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Renault 8 Gordini Concept: Weiß Renault wieder, was Gordini bedeutet?

Zwei weiße Streifen, 270 elektrische PS und ein großer Name: Renault entdeckt Gordini wieder. Doch was hat die neue Studie Renault 8 Gordini Concept eigentlich mit jenem „Hexer“ zu tun, der einst aus einer biederen Familienlimousine eine Motorsportlegende machte?

10. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit
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Renault 8 Gordini Concept
Renault erinnert mit dem elektrischen R8 Gordini Concept an Amédée Gordini, den legendären „Hexer“, und die Wurzeln des ersten Markenpokals. (Foto: Renault)

Manche Namen auf einem Auto sind mehr als eine Modellbezeichnung. Cooper gehört dazu. Abarth ebenfalls. Und natürlich Gordini. Wobei Renault in den vergangenen Jahren offenbar zeitweise vergessen hatte, dass hinter diesem Namen tatsächlich ein Mensch und eine ziemlich bemerkenswerte Motorsportgeschichte stecken. Jetzt erinnert man sich in Frankreich wieder daran. Denn mit dem Renault 8 Gordini Concept präsentiert Renault eine elektrische Studie, die ganz bewusst an den legendären R8 Gordini von 1964 erinnert.

Zwei weiße Streifen, kantige Radausschnitte und sechs runde Scheinwerfer stellen die Verbindung zum historischen Vorbild her. Dazu kommen 270 elektrische PS, 19-Zoll-Räder vorn und 20-Zöller hinten. Das Coupé ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und gerade einmal 1,27 Meter hoch. Ein neuer Renault 8 Gordini ist das trotzdem nicht. Denn der echte R8 Gordini war wesentlich mehr als ein Designprojekt mit historischen Zitaten.

Und nein: „Der Hexer“ ist kein Edgar-Wallace-Titel

Dafür müssen wir zunächst über den Mann sprechen, dessen Name auf beiden Autos steht: Amédée Gordini. Der 1899 in Italien geborene und später in Frankreich arbeitende Konstrukteur und Rennfahrer verstand es zu seiner Zeit wie kaum ein anderer, aus vergleichsweise bescheidenen Motoren erstaunliche Leistungen herauszukitzeln. Das brachte ihm den französischen Spitznamen „Le Sorcier“, also „der Hexer“ oder „der Zauberer“, ein. Und nein, das ist kein Titel eines Edgar-Wallace-Films.

Renault 8 Gordini Concept

Seitenansicht des Renault 8 Gordini Concept (Foto: Renault)

Denn Gordini war tatsächlich ein Motorenzauberer. Kenner erzählen über ihn eine wunderbare Geschichte: Wenn er beispielsweise die Ansaugbrücke eines Serienfahrzeugs überarbeiten wollte, stellte Gordini sich neben den Mann an der Fräsmaschine und erklärte ihm, wo dieser Material wegnehmen sollte. Erst als das Teil fertig war, bekam es der technische Zeichner in die Hand, damit dieser daraus eine Zeichnung anfertigte. Ingenieursarbeit in der heute üblichen Reihenfolge sieht anders aus.

Aus einer Familienlimousine wurde der R8 Gordini

Doch Gordini bewies immer wieder, dass seine Methoden funktionierten. Mit eigenen Rennwagen trat Gordini zwischen 1950 und 1956 sogar in der Automobil-Weltmeisterschaft an. Ende der 1950er-Jahre begann die Zusammenarbeit mit Renault. Zunächst nahm der gebürtige Italiener sich die Dauphine vor. Danach entstand jenes Auto, das seinen Namen endgültig zur Legende machte. Die Ausgangsbasis war ausgesprochen bürgerlich. Der Renault 8 war eine kantige viertürige Limousine mit Heckmotor. Gordini machte daraus 1964 einen Sportler.

Der zunächst 1.108 Kubikzentimeter große Vierzylinder leistete nach der Bearbeitung durch Gordini satte 86 DIN-PS. Das war damals eine Ansage. Schließlich brachte es der normale Renault 8 auf weniger als die Hälfte. 1966 folgte die nächste Ausbaustufe mit 1.255 Kubikzentimetern, 88 PS, zwei Weber-Doppelvergasern und einem Fünfganggetriebe. Äußerlich wurde der kleine Franzose ebenfalls unverwechselbar: Bleu de France, zwei weiße Streifen und bei der zweiten Serie vier Hauptscheinwerfer plus zwei zusätzliche Fernscheinwerfer.

Der Gordini wurde zum Sprungbrett für Rennfahrer

Und genau auf diese optischen Merkmale spielt die neue Studie an. Doch das Entscheidende war etwas anderes: Beim R8 Gordini standen die weißen Streifen nicht stellvertretend für Sportlichkeit. Denn das Original war tatsächlich für den Sport gemacht. 1966 ging Renault noch einen Schritt weiter und rief den Coupe Gordini ins Leben. Er gilt heute als der erste Markenpokal der Motorsportgeschichte. Das Prinzip war bestechend einfach: Die Teilnehmer traten mit weitgehend serienmäßigen und vor allem identischen Renault 8 Gordini gegeneinander an. Erlaubt waren nur wenige Veränderungen. Ein Sportlenkrad, eine Öldruckanzeige und härtere Stoßdämpfer gehörten dazu.

