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Motorsport vor 40 Jahren: Juli 1982

Ferrari kehrte mit Didier Pironi auf die Siegerstraße zurück und René Arbour überstand einen spektakulären Unfall unverletzt – was im Juli 1982 im Motorsport wichtig war!

Die Sportwagen-WM, die Deutsche Rennsport Meisterschaft (DRM) und die Rallye-WM befanden sich im Juli 1982 in der Sommerpause. Doch in der Formel 1, der Formel 2 und der IMSA gab es auch im Juli 1982 spannende Rennen.

Im Juli 1982 gewann Didier Pironi den Großen Preis der Niederlande.
Im Juli 1982 gewann Didier Pironi den Großen Preis der Niederlande. Damit unterstrich der Franzose seine Ambitionen auf den WM-Titel 1982. (Foto: Hans van Dijk für Anefo).

Denn im Juli 1982 standen erneut zwei Läufe der Formel 2-Europameisterschaft auf dem Programm. Damit ging die Meisterschaft ins letzte Drittel. In Führung lag Corrado Fabi, der diese Anfang Juli 1982 mit einem Sieg in Donington sogar noch ausbauen konnte. 48 Punkte standen damit auf dem Punktekonto des March-Piloten. Doch der ärgste Verfolger Johnny Cecotto lag mit 44 Punkten immer noch in Schlagdistanz. Dem ehemaligen Motorrad-Weltmeister Cecotto half dabei, dass er aus Donington mit einem zweiten Platz abreiste.

Weiter ging es 14 Tage später im schwedischen Mantorp Park. Das Wochenende startet für den Meisterschaftsführenden Corrado Fabi, der sich die Pole Position sichern konnte, gut. Doch im Rennen drehte Cecotto den Spieß um. Denn während Fabi das Rennen wegen eines Fahrfehlers nicht beenden konnte, fuhr sein Herausforderer zum Sieg. Damit eroberte Johnny Cecotto, der ebenfalls für das Werksteam von March fuhr, die Meisterschaftsführung in der Formel 2-Europameisterschaft 1982 zurück.

Sportwagen im Juli 1982

Die Sportwagen-WM befand sich im Juli 1982 in der Sommerpause. Nach dem Höhepunkt der Saison in Le Mans Mitte Juni stand der nächste WM-Lauf erst im September 1982 an. Doch in den USA setzte die IMSA ihre Saison fort. Gleich drei Rennen führte die IMSA im Juli 1982 durch. Zunächst rannte sie Anfang Juli 1982 beim Sommerlauf in Daytona. Das „Paul Revere 250“ gewann bei den Prototypen das Duo Ted Field und Danny Ongais im Interscope Racing Lola. Die Wertung der GTO-Boliden gewann mit Diego Montoya der Onkel des späteren F1-Piloten Juan-Pablo Montoya.

Der Lola T600 von Ted Field, der mit diesem zusammen mit Danny Ongais im Juli 1982 das „Paul Revere 250“ gewann.
Der Lola T600 von Ted Field, der sich den Rennwagen im April 1982 in Riverside mit Bill Whittington teilte. Im Juli 1982 trat der Unternehmer in diesem Rennwagen zusammen mit Danny Ongais an und gewann das „Paul Revere 250“ . (Foto: Archiv AutoNatives.de)

Schon sieben Tage später folgte der „Pepsi IMSA Grand Prix“ auf dem Brainerd International Raceway in Minnesota. Den Sieg holte sich John Paul Junior, der mit seinem Porsche 935 JLP-4 antrat und die versammelte Riege der Prototypen schlug. Danny Ongais und Ted Field fuhren mit zwei Lola T600 von Interscope Racing immerhin aufs Podium. Mit dem „California Grand Prix“ stand Ende Juli bereits das dritte IMSA-Rennen des Monats auf dem Programm. Auf der Rennstrecke von Sears Point gewann Klaus Ludwig im Ford Mustang Turbo den Lauf der GTP-Rennwagen.

