Wie die Autos der Zukunft aussehen könnten, beschäftigt die großen Autobauer seit Jahrzehnten. Manche Konzeptautos zeigen nur den nächsten Schritt. Andere wirken wie eine Zeitreise in die Zukunft. Der Citroën C10 von 1956 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Der immer noch faszinierende Prototyp gehört zu den ungewöhnlichsten Konzeptfahrzeugen der 1950er Jahre.
Raumschiff auf Räder
Denn der Kleinwagen sah wie eine Mischung aus Tropfenwagen, Raumschiff und Käfer aus. Kein Wunder, dass er in der Versuchsabteilung von Citroën bald die Spitznamen „Coccinelle“ („Marienkäfer“) und „Goutte d'eau“ („Wassertropfen“) bekam. Der C10 entstand dort kurz nach der Citroën DS, die bei ihrem Debüt 1955 für viele die automobile Zukunft vorwegnahm. Zusammen zeigen DS und C10 im Rückblick eindrucksvoll, wie radikal Citroën damals dachte.
Verantwortlich für den C10 war vor allem der Ingenieur André Lefèbvre, der schon an der Traction Avant, ihrem Nachfolger DS und der 2CV beteiligt gewesen war. Wobei die drei Modelle des Autobauers auch das Dilemma beschreiben, in dem sich Citroën damals befand. Denn die Lücke zwischen dem Kleinwagen 2CV und der Traction Avant war schon groß. Die luxuriöse DS vergrößerte die Kluft noch.
Projekt „C“ sollte den Lückenschluss bringen
So legte Citroën das Projekt „C“ auf, um die Kluft im Modellprogramm zu schließen und eine Brücke zwischen dem spartanischen 2CV und der luxuriösen DS zu schlagen. Im Rahmen dieses Projekts entstanden einige Ideen und Konzepte. Nicht alle mündeten im Bau eines Prototypen. Beim C10 standen Aerodynamik, Leichtbau und neue Raumkonzepte im Lastenheft.
Und das, was Lefèbvre und seine Kollegen schon 1953 zu Papier brachten, war offenbar so überzeugend, dass Citroën den Bau eines fahrfähigen Prototyps beschloss. Bei diesem fällt zunächst die Form auf. Denn der kleine Wagen ist extrem rund und offensichtlich konsequent auf minimalen Luftwiderstand ausgelegt. Die Karosserie war vorne breit und lief tropfenförmig nach hinten extrem schmal zu.
Space-Age vor der Zeit
Die obere Hälfte des Wagens bestand fast vollständig aus Plexiglas, was ihm das Aussehen eines Flugzeugcockpits oder eines UFOs verlieh. Damit wirkte der C10 eher wie ein Raumfahrzeug als wie ein Kleinwagen der 1950er Jahre. Und es beeindruckt, wie oft sich dieses Detail später in den Space-Age-Studien der 1960er Jahre wiederfinden sollte. Hier war Citroën seiner Zeit offenbar voraus.

Doch solche stark gewölbten Scheiben waren damals technisch schwierig und entsprechend teuer. Bei einem Prototypen spielte das keine Rolle, schloss aber eine Serienfertigung von Anfang an aus. Das Ergebnis war ein Luftwiderstandsbeiwert, der angeblich bei etwa cw 0,258 lag. Das ist ein Wert, von dem viele Serienautos noch Jahrzehnte entfernt waren.
Der Citroën C10 wog nur 382 Kilogramm
Die von Robert Opron gestaltete Karosserie des Citroën C10 bestand ebenfalls aus Kunststoff. Sie lag auf einem leichten Rohrrahmen. Den fertigte Citroën aus Aluminium. Das half, ein Gesamtgewicht von nur 382 Kilogramm für das fahrfertige Fahrzeug zu realisieren. Für ein Auto, das 3,84 Meter lang, 1,55 Meter breit ist und vier Sitzplätze bietet, war das auch 1956 ein sensationeller Wert. Wobei wir an dieser Stelle das Thema Sicherheit großzügig ignorieren.
Obwohl der Citroën C10 aussah wie aus einem Science-Fiction-Film, nutzte er bewährte Technik. Den Antrieb übernahm ein modifizierter 425 cm³-Zweizylinder-Boxermotor aus dem 2CV. Wie bei der „Ente“ saß der kleine Zweizylinder auch im Citroën C10 vorne und trieb die Vorderräder an. Seine 12 PS reichten aufgrund des geringen Gewichts und der Aerodynamik für eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 110 km/h aus.
Auch ohne Hydropneumatik komfortabel
Auch beim Fahrkomfort blieb sich Citroën treu. So reisten die Fahrgäste mit dem C10 komfortabel durch die Landschaft, die sie dank der großen Fensterflächen genießen konnten. Wobei man sich nicht ausmalen möchte, wie warm es im Sommer unter der Kanzel geworden wäre. Den Komforteindruck unterstrich, dass der kompakte Wagen durch die hohe Dachlinie erstaunlich viel Innenraum bot.
Obwohl der C10 extrem fortschrittlich und sparsam war, gab es Gründe gegen eine Markteinführung. Zunächst wäre die Fertigung der Glaskanzel damals sehr teuer gewesen. Das hätte den Preis in die Regionen größerer konventioneller Fahrzeuge getrieben. Dazu kam, dass die schmale Spur an der Hinterachse den Wagen bei Seitenwind instabil machte.
Ami 6 statt Citroën C10
Citroën entschied sich letztlich für das Projekt „Ami 6“, das konventioneller aussah und besser in das damalige Marktsegment passte. Der einzige Prototyp gehört zur Sammlung des Conservatoire Citroën. Leider wurde diese 2024 geschlossen. Damit ist einer der futuristischsten Citroën-Prototypen der 1950er Jahre derzeit praktisch unsichtbar. Es wird spannend, ob der C10 in dem geplanten neuen Citroën-Museum Platz finden wird.
Technische Daten des Citroën C10
Motor
- Zweizylinder-Boxermotor
- Hubraum 425 cm³
- 12 PS bei 3.500 Umdrehungen pro SideMenustyled__SideMenuContent
Abmessungen
- Länge: 3,84 Meter
- Breite: 1,55 Meter
- Höhe: 1,40 Meter
- Leergewicht: 383 Kilogramm
Auf dem Typenschild im ehemaligen Conservatoire Citroën sprach der Autobauer davon, dass der C10 an der Vorderache und der Hinterachse mit einer hydropneumatischen Federung ausgerüstet sei. Dazu hieß es, dass die Türen sich „konventionell“ öffnen würden. Ein Teil des Dachs würde sich, so Citroën wie kleine Flügeltüren öffnen lassen.
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