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35 Jahre Opel Astra F: Als aus dem Kadett ein Astra wurde

1991 verschwand der Kadett und machte Platz für den Astra. Was zunächst nur wie ein neuer Name wirkte, wurde für Opel zum Millionenerfolg. Wir blicken zurück auf den Astra F und darauf, warum er so typisch für die 1990er-Jahre war.

10. September 2026 7 Minuten Lesezeit
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Opel Astra F von 1991
Der Opel Astra F trat 1991 die Nachfolge des Kadett E an. Mit rund 4,13 Millionen gebauten Exemplaren wurde die erste Generation des Astra zum bisher meistgebauten Opel-Modell überhaupt. (Foto: Opel)

Nach fünf Generationen Kadett verschwand im Herbst 1991 bei Opel einer der traditionsreichsten Rüsselsheimer Modellnamen. Fortan hieß die Kompaktklasse bei Opel Astra. Wobei der Name nicht völlig neu war, denn in Großbritannien verwendete ihn Vauxhall bereits seit 1979 für ihre Version des Kadett. Doch in Deutschland klang er damals eher nach einem TV-Satelliten oder Bier vom Kiez. Doch davon unbeeindruckt entschied sich Opel zum Namenswechsel, auch wenn dieser ein Einschnitt war.

Wobei sich der Neue nicht ganz von seinem Ahnen löste. Denn auf dem europäischen Kontinent begann die Astra-Geschichte mit dem Astra F. Dass Opel bei der internen Bezeichnung nicht wieder mit dem Buchstaben A begann, hatte einen einfachen Grund: Technisch und historisch verstand das Unternehmen den neuen Astra weiterhin als Nachfolger des Kadett. Auf Kadett A bis E folgte deshalb der Astra F. Und der sollte sich als ausgesprochen erfolgreicher Nachfolger erweisen.

Der Astra F kam zur richtigen Zeit

Denn Anfang der 1990er-Jahre veränderte sich die automobile Welt. Sicherheit gewann zunehmend an Bedeutung. Dazu rückten strengere Abgasvorschriften Verbrauch und Schadstoffausstoß stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig erwarteten die Käufer von einem Kompaktwagen mehr Komfort und Platz. Opel versuchte, diese Anforderungen im Astra F zusammenzubringen. Obwohl seine äußeren Abmessungen gegenüber dem Kadett E kaum zunahmen, bot der Neue seinen Passagieren deutlich mehr Raum.

Familie des Astra F

Ab Frühjahr 1992 war die Modellfamilie des Astra F vollständig: Zu Fließheck und Caravan gesellte sich eine viertürige Stufenhecklimousine. (Foto: Opel)

Dazu rückte die Windschutzscheibe 74 Millimeter nach vorne, Kopf- und Kniefreiheit wuchsen um bis zu 50 Millimeter. Das schuf im Innenraum den Platz, den sich die Kunden inzwischen wünschten. Um den Kraftstoffverbrauch zu senken, arbeitete Opel bei der Entwicklung intensiv im Windkanal. Besonders der sportliche Astra GSi war ein wahrer Schmeichler des ihn umgebenden Luftstroms. Sein Luftwiderstandsbeiwert lag bei cW 0,30.

Vom Familienkombi bis zum GSi

Als im Oktober 1991 die ersten Astra zu den Händlern rollten, gab es den Astra als fünftüriges Fließheck, als fünftürigen Caravan und als dreitürigen GSi, der damals das unumstrittene Spitzenmodell der Baureihe war. Im Frühjahr 1992 ergänzte Opel die Baureihe um die viertürige Stufenhecklimousine. Ein Jahr später folgte das von Bertone gefertigte Astra Cabrio. Es kämpfte fortan bei den Kunden mit dem GSi um die Rolle des Aushängeschilds der Baureihe.

Unter der Motorhaube deckte Opel ein breites Spektrum ab. Es gab Benziner mit 1,4, 1,6, 1,8 und 2,0 Litern Hubraum sowie einen 1,7-Liter-Diesel. Alle Benziner verfügten über einen geregelten Drei-Wege-Katalysator, bei den Dieselmotoren setzte Opel auf einen Oxidationskatalysator. An der Spitze stand der Astra GSi. Den Zweiliter gab es mit 85 kW (115 PS) sowie als GSi 16V mit 110 kW (150 PS). Dessen aus der Formel Opel Lotus bekannter Vierventiler mit zwei obenliegenden Nockenwellen machte den Kompaktwagen zum ernsthaften Sportler.

Sicherheit wurde zum Verkaufsargument

Heute wirken Airbags, Gurtstraffer und Seitenaufprallschutz selbstverständlich. Anfang der 1990er-Jahre war das in der Kompaktklasse noch keineswegs der Fall. Opel fasste damals verschiedene Maßnahmen im sogenannten „Opel Safety System“ zusammen. Doppelrohr-Verstärkungen in den Türen sollten die Insassen bei einem Seitenaufprall schützen. Sitzrampen und Gurtstraffer sollten verhindern, dass Fahrer und Beifahrer bei einem Frontalaufprall unter den Sicherheitsgurten hindurchrutschten.

