Rennsport-Geschichten

STHEMO SM01 – der Gruppe C Junior aus dem Elsass

Als die FIA ihre Gruppe C um eine Junior-Kategorie ergänzte, schlug auch die Stunde der Glücksritter, die in der neuen Fahrzeugkategorie die Chance sahen, endlich den Traum vom eigenen Rennwagen zu verwirklichen. Der Transportunternehmer Hubert Striebig nutzte die sich bietende Chance und brachte 1983 in Le Mans seinen Sthemo SM01 an den Start.

STHEMO SM01 in Le Mans
Der STHEMO SM01 trat 1983 in Le Mans an. Genannt in der Gruppe C Junior fiel der Rennwagen nach 15 Stunden aus.(Foto: Archiv AutoNatives.de)

Hubert Striebig verdiente zwar sein Geld im Transportgewerbe, doch sein Herz schlug für Motorsport. Zunächst fuhr Striebig Tourenwagen-Rennen, um dann die Langstrecke und den Sportwagen für sich zu entdecken. 1974 ging der aus Wissembourg im Elsass stammende Hobbyrennfahrer erstmals in Le Mans an den Start. Im Team von Louis Meznarie teilte sich der damals 35-Jährige das Cockpits eines Porsche 911 Carrera RSR mit zwei weiteren Piloten. Ein Unfall beendete das Abenteuer vorzeitig. Doch Striebig hatte Blut geleckt.

Auch in den kommenden Jahren trat der Unternehmer regelmäßig in Le Mans und bei anderen Sportwagen-Rennen an. 1979 saß Striebig an der Sarthe erstmals in einem Sportprototypen. Denn nach Jahren als Paydriver in anderen Teams erwarb der Elsässer bei Jörg Obermoser einen TOJ SC206 mit BMW-Motor. Ihn setzt fortan das Team „BP Racing Hubert Striebig“ ein. Für das Team des Franzosen arbeitet der bisherige TOJ-Konstrukteur Rudi Moesinger. So entsteht mit dem TOJ SM01 ein weiterentwickelter Rennwagen, der 1980 in Le Mans rennt.

1981 lässt Striebig das Rennen an der Sarthe aus. Ein Jahr später sitzt der Hobbyrennfahrer in einem URD. Doch der Traum vom eigenen Rennwagen lebt im Unternehmer weiter. Die Junior-Kategorie der Gruppe C bietet die Chance, den Traum endgültig umzusetzen. Auf der Basis des TOJ entsteht 1983 der STHEMO SM01. Der Name STHEMO ist die Kurzform von STriebig, HEuclin und MOesinger. Der dritte Namensgeber Jacques Heuclin war ein Politiker, der in seiner Freizeit Autorennen bestritt. Schon 1982 teilte sich Heuclin das Cockpit des URD mit Striebig.

Der STHEMO SM01 entstand im Elsass

In rund 2.000 Arbeitsstunden rüsten Moesinger und Striebig den Gruppe-6-Sportwagens von TOJ entsprechend der Anforderungen der neuen Fahrzeugklasse um. Das entsprach dem, was die Verantwortlichen von FIA und ACO bei der Definition der Gruppe C Junior vor Augen hatten. Fahrwerk, Aufhängungen und das Monocoque stammten direkt vom Spenderfahrzeug. Die neue – im Rückblick etwas kantige – Karosserie zeichnete der Straßburger Paul Baquet.

BMW Vierzylinder, wie er in der Formel 2 und Sportwagen zum Einsatz kam.
Der Vierzylinder M12 von BMW kam mit zwei Litern Hubraum in der Formel 2 und Sportwagen zum Einsatz. WRT-Weigel-Renntechnik aus Obererdingen bohrt den Motor auf 2,2 Liter Hubraum auf.

Dem Team gelingt mit einem Leergewicht von 705 Kilogramm fast eine Punktlandung. Denn die Regeln der Gruppe C Junior sehen ein Mindestgewicht von 700 Kilogramm vor. Unter der Motorhaube des Rennwagens steckt ein BMW-Motor. Der M12 der Bayern war damals ein beliebter Rennmotor, trieb Formel-2-Rennwagen und Sportwagen an. Hubert Striebig bezog seine BMW-Motoren vom Tuner WRT-Weigel-Renntechnik aus Obererdingen. Ungewöhnlich war, dass die von WRT gelieferten Motoren ihre Kraft aus einem Hubraum von 2,2 Litern schöpften. Eigentlich beschränkten sich damals die Tuner des M12 auf zwei Liter Hubraum.

Premiere bei den 24 Stunden von Le Mans!

Im Rahmen der 24 Stunden von Le Mans feiert der STHEMO SM01 seine Premiere. Im Training treibt Teamchef Striebig den Rennwagen in 4:08,050 Minuten um den Kurs. Seine Kollegen sind deutlich langsamer, fahren beide Zeiten im Bereich von 4:25 Minuten. Bei Verbrauchstest zeigt sich, dass sich das Team auch im Rennen in diesem Bereich bewegen muss. Denn auch in der Gruppe C Junior galt eine Begrenzung des Verbrauchs. Um über die Distanz zu kommen, muss das Team also Tempo rausnehmen.

