. Nach dem 1915 erfolgten Eintritt des Industriellen Nicola Romeo änderte kurze Zeit später der Firmenname: Aus A.L.F.A wird Alfa Romeo. 1922 präsentiert der Mailänder Hersteller im neuen Alfa Romeo RL seinen ersten Sechszylinder; drei Liter groß und 56 PS stark. Von ihm wird wenig später der kleinere RM mit vier Zylindern abgeleitet. Beide Fahrzeuge fahren umgehend bei den damals beliebten Straßenrennen wichtige Erfolge ein. 1923 belegt man mit dem Alfa Romeo RL bei der Targa Florio gleich die ersten drei Plätze.

Sieger der Grand-Prix-Weltmeisterschaft

In den Folgejahren setzt sich Alfa Romeo auf fast allen Rennstrecken der Welt erfolgreich in Szene. Der kompressorgetriebene P2 gewinnt 1925 erstmals die Grand-Prix-Weltmeisterschaft. Ein Erfolg, den die Mailänder stolz zur Schau tragen und ihr Markenzeichen um einem Lorbeerkranz erweitern. Unter Rennleiter Enzo Ferrari fahren Tazio Nuvolari, Louis Chiron und Rudolf Caracciola mit dem P3 von Sieg zu Sieg. Sie machen Alfa Romeo so zur wohl faszinierendsten Automobilmarke ihrer Zeit. Dies färbt auch auf die Serie ab. Denn parallel beginnt eine goldene Ära für klassische Modelle wie etwa den sechszylindrigen 6C 1750 (ab 1927) und 8C mit acht Zylindern (ab 1931). Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h galt der Alfa Romeo 8C in den 1930er Jahren als das schnellste Serienauto der Welt.

Wandel von der Manufaktur zum Serienhersteller

Alfa Romeo 1900 Ti S
Alfa Romeo 1900 Ti S

Nach dem zweiten Weltkrieg vollzieht Alfa Romeo den Sprung von der Manufaktur zum Serienhersteller; die typische Dynamik der Modelle bleibt unangetastet. Die noble Limousine 1900 (ab 1950) sorgt für Aufbruchstimmung, anmutige Coupé- und Cabriolet-Versionen folgen. Erneut befeuern grandiose Sporterfolge den Verkauf. Mit vier Alfa Romeo auf den ersten vier Startplätzen beginnt 1950 in Silverstone das erste Formel-1-Rennen der Geschichte. Giuseppe „Nino“ Farina gewinnt schließlich mit dem berühmten „Tipo 159“ das Rennen und sichert sich im selben Jahr auch die erste Formel-1-Weltmeisterschaft. Ein Jahr später gewinnt sein argentinischer Markenkollege Juan Manuel Fangio einen weiteren Formel-1-Titel für das Unternehmen aus Mailand.

Dort werden die Autos kleiner und erschwinglicher. Doch sie bleiben sportlich. Mit der Giulietta erobert Alfa Romeo 1954 das 1,3-Liter-Segment. Genau genommen laufen sich die Mailänder damit aber nur warm für einen noch größeren Erfolg: die ab 1962 angebotene Giulia. Sie definiert bis heute quasi das Urmaß der modernen Sportlimousine. Praktisch für die Familie, dynamisch auf der Straße. Ihr stellt man zum Teil aufregende Schwestermodelle zur Seite – angefangen vom Giulia Sprint GT über den wunderbaren Junior Zagato bis hin zur epochalen Giulia Sprint GTA mit Aluminium-Karosserie. Die knüpft – wenn auch bei den Tourenwagen – erfolgreich an die Sporttradition der Marke an. Schließlich gehen sieben Europameisterschaftstitel in ihre Vita ein.

Weitere Klassiker feiern ihr Debüt

1966 wird der Alfa Spider vorgestellt. Dustin Hoffman entflieht mit ihm in der Reifeprüfung den Reizen von Mrs. Robinson. Bis 1993 symbolisiert der Alfa Spider die Sehnsucht nach Freiheit und „Dolce vita“ praktisch im Alleingang, da kleine offene Sportwagen zu dieser Zeit nahezu vom Markt verschwunden sind. Von 1970 bis 1977 baut man den eleganten Alfa Montreal. Als Designstudie wurde das Auto 1967 auf der Weltausstellung in Montréal erstmals vorgestellt. Drei Jahre später geht es in Serie. Angetrieben von einem V8, der sonst den in Le Mans oder bei der Targa Florio bewährten Tipo 33 antreibt und die Marken- sowie die Sportwagen-Weltmeisterschaft gewinnt.

Trotzdem geriet Alfa Romeo in Schwierigkeiten

Zwar setzte die Serienausstattung der Giulia mit Rundum-Scheibenbremsen, Fünfgang-Getriebe und vor allem der Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und einer Mehrfach-Vergaseranlage Maßstäbe, die von anderen Herstellern dieser Klasse wie BMW erst Jahre später übernommen wurden. Doch die Technik hatte ihren Preis. 1972 lag der Preis der Giulia 1600 deutlich über dem Preis eines vergleichbaren BMW 2002. Und so blieb das Fahrzeug außerhalb Italiens einer überschaubaren Fangemeinde vorbehalten. Ab den 1970ern litt zudem der Ruf der Marke, vor allem durch die preiswerten, nicht in Mailand sondern aus politischen Gründen in Süditalien produzierten Alfasud. Diese hatten erstmals Vorderradantrieb sowie einen Boxermotor. Auch sie galten als sportlich – aber auch als besonders rostanfällig. Zudem gab es bei Ihnen zum Teil große Probleme mit der Verarbeitung. 1985 debütiert mit dem Alfa 75 eine neue Mittelklasse-Limousine. Der Name weist auf das 75. Firmenjubiläum hin.

Die Rettung durch FIAT

Alfa Romeo 155 V6 TI von 1996
Alfa Romeo 155 V6 (Foto: Tony Harrison)

Ein Jahr später verkaufte der Staat, der bereits 1933 als Folge der Weltwirtschaftkrise das Unternehmen vollständig übernommen hatte, Alfa Romeo an den privaten FIAT-Konzern. Dieser vereinigte Alfa Romeo zunächst gemeinsam mit Lancia zur Alfa-Lancia Industriale S.p.A, um diese Marken schließlich vollständig in den Konzern zu integrieren. Aus dem 75, dem für viele Alfisti letztem echten Alfa Romeo, wird der 155. Mit ihm vollzieht auch in diesem Segment die Umstellung auf Frontantrieb. Gleichzeitig liefert der 155 die Basis für einen der erfolgreichsten Renntourenwagen der Neuzeit. Nach Erfolgen im italienischen Championat wechselt man in die DTM/ITC, um hier Siege und Titel zu erringen. Mit seinem nach dem Klasse-1-Reglement aufgebauten Alfa 155 siegt Nicola Larini 1993 bei seinem ersten Auftritt auf der Nordschleife. Sein Duell mit Klaus Ludwig ist vielen Fans bis heute in guter Erinnerung geblieben.

In den vergangenen Jahren ist es um Alfa Romeo stiller geworden. Für FIAT streitet man sich einige Jahre in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Gleichzeitig ist man bis zum heutigen Tage darum bemüht, mit seinem Produkten Sportlichkeit und technische Innovation zu vermitteln. Für das anstehende 100. Jahr seiner Firmengeschichte hat man einige interessante Neuigkeiten angekündigt, die den Mythos der Marke weiterleben lassen sollen.

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