Innenraum des Opel Astra F

Nach dem Volkswagen 1993 beim neuen Golf Cabrio auf Basis des Golf III erstmals serienmäßig Airbags anbot, zog Opel nach. Ein Jahr später gab es beim Astra F serienmäßig Airbags. (Foto: Opel)

Anders als heute waren Airbags damals noch nicht flächendeckend verfügbar. Erst ab 1994 gehörten Fahrer- und Beifahrerairbag im Astra zur Serienausstattung. Damit war Opel sogar dem Klassenprimus Golf voraus, bei dem Airbags zu dieser Zeit – mit Ausnahme des Cabrios – noch auf der Aufpreisliste standen. Damit zeigt der Astra ziemlich gut, wie schnell sich die Erwartungen an die passive Sicherheit während der 1990er-Jahre veränderten und wie Extras zur Serienausstattung aufstiegen.

Recycling war schon 1991 ein Thema

Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht, welchen Stellenwert Opel schon vor 35 Jahren der Wiederverwertung von Materialien einräumte. So bestanden große Teile der Instrumententafel, Innenverkleidungen, Sitze und Mittelkonsole aus Polypropylen. Opel entwickelte dafür ein eigenes Recyclingverfahren. Auch Teile wie Stoßfängerträger und Radlaufverkleidungen entstanden aus Recyclingmaterial. Ressourcenschonung war beim Astra F also nicht nur eine Frage von Verbrauch und Abgasen.

Gleichzeitig hielt zunehmend Elektronik Einzug in den automobilen Alltag. Ein schönes Beispiel dafür war das „Multi Info Display“ oben in der Mittelkonsole. Es führte Anzeigen von Radio, Bordcomputer und Kontrollinformationen an einer Stelle zusammen. Dazu kam das sogenannte „Clean Air System“, das Pollen, Staub und andere Schmutzpartikel aus der in den Innenraum strömenden Luft filtern sollte. Beim GSi 16V bot Opel zudem eine elektronische Traktionskontrolle an.

Ein Astra unter Strom

Dinge wie ein Innenraumfilter oder zentrale Informationsanzeigen wirken heute banal. Beim Blick zurück auf den Astra F wird deutlich, wie viele Ausstattungsmerkmale, die später selbstverständlich wurden, Anfang der 1990er-Jahre noch als technische Neuerungen beworben werden konnten. Sogar ein elektrisch angetriebener Astra gehörte zur Geschichte der Baureihe. Von 1993 bis 1997 setzte Opel zehn Astra Impuls III bei einem Großversuch auf Rügen ein.

Astra Impuls III

1993 beteiligte sich Opel am Elektro-Großversuch auf Rügen. Die Opel Astra Impuls III legten nach Angaben von Opel rund 350.000 Kilometer zurück. (Foto: Opel)

Fünf Fahrzeuge erhielten Nickel-Cadmium-Batterien und leisteten 45 kW (61 PS), fünf weitere nutzten Natrium-Nickelchlorid-Batterien und kamen auf 42 kW (57 PS). Angetrieben wurden alle zehn Fahrzeuge von Drehstrom-Asynchronmotoren. Nach Opel-Angaben erreichten die Versuchsfahrzeuge 120 km/h und eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Gemeinsam legte die Flotte rund 350.000 Kilometer zurück. Bis 1999 setzte Opel den Versuch mit Astra Impuls III in Aachen, Maastricht und Lüttich fort.

Auch im Motorsport war der Astra unterwegs

Damit gehört der Astra F auch zu jener heute fast vergessenen Phase der Automobilgeschichte, in der verschiedene Hersteller bereits intensiv mit Elektroautos experimentierten, ohne dass daraus zunächst Großserienmodelle entstanden. Natürlich blieb der Astra nicht auf den täglichen Weg zur Arbeit oder die Familienfahrt in den Urlaub beschränkt. Der GSi bildete auch die Grundlage für verschiedene Motorsport-Einsätze.

1993 gewann Opel bereits in der ersten Saison des „FIA Cup for Manufacturers of Touring Cars (2-litre)“ die Markenwertung. Dabei handelte es sich um eine Rallye-Meisterschaft für zweiradgetriebene Fahrzeuge. 1997 siegte ein Astra GSi 16V der Gruppe N beim Veedol-Langstreckenpokal auf dem Nürburgring. Der Astra war damit nicht nur Familienauto und Vertreterwagen, sondern besaß mit dem GSi auch jene sportliche Seite, die Opel zuvor beim Kadett gepflegt hatte.

4,13 Millionen Astra F

Doch entscheidend sind am Ende weniger einzelne technische Besonderheiten als vielmehr seine schiere Verbreitung. Zwischen 1991 und 1997 entstanden rund 4,13 Millionen Exemplare. Damit wurde die erste Astra-Generation zum bis heute meistgebauten Opel-Modell. Vielleicht ist genau dies der Grund, warum der Astra F lange kaum als Klassiker wahrgenommen wurde. Er war schlicht überall. Er stand morgens vor dem Reihenhaus, auf dem Firmenparkplatz und vor dem Supermarkt.

Astra GSi 16V - Sieger VLN 1997

1997 gewannen Heinz-Josef Bermes und Dirk Adorf mit dem Astra GSi 16V die Gesamtwertung des Veedol-Langstreckenpokal auf der Nordschleife des Nürburgrings. (Foto: Opel)

Als Caravan transportierte er Familien und deren Urlaubsgepäck, als GSi durfte er auch etwas unvernünftig sein. 35 Jahre nach seiner Premiere verändert sich dieser Blick langsam. Die einst alltäglichen Astra F verschwinden zunehmend aus dem Straßenbild. Und damit wird aus einem Auto, das Anfang der 1990er-Jahre wie selbstverständlich zum Straßenbild gehörte, Stück für Stück ein Zeitzeuge. Denn manchmal sind es gerade die millionenfach gebauten Alltagsautos, die eine Epoche besonders treffend erzählen.


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