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Als Peugeot den 404 mit einem V8 in die USA schicken wollte

Nach dem gescheiterten V8 für den Peugeot 802 starteten die Ingenieure in Sochaux einen zweiten Anlauf. Ein Peugeot 404 mit Achtzylinder sollte den amerikanischen Markt erobern. Doch auch dieses Projekt scheiterte kurz vor dem Ziel.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
19. September 2026 6 Minuten Lesezeit
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Peugeot 404 des Jahrgangs 1966
Um mit dem Peugeot 404 auch in Nordamerika gutes Geld zu verdienen, plante der französische Autobauer das Erfolgsmodell 404 mit einem V8 auszurüsten. Doch am Ende fehlte dem Autobauer aus Sochaux der Mut, den Plan in die Realität umzusetzen. (Foto: Peugeot / Stellantis)

Bereits in den 1930er-Jahren arbeitete Peugeot für den geplanten 802 an einem vielversprechenden V8-Projekt. Doch am Ende fehlte der Unternehmensleitung unter Jean-Pierre Peugeot III. (Chef des Unternehmens von 1928 bis 1959) das Vertrauen in einen Erfolg. So beendete sie das Projekt kurz vor der Serienreife. Eines der damals entstandenen V8-Triebwerke überlebte als Antrieb einer Seilbahn. Trotzdem wagten die Ingenieure aus Sochaux nur rund zwei Jahrzehnte später einen weiteren Anlauf.

Peugeot sollte in die USA!

Der beliebte Peugeot 404 sollte einen V8 bekommen, um den US-Markt zu erobern. Denn Peugeot wusste, dass für ein weiteres Wachstum der eigenen Firma eine Präsenz in den USA notwendig war. Um Kosten für den Aufbau eines eigenen Händlernetzes zu sparen, vereinbarte der Autobauer aus dem Nordosten Frankreichs mit Renault eine Vertriebskooperation für den US-Markt. Renault gehörte damals dem französischen Staat. Der sah in der Kooperation wohl auch eine Stärkung des Industriestandorts.

Ab März 1958 übernahm die Régie Renault, die unter anderem ihren Kleinwagen Renault Dauphine bereits in den USA über ein breites Händlernetz verkaufte, den Vertrieb der ersten Marge von 7.500 Peugeot-Fahrzeugen. Peugeot beschränkte sich darauf, für die eigenen Produkte in den USA zu werben. Doch schnell zeigte sich, dass die kompakten europäischen Automobile den Erwartungen amerikanischer Kunden nur bedingt entsprachen. Vor allem Hubraum und Motorleistung galten als zu bescheiden.

Peugeot baute wieder einen V8

Im Mai 1960 stellte Peugeot den neuen, von Pininfarina entworfenen Peugeot 404 der Öffentlichkeit vor. Besonders die Variante mit der dritten Sitzbank im Kofferraum der Kombiversion Break schrie geradezu danach, in die USA verkauft zu werden. Denn das Auto bediente in einer Zeit, als Familien mit drei oder mehr Kindern noch selbstverständlich waren, die Bedürfnisse der amerikanischen Vorstadtmütter. Denn auf der dritten Sitzbank ließen sich noch zwei Kinder der Nachbarn transportieren.

Werbeanzeige von Peugeot

Nach der Trennung von Renault setzte Peuegot in der Kommunikation auf Innovation und Qualität. Der Claim „75 Yeras of Quality“ sollte das unterstreichen. (Foto: Peugeot / Stellantis)

So entstand der Plan, vom 404 eine spezielle USA-Version abzuleiten. Sie sollte nicht nur die bereits damals strengen Sicherheits- und Abgasvorschriften einzelner Bundesstaaten wie Kalifornien erfüllen, sondern auch mit einem V8-Motor glänzen. Genauso wie schon gut zwei Jahrzehnte zuvor beim Peugeot 802 entstand der dafür notwendige Motor wieder auf Grundlage des vorhandenen Vierzylinders. Auch die Zylinder, Kolben und Zylinderköpfe stammten vom Serienmotor.

Erprobung auf amerikanischen Straßen

Anders als beim gescheiterten 802 plante Peugeot diesmal jedoch kaum Änderungen an der Karosserie. Der Motor sollte direkt in die Serienlimousine eingebaut werden, um die Produktionskosten möglichst niedrig zu halten. Dabei half, dass der Motorraum des Peugeot 404 so großzügig ausgelegt war, dass der Achtzylinder ohne grundlegende Änderungen Platz fand. Mehrere Prototypen entstanden, die Peugeot in die USA verschiffte, um sie vor Ort zu erproben.