Innenraum des Renault 8 Gordini Concept

Innenraum des Renault 8 Gordini Concept (Foto: Renault)

Profis durften gar nicht erst teilnehmen. Damit sollte tatsächlich der Fahrer entscheiden und nicht dessen Geldbeutel oder die Fähigkeiten seiner Mechaniker. In der ersten Saison umfasste der Kalender zwölf Rundstreckenrennen, 27 Rallyes und 17 Bergrennen. Später konzentrierte sich die Serie auf Rundstreckenrennen. Der Andrang wurde so groß, dass Renault 1969 sogar eine Vorqualifikation einführen musste. Aus dem Coupe Gordini gingen Fahrer wie Jean-Pierre Jabouille, Bernard Darniche und Jean-Luc Thérier hervor. Damit erfand Renault nicht nur einen Markenpokal. Die Franzosen schufen ein bezahlbares Sprungbrett in den Motorsport. Genau deshalb hatte der Name Gordini damals einen Inhalt.

Irgendwann wurde Gordini zur Ausstattungslinie

Und genau diesen Inhalt verlor Renault später aus den Augen. Als Renault den Namen Gordini 2010 vorübergehend wiederbelebte, klebte er auf blau lackierten Serienmodellen. Der große Name stand damit plötzlich weniger für die Arbeit eines genialen Motorenentwicklers und eine eigene Motorsportphilosophie als für eine Modellvariante mit entsprechender Optik. Aus Gordini wurde ein Label. Nicht viel anders als L, S oder irgendwelche anderen Buchstaben, mit denen Autohersteller ihren Kunden erklären möchten, dass dieses Modell irgendwie besonderer ist als das daneben.

Dabei zeigt ausgerechnet die Konkurrenz, welchen Wert solche Namen haben können. John Cooper ist bis heute untrennbar mit dem sportlichen Mini verbunden. Carlo Abarth wurde sogar zum Namensgeber einer ganzen Marke. Beide Namen erzählen eine Geschichte. Gordini könnte das genauso. Renault scheint das inzwischen wieder verstanden zu haben. Denn der Renault 8 Gordini Concept versucht nicht nur, zwei weiße Streifen auf irgendein vorhandenes Renault-Modell zu kleben. Die Designer nahmen sich tatsächlich den R8 zum Vorbild.

Die neue Studie zitiert den richtigen Gordini

Auch wenn die Proportionen der Studie mit der viertürigen Heckmotorlimousine von 1964 allerdings wenig gemeinsam haben. Das Concept ist ein flaches, breites Zweisitzer-Coupé. Renault selbst spricht von einem „Café-Racer“-Ansatz. Überflüssiges sollte verschwinden, während Materialien und Formen stärker in den Vordergrund rücken. Die historischen Zitate finden sich im Detail. Die kantigen Radausschnitte erinnern klar an den echten R8. Die sechs runden Frontscheinwerfer greifen die Lichtsignatur des sportlichen Vorbilds auf.

Gordini-Schriftzug

Gordini-Schriftzug am Renault 8 Gordini Concep (Foto: Renault)

Selbst die beiden weißen Streifen sind nicht einfach aufgeklebt, sondern Bestandteil des Gestaltungskonzepts und setzen sich bis in den Innenraum fort. Dort gibt es gebürstetes Aluminium, Alcantara, Schalensitze und runde digitale Instrumente. Auch das Blau orientiert sich am historischen Bleu de France. Unter dem Blech endet die historische Verbindung allerdings ziemlich abrupt. Statt eines hochgezüchteten kleinen Vierzylinders im Heck arbeitet ein Elektromotor mit 270 PS. Weitere technische Daten nennt Renault bislang kaum.

Vielleicht ist gerade das die gute Nachricht

Der Autobauer bezeichnet den Renault 8 Gordini Concept ausdrücklich als Designstudie und „exploratives Projekt“. So kündigt die Studie leider keinen Serienstart an. Dazu fehlen ihr bislang jene Dinge, die den ursprünglichen Gordini auszeichneten: Wettbewerb und die Möglichkeit für ganz normale Menschen, mit überschaubarem Aufwand Motorsport zu betreiben. Trotzdem gefällt die Richtung. Denn Renault behandelt Gordini endlich wieder als Teil seiner eigenen Motorsportgeschichte und nicht bloß als hübschen Schriftzug für eine Ausstattungslinie.

Das ist zumindest ein Anfang! Und vielleicht könnte Renault die Geschichte eines Tages sogar konsequent zu Ende erzählen. Denn was wäre eigentlich passender, als aus einem möglichen Serienmodell dieser Studie wieder ein identisches Wettbewerbsauto für jedermann abzuleiten? Ein elektrischer Coupe Gordini. Gleiche Autos. Überschaubare Veränderungen. Bezahlbarer Motorsport. Am Ende entscheidet wieder der Fahrer. Genau wie 1966. Der Hexer hätte vermutlich seinen Spaß daran.


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