Formel 1 im Juli 1982

Nach den Rennen in Übersee kehrte die Formel 1-Weltmeisterschaft im Juli 1982 nach Europa zurück. Schon Anfang Juli stand in Zandvoort der Große Preis der Niederlande auf dem Programm. Es siegte Ferrari-Pilot Didier Pironi. An der Seite des Franzosen saß nun sein Landsmann Patrick Tambay im zweiten Ferrari. Die Verpflichtung stand bereits seit einigen Wochen fest. Doch Tambay musste sich zunächst von den Verletzungen eines Unfalls erholen, den der Franzose Anfang Mai bei einem CanAm-Rennen erlitt. Beim ersten Einsatz für das Team aus Maranello qualifizierte Tambay den Ferrari 126C2 auf einem guten sechsten Startplatz.

Unfall von René Arnoux beim Großen Preis der Niederlande im Juli 1982
Nach diesem Unfall von René Arnoux hielt die F1-Welt den Atem an. Doch der Franzose überstand den Unfall unverletzt. (Foto: Hans van Dijk for Anefo)

Damit lag der Franzose nur zwei Plätze hinter seinem Teamkollegen. Bei der Rundenzeit fehlten Tambay nur 0,3 Sekunden auf Pironi. Mit dieser Leistung konterte Tambay souverän jede Kritik an seiner Verpflichtung. Die Kritik begründete, dass der Franzose in zuvor 54 Grand Prix bereits fünfmal die Qualifikation verpasste. Auch die bisherigen Rennergebnisse waren nicht berauschend. Das beste Ergebnis war bisher Platz vier beim Großen Preis von Schweden 1978. Insofern war Tambay, der 1977 und 1980 die CanAm-Serie gewann, definitiv eine überraschende Wahl, um den Ausnahmekönner Gilles Villeneuve zu ersetzen.

Im ersten Rennen für Ferrari kam Tambay als Achter in Ziel. Aber das spielte keine Rolle, denn das Rennen in Zandvoort blieb am Ende vor allem wegen eines Unfalls von René Arnoux in Erinnerung. Denn in der 22. Runde schlug der Renault des Franzosen in der Tarzanbocht hart in die Reifenstapel und blieb auf diesen liegen ein. Beim Aufprall brach das Monocoque des Renault RE30B, Arnoux blieb jedoch unverletzt. Auslöser des Unfalls war, dass der Renault beim Abbremsen der Kurve sein linkes Vorderrad verlor. Arnoux schlug daher fast ohne Bremswirkung in die Streckenbegrenzung ein.

14 Tage später ging es in Brands Hatch weiter!

Die Rennstrecke in der Grafschaft Kent vor den Toren von London führte Anfang der 1980er-Jahre den britischen Grand Prix im Wechsel mit der Rennstrecke von Silverstone durch. Die Pole Position sicherte sich Keke Rosberg im Williams Ford. Auf den Plätzen zwei und drei standen die Brabham-BMW von Riccardo Patrese und Nelson Piquet. Wie bereits in den Niederlanden ging Brabham auch in Großbritannien in beiden Autos mit Motoren von BMW an den Start. Das sorgte für Entspannung bei der zuvor angespannten Lage zwischen dem Team und seinem Motorhersteller.

Beim Start des Rennens in Frankreich war die Szene irritiert, dass Brabham erstmals eine Schnelltankanlage vor seine Box stellte. Offenbar plante das Team, seine Boliden mit weniger Benzin ins Rennen zu schicken, um Gewicht zu sparen. Denn das ermöglichte den Einsatz weicherer Reifen, wie sie ansonsten in der Qualifikation üblich waren. Damit wollten sich die Brabham vom Feld absetzen, um die Zeit für einen zusätzlichen Tankstopp herauszufahren. 1982 war diese Praxis in der Formel 1 noch völlig unbekannt und es war völlig offen, ob dieser Trick funktioniert.

Paul Rosche, Nelson Piquet und Gordon Murray, 1982
Die Ehe des Formel 1-Teams Brabham und seinem Motorenlieferanten BMW war nicht frei von Spannungen. Doch in Detroit gelang endlich der erste Sieg. Anschließend ersannen die Partner eine neue Boxenstoppstrategie, die bald zum Standard der Königsklasse werden sollte. (Foto: BMW)

Den Nachweis blieben beide Brabham-Piloten in Brands Hatch noch schuldig. Denn sowohl Patrese als auch Piquet schieden aus, bevor das Team die neue Boxenstoppstrategie Realität werden ließ. Der Sieg ging schließlich an McLaren-Pilot Niki Lauda. Mit einem zweiten Platz bekräftigte auch Ferrari-Pilot Pironi seinen Anspruch auf den Titel. Der Franzose im Ferrari übernahm damit die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Denn der bisher Führende, McLaren-Fahrer John Watson schied schon in der zweiten Runde nach einem Unfall aus.

