Marcadier Can-Am Barquette

Im Musée Automobile de Vendée stieß ich vor ein paar Tagen auf eine Marcadier Can-Am Barquette. Obwohl ich den kleinen Sportwagen schon einmal in Le Mans gesehen hatte, wusste ich bisher nur wenig über ihn. Deshalb bin ich seiner Geschichte – wie schon beim D.B. Panhard Monomil – einmal auf den Grund gegangen.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
17. August 2016 3 Minuten Lesezeit
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Marcadier Can-Am Barquette

Marcadier Can-Am Barquette

Frankreich verfügt traditionell über eine ziemlich bunte Rennszene. Besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren gab es bei unseren westlichen Nachbarn viele kleine Firmen, die Rennwagen bauten und verkauften. Sie fanden in nationalen Formel-Klassen wie der 1968 gegründeten Formule France oder in der in Frankreich seit jeher starken Szene der Sportwagen und Bergrennen ihr Auskommen.

Fournier et Marcadier aus Mions in der Nähe von Lyon ist ein typischer Vertreter dieser Epoche. Marcel Fournier und André Marcadier gründeten 1963 eine Kfz-Werkstatt und begannen mit der Produktion eines kleinen offenen Sportwagens. Den Antrieb der FM Barquette übernahm ein Vierzylindermotor vom Renault 8 beziehungsweise Renault 8 Gordini.

Bis 1966 entstanden etwa 60 Bausätze, die Kunden für etwa 7.000 französische Francs kaufen konnten. Damit war der Sportwagen das Rückgrat des Unternehmens. Auch wenn Fournier et Marcadier natürlich auch in der Formule France vertreten war. Immerhin rund 20 Fahrzeuge ihres ARAL genannten Monoposto verließen die Werkstatt in Mions. Und auch wenn Fournier et Marcadier mit dem Barzoi Coupé in dieser Zeit zudem ein Fahrzeug anbot, das sogar auf der Straße gefahren werden konnte.

Langläufer Marcadier Can-Am Barquette

Ab 1970 führte André Marcadier die Geschäfte alleine weiter. Aus Fournier et Marcadier wurde Automobiles Marcadier. Der Flügeltürer Barzoi Coupé blieb im Angebot. Dazu gab es mit der Marcadier Can-Am Barquette einen neuen Sportwagen. Tragendes Element des kleinen Rennwagens (Länge: 3,60 Meter, Breite: 1,56 Meter) war ein Stahlrohrrahmen. Darüber lag eine Karosserie aus Polyester.

Auch diesen Rennwagen bot Marcadier wieder als Bausatz an. Beim Fahrwerk konnten Kunden zwischen einer Lösung mit Dreiecksquerlenkern oder der Vorderachse des Renault 8 wählen. Als Motoren kamen verschiedene Aggregate von 1,1 bis 1,8 Litern Hubraum zum Einsatz. Die Mehrzahl der Marcadier Can-Am Barquette verfügt über Renault-Motoren und -Getriebe. Ein Exemplar wurde jedoch auch mit einem BMW-1600-cm³-Motor gebaut.

Marcadier Can-Am Barquette

Marcadier Can-Am Barquette

Bis Ende der 1970er-Jahre überarbeitete André Marcadier die Marcadier Can-Am Barquette regelmäßig. Im Angebot waren immer zwei unterschiedliche Heckversionen. Neben dem Kurzheck gab es auch eine Variante mit großem Heckflügel. Zeitweilig unterstützte Chrysler France das Projekt. Weshalb späte Modelle des Sportwagens über Fahrwerksteile, den Motor und das Getriebe aus dem Simca 1000 Rallye 2 verfügten.

Am Berg sind die Marcadier Can-Am Barquette stark

1978 gewann Roger Rivoire mit der etwas vergrößerten Marcadier AM 78 Barquette die französische Bergmeisterschaft. Das war zu einer Zeit, als André Marcadier die Bezeichnung Can-Am aus der Typenbezeichnung strich. Für diese hatte sich der Rennwagenbauer ursprünglich entschieden, weil sein kleiner Rennwagen wie eine (flügellose) Miniaturausgabe der Can-Am-Boliden aussah.

Trotz dieses Erfolgs verlor André Marcadier kurze Zeit später den Anschluss. Auch wenn die späten Modelle über Stahlrohrrahmen mit Innenverkleidungen aus aufgenieteten Alublechen verfügten, fuhren Fahrzeuge mit Monocoque-Chassis – zunächst aus Aluminium, später aus Verbundwerkstoffen – den kleinen Rennwagen aus Mions bald davon.

André Marcadier verlegte sich auf den Bau von Replicas. Zunächst entstand ein Nachbau des Lotus Seven. Später folgte ein GT40-Nachbau mit Renault-25-V6-Motoren, eine AC Cobra mit Motoren aus dem Peugeot 604 sowie ein RS 550 mit dem Antrieb aus dem Citroën GS.

Gefunden im Musée Automobile de Vendée

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