Äußerlich unterschieden sich die Prototypen nur durch einen Lufteinlass auf der Motorhaube von den Serienmodellen. Dazu kam eine zweiflutige Abgasanlage mit je einem Endrohr auf der linken und rechten Fahrzeugseite. Zudem rüsteten die Ingenieure den 404 mit V8-Motor mit Scheibenbremsen aus und verstärkten die Vorderachse, um der höheren Leistung gerecht zu werden. So entstand ein ausgewogenes Gesamtpaket, das offenbar die Erwartungen der Entwickler erfüllte. Denn die Tests in den USA verliefen zufriedenstellend.

Trotzdem scheiterte das Projekt erneut!

Wie schon in den 1930er-Jahren scheiterte auch dieses V8-Projekt nicht an der Technik. Vielmehr änderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die amerikanische Tochtergesellschaft des damaligen Vertriebspartners Renault (Renault Inc.) geriet unter Druck. 1959 setzte sie noch mehr als 100.000 Fahrzeuge in den USA ab. Doch das dünne europäische Blech war den amerikanischen Wintern und dem dort üblichen aggressiven Streusalz nicht gewachsen. Die Autos von Renault verrosteten in Rekordzeit.

Anzeige von Peugeot in den USA, 1966

In dieser Anzeige warb Peugeot 1966 in den USA mit den Erfolgen der Marke bei der „East Africa Safari“. So wollte der französische Autobauer die Qualität seiner Produkte unterstreichen. Nach dem Desaster an der Seite von Renault war das offensichtlich notwendig. (Foto: Peugeot / Stellantis)

Dazu kamen schlecht ausgebildete Mechaniker sowie Probleme mit der Versorgung von Ersatzteilen – beides wohl auch das Ergebnis eines zu schnellen, aus Paris befohlenen Wachstums. Die Folge war, dass sich Händler in Scharen von den französischen Marken verabschiedeten. Und obwohl Peugeot mit dem Peugeot 403 ein qualitativ deutlich besseres und zuverlässigeres Auto anbot als Renault mit der Dauphine, rissen die Probleme der Vertriebsgesellschaft auch die Löwenmarke in den Abwärtsstrudel.

Ein Führungswechsel beschleunigte den Abschied!

Schon 1959 gab Jean-Pierre Peugeot III. die aktive Geschäftsführung an seinen engen Vertrauten Maurice Jordan ab. Dieser stand dem US-Geschäft von Anfang an skeptisch gegenüber. Jordan hielt Exporte in die USA für unrentabel und betrachtete sie primär als politisches Zugeständnis sowie als Mittel zur besseren Werksauslastung im Inland. Alles zusammen führte zu einer Neuausrichtung der Pläne. Peugeot begann, sich hastig aus der Umklammerung des kriselnden Partners zu lösen.

Im Geheimen baute Peugeot eigene Importstrukturen auf, um die verbliebenen loyalen Händler direkt zu beliefern und den exzellenten Ruf seiner Fahrzeuge zu retten. Erst 1966 trennten sich beide Partner nach langwierigen Verhandlungen endgültig. Peugeot gründete daraufhin die komplett eigenständige Tochtergesellschaft Peugeot Motors of America (PMA) mit Hauptsitz in Lyndhurst, New Jersey, und kontrollierte fortan Import, Marketing und das Händlernetz im Alleingang.

Der Peugeot 404 mit V8-Motor blieb eine Idee!

Denn im Schatten dieser größeren Zusammenhänge verzichtete Peugeot darauf, einen V8-Motor anzubieten. Auch in den USA beschränkte sich der französische Autobauer auf die aus Europa bekannten Motoren. So wiederholte sich die Geschichte. Wie schon bei 802 gab Peugeot auch seinen zweiten seriennahen Achtzylinder auf. Doch während vom Peugeot 802 heute nur noch ein Motor erhalten ist, sollen vom 404 mit V8 sogar noch zwei Prototypen existieren.

Diese Prototypen gehören zweifelsfrei zu den seltensten und geheimnisvollsten Fahrzeugen der Markengeschichte. Denn sie erinnern daran, dass Peugeot gleich zweimal kurz davor stand, einen eigenen V8 in Serie zu bauen, und beide Male kurz vor dem Ziel auf eine Serienfertigung verzichtete. Doch das Thema war damit noch nicht erledigt. Zusammen mit Renault wollte Peugeot in Douvrin einen Achtzylinder bauen – bis die Ölkrise auch dieses Projekt stoppte.


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