Vor ein paar Jahren „traf“ ich im Museum von Audi einen kleinen orangefarbenen Rennwagen. Mit diesem Rennwagen konnten in den 1970er- und 1980er-Jahren Motorsport-Freunde in den USA auf den Miniatur-Rennstrecken von Malibu Grand Prix ihre Runden drehen. Das fand ich faszinierend, obwohl ich damals gar nicht wusste, dass auch renommierte Rennwagen-Hersteller solche Miniatur-Rennwagen bauten.

Ich stöbere gern bei eBay. Vor ein paar Tagen bot dort jemand tatsächlich so einen kleinen Rennwagen zur Aktion an, wie ich ihn im Audi Museum sah. Der Verkäufer schrieb, dass der Rennwagen bei Lola entstand. Das lies mich endgültig aufhorchen. Denn Lola gehört zu den zahlreichen inzwischen untergegangenen Rennwagen-Herstellern. Ab 1958 bot das nach dem Schlager „Whatever Lola wants Lola gets“ benannte Unternehmen Lola Cars Rennwagen für zahlreiche Motorsport-Klassen an.

Wer war Lola?

Lola baute Fahrzeuge für fast alle Rennklassen, die es gibt. Die Fahrzeugpalette bediente genauso die Nachwuchsklassen Formel V, Formel Ford, wie die Formel Atlantic, die Formel 1 oder Indianapolis. In diesem Jahrtausend konzentrierte sich Lola auf den Bau von Sport-Prototypen, lieferte beispielsweise die Chassis für die LMP1-Werkseinsätze von Aston Martin. Doch das war nur ein Sterben auf Raten. Denn 2012 war Lola zahlungsunfähig und stellte schließlich den Betrieb ein. Damit forderte der Trend zu Einheitsklassen ein weiteres Opfer.

Bilder vom Lola T 506
Bilder vom Lola T 506 (Foto: Heinz Langeneckert)

Denn bis vor gut 25 Jahren waren praktisch alle Nachwuchsformeln noch Konstruktionsklassen. Das zog zahlreiche Hersteller an, die ihr Glück suchten. Die Vielfalt verdeutlichen Blicke in alte Programmhefte. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre vertrauen Formel-2-Piloten noch auf Chassis von AGS, Alpine, Brabham, Boxer, Chevron, Jabouille, Kojima, Lola, Martini, Maurer, March, Minardi, Nova, Osella, Ralt, Thunder, Toleman, TOJ und Surtees.

In Klassen wie der Formel Ford oder der Formel 3 sah es ähnlich aus. Doch das konnte auf Dauer nicht funktionieren. Denn der teilweise harte Kampf um die Kunden drückte die Preise. Zudem waren die Teams in den Nachwuchsklassen traditionell untreu. Versprach ein Chassis besondere Vorteile, so wechselten die Teams reihenweise zu dessen Hersteller. Das führte immer wieder zu faktischen Monopolen.

Frontansicht des Lola T506 (Foto: Heinz Langeneckert)
Frontansicht des Lola T506

In der Formel Ford galt zunächst van Diemen und dann Reynard als Maß der Dinge. In der Formel 3 dominierte zunächst Ralt, dann Reynard und schließlich Dallara. Auch in der Formel 2 oder ihrem Nachfolger Formel 3000 gab es immer wieder Unternehmen, die die Klasse dominierten. Jede Phase der Dominanz brachte andere Hersteller in Schwierigkeiten. Hersteller wie Chevron, Maurer, Ralt oder TOJ scheiterten.

Osella, Euroracing, Toleman, AGS oder Minardi suchten ihr Heil im Aufstieg in die Königsklasse. Die Konzentration verschärfte sich, als zunehmend Renn-Klassen auf Einheitschassis setzten, um Kosten zu sparen und Chancengleichheit herzustellen. Reynard verdiente in der Formel 3000 lange gutes Geld. Doch 1996 machte die FIA Lola zum Exklusiv-Lieferanten dieser Fahrzeugklasse. Sechs Jahre später war Reynard pleite.

1977 war das nicht absehbar!

Lola war eine große Nummer und praktisch in allen Fahrzeugklassen zu Hause. Im Lauf der Jahre entstanden am Firmensitz in Huntingdon in Cambridgeshire mehr als 240 unterschiedliche Rennwagen-Modelle. Die Webseite lolaheritage.co.uk listet diese chronologisch auf und dokumentiert eindrucksvoll die Bandbreite der Konstruktionen. Neben Rennwagen für die Formel 1 oder Indianapolis taucht hier tatsächlich auch der Miniatur-Rennwagen Lola T 506 auf.