Zudem sorgt der WRT-Motor für Probleme. Denn schon nach dem ersten Training muss das Team den Motor wechseln. Nach der Qualifikation gibt es ein Loch in einem Kolben. Das Team plante, in Le Mans nur einen Motor einzusetzen und steht somit jetzt ohne Motor dar. Doch es gelingt noch vor dem Start, einen weiteren Motor einzufliegen und einzubauen. So kann der STHEMO SM01 das große Rennen wie geplant aufnehmen. Hubert Striebig fährt den ersten Stint. Anschließend übernimmt Jacques Heuclin. Doch den Rennwagen plagen Fehlzündungen. Heuclin parkt deshalb zeitweise an der Strecke, es kommt zu mehreren ungeplanten Boxenstopps.

Denn die Fehlzündungen bleiben ein Thema und bremsen immer wieder die Fahrt. Als am Abend Noël del Bello ins Cockpit steigt, lässt sich der Motor zunächst nicht starten. Es dauert etwas, bis die Mechaniker den Wagen wieder auf die Strecke bringen. Doch nach 15 Stunden streikt der Motor endgültig. Am Ende der Mulsanne endet das Abenteuer Le Mans für den STHEMO SM01 nach nur 71 Runden beziehungsweise 967 Kilometern. Angesichts der bereits verstrichenen Zeit entspricht das einem Schnitt von bescheidenen 64 Kilometern pro Stunde.

Enttäuscht reist das Team nach Hause!

Bei den 1.000 Kilometer-Rennen von Imola und Mugello, die im Herbst stattfinden, kehrt der STHEMO SM01 nochmals auf die Strecke zurück. Erneut fällt der Rennwagen vor dem Ende des Rennens aus. In den Augen von Hubert Striebig ist für den Misserfolg der Motor verantwortlich. Deshalb baut Techniker Rudi Moesinger den SM01 um. Eigentlich möchte Striebig den Motor aus dem Peugeot 205 T16 einbauen. Doch Peugeot Talbot Sport ist an einem Einsatz des Rallye-Motors auf der Rundstrecke nicht interessiert.

Der 1984 eingesetzte STHEMO SM C2 bei den Le Mans Classic 2018
Der 1984 eingesetzte STHEMO SM C2 bei den Le Mans Classic 2018 (Foto: David Merrett
/ Flickr / CC BY 2.0)

So bleibt das Team BMW treu. Das jetzt STHEMO SM C2 genannte Fahrzeug treibt fortan der M88-Sechszylinder aus dem BMW M1 an. Wieder feiert das Auto sein Debüt in Le Mans. Doch zur Überraschung des Teams ist der „neue“ STHEMO langsamer als sein Vorgänger. Zudem beendet ein Getriebeschaden den Einsatz schon nach 41 Runden. Auch beim 1.000-km-Rennen auf dem Nürburgring fällt der Rennwagen aus. Erst beim Rennen der Interserie in Most sieht Hubert Striebig mit seinem STHEMO die Zielflagge.

Es bleibt die einzige Zielankunft des Rennwagens. Denn bei den 1.000 Kilometern von Imola sowie einem Rennen über die gleiche Distanz in Mugello endet die Fahrt erneut vorzeitig. 1985 verkauft Hubert Striebig den Rennwagen Daniel Trameson. Der neue Eigner tritt jedoch mit dem STHEMO nur einmal bei einem Sportwagen-Rennen in Frankreich an. Dann endet die Rennkarriere des STHEMO. Initiator Hubert Striebig bleibt jedoch noch weiter als Rennfahrer aktiv.

1985 sitzt der Unternehmer in Le Mans am Volant eines Rondeau M379. Ein Jahr später teilt sich Striebig bei Kremer Racing das Cockpit eines Porsche 956 mit zwei weiteren Piloten. Doch Kremer zieht den Rennwagen in der Nacht zurück. Jo Gartner verunglückte im zweiten Porsche des Kölner Rennstalls tödlich. Am Ende des Jahres hängt Hubert Striebig seinen Helm an den Nagel. Sein ehemaliger Rennwagen nimmt bis heute von Zeit zu Zeit an Rennen des historischen Motorsports teil.

Rennergebnisse des STHEMO SM01:

  • 19. Juni 1983 – 24 Stunden von Le Mans (Gruppe C Junior)
    Fahrer: Hubert Striebig, Jacques Heuclin und Noël del Bello – 44. Position im Training mit einer Zeit von 4:08,050 Minuten – Ausfall im Rennen mit einem Motorschaden
  • 16. Oktober 1983 – 1.000 Kilometer von Imola (Gruppe C Junior)
    Fahrer: Hubert Striebig und Jacques Heuclin – Startplatz 16 mit einer Zeit von 1:56,600 Minuten – Ausfall im Rennen mit einem Defekt am Verteiler
  • 23. Oktober 1983 – 1.000 Kilometer von Mugello (Gruppe C Junior)
    Fahrer: Hubert Striebig und Jacques Heuclin – Startplatz 14 mit einer Zeit von 2:05,670 Minuten – Ausfall mit Benzinmangel

Technische Daten des STHEMO SM01:

  • Sportprototyp der Gruppe C Junior
  • Baujahr 1983
  • Konstrukteur Rudi Moesinger
  • Monocoque aus Aluminiumblech
  • Gewicht 705 Kilogramm – Tankkapazität 55 Liter
  • Motor BMW M12 Vier-Zylinder-Reihenmotor mit 2.190 ccm Hubraum (Bohrung 93,300 Millimeter, Hub 80 Millimeter), Vier Ventile pro Zylinder, Leistung circa 280 PS
  • 5-Gang-Getriebe von Hewland
  • Reifen Dunlop

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