Sonntagsfahrer? Von wegen! Warum Samstag der wahre Renntag ist…

Samstagsrennen in der Formel 1? Für viele Fans klingt das noch immer falsch. Schließlich gehörte der Grand Prix jahrzehntelang fest zum Sonntagnachmittag – besonders in der Schumacher-Ära. Doch tatsächlich ist der Samstag der viel ältere Renntag.

12. Juni 2026 3 Minuten Lesezeit
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Claudio Langes im EuroBrun ER189B
Claudio Langes im EuroBrun ER189B beim Großen Preis von Kanada 1990 in Montreal (Foto: Archiv AutoNatives.de)

Wer in den 1990er Jahren mit Michael Schumacher und dem Duft von Sonntagsbraten aufgewachsen ist, für den ist die Weltordnung klar: Samstags wird eingekauft und qualifiziert, sonntags um 14:00 Uhr schaltet die Ampel auf Grün. Der Sonntag ist der Tag des Herrn – und der Tag des Grand Prix. Doch wer heute den Fernseher einschaltet und feststellt, dass die Boliden in Las Vegas schon seit dem Comeback der Stadt im Rennkalender am Samstag über den Asphalt jagen, wittert Verrat am Brauchtum. „Kommerz!“, rufen die einen, „USA-Hörigkeit!“, die anderen.

Der Geburtsfehler der Sonntags-Theorie

Dabei ist der Samstag am Rennwochenende kein moderner Sündenfall, sondern schlichtweg eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn die Formel 1 startete einst am 13. Mai 1950 in Silverstone in ihre erste Weltmeisterschaftssaison. Und welcher Wochentag war das? Ein Samstag – oh Schreck! König Georg VI. und die Queen Mom wollten sich das Spektakel ansehen, und im puritanischen England der Nachkriegszeit war der Sonntag für die Kirche reserviert, nicht für dröhnende Motoren.

Tatsächlich blieb der Große Preis von Großbritannien bis 1983 ein treuer Samstags-Gast. Der Grund war so britisch wie eine Tasse Earl Grey: Man wollte den Sonntag für die Erholung und den Kirchgang freihalten. Zudem war der Samstag der traditionelle Tag für Sportveranstaltungen – man denke an den Fußball –, während der Sonntag im Vereinigten Königreich bis weit in die 1980er Jahre hinein gesetzlich fast komplett „stillgelegt“ war. Allenfalls der Adel ging am Sonntag auf Fuchsjagd.

Schumacher und die Macht der Gewohnheit

Dass wir heute so hartnäckig am Sonntag hängen, verdanken wir der Professionalisierung der 1980er und 1990er Jahre. Bernie Ecclestone erkannte, dass man die ganze Welt vor dem Fernseher versammeln kann, wenn man ein fixes Zeitfenster besetzt. Der Sonntagnachmittag wurde zur globalen Prime-Time für die Formel 1. Einschaltquoten, Werbeblöcke und internationale Sendezeiten schufen einen Rhythmus, der über Jahrzehnte unverrückbar schien. In Deutschland gipfelte das im „Schumi-Kult“: Um 14 Uhr wurde kollektiv die rote Kappe aufgesetzt.

Der Sonntag war die motorsportliche Komfortzone. Wenn nun Las Vegas oder in diesem Jahr auch Aserbaidschan wieder am Samstag fahren, ist das also kein Angriff auf die Tradition, sondern fast schon ein historisches Zitat – wenn auch mit weniger kirchlichem Hintergrund. In Vegas fährt man samstags, damit die Welt zur besten Sendezeit zuschauen kann (und damit die Party am Sonntagmorgen pünktlich enden kann). In Aserbaidschan trifft das Rennen in diesem Jahr auf einen nationalen Feiertag. Dem wich die Formel 1 aus.

Zurück in die Zukunft?

Vielleicht sollten wir uns also damit abfinden: Der „Sonntagsfahrer“ war in der Formel 1 lange Zeit nur ein Gast. Die wahren Pioniere trugen Schiebermützen, fuhren samstags und waren pünktlich zum Abendessen wieder zu Hause. Wer also heute über die Samstagsrennen schimpft, outet sich eigentlich nur als Kind der 1990er. In diesem Sinne: Schönes Wochenende – egal, wann die Flagge fällt!

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