Wenn ich heute „Rekord“ höre, dann denke ich vor allem an den Sportschuh „Adidas Rekord“, der in meiner Grundschulklasse Ende der 1970er-Jahre beliebt war. An den Opel Rekord denke ich interessanterweise erst im zweiten oder gar dritten Anlauf. Das liegt sicher auch daran, dass die Baureihe schon vor vier Jahrzehnten auslief. 1986 übernahm in Rüsselsheim der Omega. Und als ich dann etwas später zum Autofahrer wurde, guckte ich einfach nicht nach Fahrzeugen der oberen Mittelklasse.
1966 wagte Opel die Revolution
Im Rückblick war das vielleicht eine vergebene Chance. Denn gerade der Rekord C, den Opel vor 60 Jahren vorstellte, war eigentlich ein ziemlich cooles Auto. Der hätte mir zu Beginn der 1990er-Jahre sicherlich gut zu Gesicht gestanden. Denn mehr Hüftschwung gab es bei Opel nie wieder. Als Opel den C-Rekord im Spätsommer 1966 vorstellte, lag der letzte Modellwechsel der Baureihe gerade einmal ein Jahr zurück. Erst 1965 hatte der Rekord B den Rekord A abgelöst.

Doch der B war im Grunde nur eine gründlich überarbeitete Zwischenlösung. Mit dem Rekord C kam dagegen ein völlig neues Auto. Und eines, das für Opel zu einem Meilenstein werden sollte. Als Opel ihn vorstellte, befand sich die Bundesrepublik noch mitten im Wirtschaftswunder, das Auto war längst nicht mehr nur Transportmittel. Die Käufer wollten mehr Komfort, mehr Leistung und durchaus auch etwas Prestige. Gleichzeitig musste ein Mittelklassewagen praktisch und bezahlbar bleiben.
Vom Familienauto bis zum Lieferwagen
Opel löste den Anspruch der Kunden mit einer Modellfamilie, bei der fast jeder den passenden Rekord finden konnte. Schon zum Marktstart gab es den Rekord C als zwei- und viertürige Limousine sowie als drei- und fünftürigen Caravan. Hinzu kam ein Lieferwagen. Wenige Monate später ergänzte Opel sein Programm mit einem Coupé. Und gerade dieses zeigte, wie sich das Automobildesign Mitte der 1960er-Jahre veränderte.
Denn statt einfach nur eine zweitürige Limousine mit abgeflachtem Dach anzubieten, zeichnete Opel eine eigenständige Fastback-Karosserie. Ohne B-Säulen und mit weit nach hinten auslaufendem Dach wirkte das Coupé deutlich sportlicher als seine nüchternen Geschwister. Charakteristisch für alle Rekord C war der Hüftschwung über den hinteren Radhäusern. Diese sogenannte Coke-Bottle-Linie gehörte damals vor allem bei amerikanischen Autos zu den großen Designtrends.
Auch unter dem Blech war der Rekord C neu
Der Generationswechsel beschränkte sich nicht auf die Karosserie. Opel konstruierte auch das Fahrwerk grundlegend neu. Besonders an der Hinterachse verabschiedeten sich die Rüsselsheimer von einer alten Tradition. Während beim Vorgänger noch Blattfedern zum Einsatz kamen, erhielt der Rekord C hinten Schraubenfedern. Doppel-Längslenker und ein Panhardstab führten die starre Hinterachse. Damit war der Rekord C der erste Opel mit Schraubenfedern an der Hinterachse.

Vorne wuchs die Spurweite von 1.325 auf 1.400 Millimeter. Ein Stabilisator gehörte dort zur Serienausstattung, für die Hinterachse war er optional erhältlich. Auch bei den Bremsen betrieb Opel einigen Aufwand. Alle Varianten verfügten serienmäßig über ein Zweikreisbremssystem und einen Bremskraftverstärker. Vorne verzögerten Scheibenbremsen. Heute klingt das selbstverständlich. Mitte der 1960er-Jahre war es das keineswegs.
Acht Motorvarianten standen zur Wahl
Unter der Haube setzte Opel auf seine damals noch jungen CIH-Motoren. Das Kürzel stand für „Camshaft in Head“. Die Nockenwelle lag seitlich im Zylinderkopf und damit höher als bei einem klassischen OHV-Motor, betätigte die Ventile aber weiterhin über kurze Stößel und Kipphebel. Das Motorenprogramm des Rekord C reichte vom 1,5-Liter-Vierzylinder mit 58 PS bis zu stärkeren Vier- und Sechszylindern. Insgesamt standen im Laufe der Bauzeit acht Triebwerke mit Leistungen bis 106 PS zur Verfügung.
Damit konnte der Rekord vieles sein: vernünftiges Familienauto, Vertreterwagen, Lastesel oder durchaus sportliches Gefährt. Und Opel erkannte schnell, dass sich mit etwas mehr Leistung auch das Image des Rekord verändern ließ. 1967 erschien der Rekord Sprint. Rallyestreifen und Zusatzscheinwerfer signalisierten schon äußerlich, dass dieser Rekord nicht ausschließlich für die sonntägliche Familienausfahrt gedacht war.
Mit dem Sprint wurde der Rekord sportlich
Der 1,9 Liter große Vierzylinder des Opel Rekord Sprint leistete 106 PS. Damit beschleunigte er nach Werksangaben in 12,5 Sekunden von null auf 100 km/h. In einer Zeit, in der viele Familienautos mit deutlich weniger als 70 PS auskommen mussten, war das durchaus eine Ansage. Noch wesentlich wilder wurde nur ein Rekord, der eigentlich überhaupt nicht hätte entstehen dürfen. 1968 bauten der motorsportbegeisterte Opel-Designer Anatol Lapine und einige Mitstreiter die „Schwarze Witwe“.

