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Der vergessene V8: Die Geschichte des Peugeot 802

Vor 90 Jahren arbeitete Peugeot an einem eigenen V8. Die spannendsten Fakten zu Peugeots V8-Geheimprojekt aus den 1930er-Jahren.

23. August 2026 4 Minuten Lesezeit
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Skizze des Peugeot V8 von 1936

1936 kombinierte Peugeot zwei Vierzylinder aus dem Peugeot 402 zu einem neuen Motor. Dabei entstand ein V8, der jedoch über einige Prototypen nicht hinauskam. (Foto: Peugeot / Stellantis)

Beim Thema „Motoren von Peugeot“ denken viele Auto-Fans sofort an Dieselmotoren. Denn ähnlich wie in Deutschland die Daimler-Benz AG setzten auch die Franzosen früh auf den Selbstzünder. An einen V8 denkt beim Stichwort Peugeot wohl kaum jemand. Dabei arbeitete der Autobauer aus Sochaux bereits vor gut 90 Jahren an einem eigenen Achtzylinder.

Die Technik: Ein 3,2-Liter-V8 aus zwei Vierzylinderblöcken

Mit dem V8 wollte Peugeot in den späten 1930er-Jahren das französische Luxussegment neu definieren. Das Rezept dafür klang pragmatisch und genial zugleich: Man nehme die bewährte Technik eines Erfolgsmodells und verdopple sie einfach. Das Ergebnis war ein V8-Motor für die geplante Luxuslimousine Peugeot 802, die damals kurz vor der Serienfertigung stand, aber letztlich doch nicht auf den Markt kam.

Beim Bau des V8 vertrauten die Ingenieure auf die solide Basis des Vierzylinders aus dem Erfolgsmodell Peugeot 402. Aus dessen Zylinderblöcken, Kolben, Köpfen und Pleueln entstand ein 3,2-Liter-V8-Motor mit 90° Bankwinkel, hängenden Ventilen (OHV) und zentraler Nockenwelle. Mindestens acht Prototypenmotoren (mit der internen Kennung N8X) entstanden, die ausgiebig auf Prüfständen sowie auf der Straße getestet wurden.

Das Design: Stromlinie von Henri Thomas („Fuseau Sochaux“)

Parallel zum Motor entstand mit dem Peugeot 802 das passende Fahrzeug. Für dessen Äußeres zeichnete Peugeots legendärer Chefdesigner Henri Thomas verantwortlich. Thomas prägte die damals hochmoderne Aerodynamik-Sprache „Fuseau Sochaux“ (Spindel von Sochaux) mit den charakteristischen, hinter dem Kühlergrill verborgenen Scheinwerfern.

Skizze des Peugeot V8 von 1936

Am Ende fehlt Peugeot der Mut, um seinen V8 in Serie zu bauen. Die Mehrzahl der Prototypen wurde nach dem Ende des Projekts vernichtet. (Foto: Peugeot / Stellantis)

Der Peugeot 802 fiel mit beinahe fünf Metern Länge deutlich länger als der 402 aus, an dem er sich jedoch orientierte. Die gestreckte Silhouette des 802 wirkt im Rückblick fast wie ein früher Großraum-Van. Der 802 sollte Peugeot wieder im Oberklasse-Segment etablieren. Denn nach dem Produktionsende des Sechszylinders 601 war Peugeot ab 1935 dort nicht mehr vertreten.

Aerodynamik-Tests im „Andreau“-Laborwagen

Wie die 6 beim Sechszylinder (601) stand die 8 beim 802 für die Anzahl der Zylinder. Die Endziffer 2 kennzeichnete die zweite Modellgeneration. Während der Erprobung nutzte Peugeot seinen V8 zunächst in 402-Fahrgestellen. Dazu entstand unter der Regie des Ingenieurs Jean Andreau ein extrem stromlinienförmiger Versuchsträger. Er diente Peugeot als rollendes Labor für künftige Innovationen wie hydraulische Bremsen.

Für die Serie dachten die Entwickler konventioneller und beerdigten damit das Projekt. Denn in letzter Minute stoppte die Unternehmensleitung das Projekt. Zu diesem Zeitpunkt lag das Kühleremblem mit der Aufschrift „802“ in den Farben der Trikolore bereits in den Regalen. Die Verantwortlichen fürchteten, dass der 802 dem 402 optisch zu ähnlich sah und so zu wenig echten Mehrwert für den deutlichen Mehrpreis bot.

Die Rettung in den Alpen: Vom Prototyp zur Seilbahn

Ähnlich wie Citroëns nie gebauter V8-Traction Avant (22 CV) scheiterte also auch Peugeots V8-Traum kurz vor der Vollendung. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurden alle zivilen Projekte endgültig gestoppt. Vor der Besetzung des Werks durch die deutsche Wehrmacht wurden fast alle Vorserienmotoren vernichtet, um die Technologie dem Zugriff der Besatzer zu entziehen.

Kühler des geplanten Peugeot 802

Sogar ein Kühleremblem für den Peugeot 802 war schon fertig, als Peugeot das Projekt stoppte. (Foto: Peugeot / Stellantis)

Mindestens ein Triebwerk entkam der Zerstörung jedoch auf bemerkenswerte Weise: Der Motor gelangte in die Berge und diente dort über Jahrzehnte hinweg unerkannt als Antrieb für eine Seilbahn. Das war ein ungewöhnlicher Abstieg für einen Oberklasse-Motor, rettete jedoch das seltene Stück. Heute ist der restaurierte Überlebende im Musée de l'Aventure Peugeot im französischen Sochaux zu bewundern.


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