Auch in Frankreich bestätigte sich noch nicht, ob sich Nachtanken lohnt!

Nach einer Pause von nur sieben Tagen folgte der Große Preis von Frankreich. Wie schon in Brands Hatch fielen beide Brabham BMW mit einem Motorschaden aus, bevor das Team zeigen konnte, ob seine neue Boxenstoppstrategie funktioniert. Allerdings zeigten beide Piloten, dass ihre Autos dank halbvoller Tank schneller als die Rennwagen der Konkurrenz waren. Die schnellste Rennrunde von Riccardo Patrese lag 1,8 Sekunden vor der Bestzeit von René Arnoux. Auch Piquet distanzierte den Franzosen um mehr als eine Sekunde.

Doch wie heißt es so schön? „To finish first, you have to finish first”. Patrese und Piquet konnten den Lohn der Mühe immer noch nicht ernten. Denn nach ihren Ausfällen übernahm Renault-Pilot Arnoux die Spitze und entschied das Rennen schließlich für sich. Nur drei Wochen nach dem üblen Unfall von Zandvoort war das sicher eine große Genugtuung für den französischen Rennfahrer. Als Dritter baute Didier Pironi seine Führung in der WM-Wertung weiter aus. Der Ferrari-Pilot lag nun neun Punkte vor John Watson, der auch aus Frankreich ohne Punkte abreisen musste.

Welche Rennen waren im Juli 1982 wichtig?

  • 3. Juli 1982:
    Großer Preis der Niederlande in Zandvoort, 9. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 1982 – Gewinner: Didier Pironi, Ferrari 126C2
  • 3. Juli 1982:
    „Paul Revere 250“ in Daytona, 10. Lauf der IMSA GT Championship 1982 – Gewinner: Ted Field und Danny Ongais im Lola T600 von Interscope Racing.
  • 4. Juli 1982:
    Donington „20.000“, 10. Lauf zur Formel 2-Europameisterschaft – Gewinner: Corrado Fabi, March 822 BMW
  • 11. Juli 1982:
    „Pepsi IMSA Grand Prix“ auf dem Brainerd International Raceway in Minnesota, 11. Lauf zur IMSA GT Championship 1982. – Gewinner: John Paul Junior im Porsche 935 JLP-4.
  • 18. Juli 1982:
    Großer Preis von Großbritannien in Brands Hatch, 10. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 1982 – Gewinner: Niki Lauda, McLaren MP4/1B
  • 18. Juli 1982:
    Mantorp Park F2 Trofén (Schweden), 11. Lauf zur Formel 2-Europameisterschaft – Gewinner: Johnny Cecotto, March 822 BMW
  • 25. Juli 1982:
    Großer Preis von Frankreich in Le Castelet, 11. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 1982 – Gewinner: René Arnoux, Renault RE30B
  • 25. Juli 1982:
    „California Grand Prix“ in Sears Point, 12. Lauf der IMSA GT Championship 1982 – Gewinner: Klaus Ludwig im Ford Mustang Turbo von Zakspeed Roush.

Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Im Juli 1982 gewann Didier Pironi den Großen Preis der Niederlande.

Foto: Hans van Dijk für Anefo https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pironi_celebrating_at_1982_Dutch_Grand_Prix.jpg

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Fabian P. Wiedl interessiert sich seit Kindestagen für Motorsport und Automobile. Als Mitverfasser mehrerer Bücher, wovon insbesondere „Audi Typenkunde: Renn- und Rallyewagen von 1968 bis 2013“ zu erwähnen ist, greift Wiedl gern auf sein umfassendes Motorsport-Archiv zurück. Tom Schwede wuchs in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Dies war ein optimaler Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Seit 2010 moderiert Tom bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland sowie dem angrenzenden Ausland.

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