Auf Basis eines Rekord 1900 S entstand ein Spezialtourenwagen für die Gruppe 5, die von 1966 bis 1969 den Tunern viele Freiheiten ließ. Das Projekt entstand ohne offiziellen Auftrag des Opel-Vorstands. Der schwarz lackierte Zweitürer, worauf sich der Spitzname bezog, erhielt zwei Doppelvergaser und zahlreiche weitere Modifikationen. Statt der serienmäßigen Leistung mobilisierte sein Vierzylinder rund 180 PS. Auch Fahrwerk und Antriebsstrang wurden entsprechend angepasst.
Die „Schwarze Witwe“ brachte Opel auf die Rundstrecke!
Schon beim zweiten Renneinsatz auf dem Hockenheimring sorgte der Rekord für Aufsehen. Mit Erich Bitter am Steuer fuhr die Schwarze Witwe gegen starke Porsche-Konkurrenz die schnellste Rennrunde. Trotzdem war dem ungewöhnlichen Rekord leider keine große Motorsportkarriere vergönnt. Denn der Vorstand missbilligte das Projekt. Trotzdem entwickelte sich die Schwarze Witwe im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Rennwagen der Opel-Geschichte.
Auch reguläre Rekord C fanden ihren Weg in den Motorsport. Besonders im Rallyesport war das Modell unterwegs. Lillebror Nasenius wurde 1967 mit einem Rekord in der Gruppe 1 Vize-Europameister. Der Schwede pilotierte einen seriennahen Opel Rekord 1900 und bewies, dass die robuste Großserien-Limousine auch auf den extremen Schotter- und Eis-Pisten Europas mithalten konnte. Auch wenn der Titel an Sobiesław Zasada, der im Porsche 911 S und Porsche 912 antrat, ging.
Sogar ein Rekord C Cabriolet gab es
Wer einen Rekord C offen fahren wollte, konnte ebenfalls fündig werden. Allerdings entstand das Cabriolet nicht bei Opel selbst. Der Kölner Karosseriebauer Karl Deutsch verwandelte zweitürige Rekord in viersitzige Sport-Cabriolets. Solche Umbauten waren teuer und blieben entsprechend selten. Heute gehören sie zu den besonders gesuchten Varianten der Baureihe. Ich selbst hatte vor ein paar Jahren die Gelegenheit, auf Einladung von Opel Classic eines dieser Deutsch-Cabriolets zu fahren.

Noch wichtiger für die Opel-Modellgeschichte war aber eine andere Ableitung des Rekord C. Denn seine technische Basis nutzte Opel ab 1967 auch für den Commodore A. Mit stärkeren Sechszylindermotoren und einer hochwertigeren Ausstattung positionierte Opel den Commodore oberhalb des Rekord. Damit entstand eine Modellreihe, die die Lücke zwischen der klassischen Mittelklasse und den großen Kapitän- und Admiral-Modellen schließen sollte.
Der erste Opel-Millionär
Der Erfolg des Rekord C gab Opel recht. Bis zum Produktionsende im Dezember 1971 entstanden 1.274.362 Exemplare. Damit wurde der Rekord C zum ersten Opel-Modell, das die Marke von einer Million produzierten Fahrzeugen überschritt. Dass ausgerechnet diese Generation so erfolgreich war, dürfte kaum Zufall gewesen sein. Der Rekord C verband die traditionellen Tugenden eines vernünftigen Mittelklassewagens mit einem Design, das deutlich moderner und emotionaler wirkte als zuvor.
Gleichzeitig deckte Opel mit Limousinen, Caravan, Lieferwagen, Coupé und zahlreichen Motorisierungen eine ungewöhnlich große Bandbreite ab. Im Januar 1972 endete die Produktion. Der Rekord D, dessen Fertigung bereits im Dezember 1971 begonnen hatte, trat die Nachfolge an. Trotzdem blieb der Rekord C eines jener Autos, die noch lange überall zum Straßenbild gehörten und trotzdem – dank seines Hüftschwungs – genug Eigenständigkeit besaßen, um Jahrzehnte später noch erkannt zu werden.
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