Heckansicht des Lola T506
Heckansicht des Lola T506 (Foto: Heinz Langeneckert)

Von 1977 bis 1984 entstanden in zwei Serien Ingesamt 121 Exemplare des „Rummel-Renners“. Damit dürfte der Rennwagen für den Freizeitpark der Lola mit der großen Stückzahl sein. Von keinen seiner „richtigen“ Rennwagen stellte das von Eric Broadley gegründete Unternehmen mehr Exemplare auf die Räder. Der Bau der Autos ging auf David B. Lockton, dem Präsidenten des „Indy Raceways of California“ zurück.

Lockton suchte 1975 nach einem Auto, das Go-Kart-Bahnen geeignet ist und wie ein kleiner Formel 1 oder Indycar-Rennwagen aussieht. Rennsport-Unternehmer Carl Haas, der unter anderem auch Lola als Generalimporteur in den USA vertrat, witterte ein großes Geschäft. Denn Lockton wollte die Idee der Miniatur-Rennstrecken als Franchisesystem nach Japan, in den Mittleren Osten und vermutlich auch Europa exportieren.

Lola T 506 ist ein technischer Leckerbissen!

Carl Haas und Lola-Chef Eric Broadley gingen das Projekt strategisch an, schließlich plante Lockton, 240 Fahrzeuge pro Jahr abzunehmen. Lola konstruierte deshalb auch den Freizeitrenner nach den damals bei Formel-Rennwagen üblichen Standards. Grundlage des T 506 ist ein Gitterrohrrahmen. Daneben verfügt der kleine Rennwagen über Einzelradaufhängungen mit Doppelquerlenkern. Wobei an jedem Rad eine eigene Dämpfereinheit mit Schraubenfeder und Stoßdämpfer zum Einsatz kommt.

Vorderradaufhängung des Lola T 506 (Foto)

Bei der Konstruktion achtete Lola auch auf Haltbarkeit, wie die gegossenen Querlenker beweisen. Schließlich war davon auszugehen, dass einigen Hobbypiloten am Lenkrad der kleinen Rennwagen die Straße ausgeht. Wobei Lola schon bei der Konstruktion versuchte, dieses Risiko zu minimieren. Stabilisatoren an beiden Achsen reduzieren die Wankneigung des Fahrzeugs und verbessern das Fahrverhalten. Um das Einlenkverhalten auf den Miniatur-Rennstrecken zu verbessern, setzte Lola bei der Zahnstangenlenkung auf ein relativ hohes Übersetzungsverhältnis.

Lenkrad des Lola T 506
Lenkrad des Lola T 506 (Foto: Heinz Langeneckert)

Wer sich den Rennwagen genauer ansieht, der findet viele Details, die Lola offensichtlich direkt von den damaligen Lola-Rennwagen für die Formel Ford beziehungsweise für die SCCA F Continental übernahm. Das Lenkrad stammte, wie Lola im Verkaufsprospekt betonte, aus einem Rennwagen für die Formel 5000.

Die Vertragsgespräche und die Konstruktion zogen sich über 18 Monate hin. 1977 lieferte Lola die ersten Fahrzeuge aus. Bei zunächst 67 Exemplaren übernahm ein Einscheiben-Wankelmotor von Fichtel & Sachs den Antrieb. Der Motor hat ein Kammervolumen von 294 Kubikzentimetern und stammt eigentlich aus einem Show-Mobil.

Die 28 PS des Wankels fließen über eine Fliehkraft-Kupplung und ein von Lola konstruiertes Differenzial sowie die Hinterräder auf die Straße. Bei den nächsten 41 Fahrzeugen wechselte Lola den Antrieb. Denn sie entstehen mit einem 440 Kubikzentimeter großen Zweizylinder-Zweitaktmotor-Motor von Rotax.

Typenschild des Motors im Lola T 506
Typenschild des Motors im Lola T 506

Die letzten 13 Exemplare des T506, die bis 1984 entstehen, liefert Lola ohne Motor aus. Heute ist für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar, warum Lola den Wankel durch einen Zweitakter ersetzte.

Aber unabhängig vom Motor ist jeder Lola T 506 heute eine gesuchte Rarität. In den USA steht zurzeit eines der frühen Exemplare zum Verkauf. In ihm sorgt ein Wankel-Motor für Vortrieb. Auf Wunsch stellen wir gerne den Kontakt zum Verkäufer her.

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