1979 stellte der schwedische Autobauer Volvo in Zusammenarbeit mit der Carrozzeria Bertone eine Studie vor. Beim Volvo Tundra griff Bertone wieder einmal die Keilform auf. Doch Keile sind inzwischen längst nicht mehr so heiß, wie sie am Anfang des Jahrzehnts waren. Doch im Innenraum der Studie schaut dafür die Zukunft vorbei.

Volvo übernimmt Mitte 1975 die Pkw-Sparte von DAF. Damit erbt der schwedische Autobauer ein praktisch fertig entwickeltes Fahrzeug. Der geplante DAF 77 kommt ein Jahr nach der Übernahme als Volvo Serie 300 in der Kompaktklasse auf den Markt. Auf der Grundlage dieses Fahrzeugs entsteht die Studie Volvo Tundra. An der Studie wirkt die Carrozzeria Bertone mit. Das kompakte Basisfahrzeug kleidete ursprünglich Giovanni Michelotti ein, der bei DAF der Hausdesigner war. Doch Bertone arbeitete bereits länger für Volvo. Deshalb verliert Michelotti mit der DAF-Übernahme durch Volvo einen treuen Kunden.

Bertone greift beim Volvo Tundra auf das Reliant/Otosan-Design zurück!

Volvo will 1979 mit einer Studie prüfen, was sich im anstehenden Jahrzehnt verkaufen lässt. Bertone legt los und greift ins Regal. Grundlage der Studie ist das Auto, das zwei Jahre zuvor bei Reliant und Otosan nicht zur Serienreife kam. Der britisch-türkischen Allianz fehlte der passende Motor, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Die Änderungen des Designs sind überschaubar. Bertone-Chef-Designer Marcello Gandini gestaltet einen Zweitürer. Wobei das vor allem daran liegt, dass Volvo die Technik der Serie 300 in das Projekt einbringt. Das beschränkt den Radstand.

Innenraum des Volvo Tundra – Studie von 1979
Bei der Studie Volvo Tundra setzen Volvo und Bertone 1979 auf ein digitales Cockpit. (Foto: Volvo)

Progressiver ist die Studie im Innenraum. Denn dort ist der Volvo Tundra ein rollendes Zukunftsbild des Automobils. Besonders das digitale Cockpit der Studie griff seiner Zeit weit vor. Das Digitaldisplay, technisch eine Mischung aus einer beleuchteten Platte und Vakuum-Fluoreszenzanzeigen, war beim Debüt der Studie pure Science-Fiction. Trotzdem entscheidet sich Volvo nach der Präsentation dafür, das Thema nicht weiterzuverfolgen. So bleibt der Studie Tundra nur ein Messeauftritt, anschließend verschwindet das Fahrzeug in der Sammlung des schwedischen Autobauers

Die Entscheidung geht auf den Volvo-Vertrieb zurück. Dort kennt man die Kunden, die die Marke Volvo (damals) erreicht. Dem Vertrieb fehlt der Glaube, dass die Kunden so ein Auto kaufen würden. Beim Design des Nachfolgers der Serie 300 wählt Volvo deshalb einen anderen Weg. Volvo Chefdesigner Jan Wilsgaard zeichnet die ersten Entwürfe. Sein Mitarbeiter Peter van Kuilenberg leitet davon schließlich das konkrete Fahrzeug ab. Eine richtige Erfolgsgeschichte werden die Modelle Volvo 440 und 460 allerdings auch nicht. Gut möglich, dass der Tundra besser funktioniert hätte.

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