Die Geschichte beginnt mit Antony Noghès, dem Generalbevollmächtigten des Automobile Club de Monaco (ACM). Als er Mitte der 1920er Jahre versuchte, seinen Club in den exklusiven Kreis der internationalen Motorsportverbände aufnehmen zu lassen, blitzte er ab. Die Begründung: Monaco fehle eine eigene Rennstrecke auf eigenem Staatsgebiet. Noghès, unterstützt von Fürst Louis II. und dem legendären Fahrer Louis Chiron, fackelte nicht lange.
Ein Rennen aus Trotz: Die Geburtsstunde 1929
Wenn es keinen Platz für eine Rundstrecke gab, dann musste eben die ganze Stadt zur Rennstrecke werden. Am 14. April 1929 war es so weit: 16 Fahrer starteten zum ersten Mal zwischen Häuserwänden und Hafenbecken. Es war ein Einladungsrennen über 100 Runden à 3,180 km ausgetragen, was einer Gesamtdistanz von 318,0 km entsprach. Der Brite William Grover-Williams gewann auf einem Bugatti Type 35B.
Der Grundcharakter des Kurses hat sich seit 1929 erstaunlich wenig verändert. Nur im Bereich der Hafenschikane gab es im Laufe der Zeit massive Veränderungen, um die Sicherheit der Strecke zu verbessern. Die Rascasse und der Abschnitt am Gaswerk wurden ebenfalls mehrfach umgebaut. Und mit der Schwimmbadpassage entstand in den 1970er Jahren sogar ein neuer Abschnitt. Weil Rainier III. ein Wettkampfbecken in seiner Stadt bauen wollte, musste die Strecke verlegt werden.
- Tunnel: Es ist die einzige Stelle im F1-Kalender, an der die Fahrer unter einem Dach rasen. Bei Tempo 280 ist es eine enorme Belastung für die Augen, wenn die Fahrzeuge vom dunklen Tunnel ins grelle Licht des Hafens schießen. Daran ändern auch die hellen LED-Strahler an der Tunneldecke, die den heute etwa 480 Meter langen Abschnitt ausleuchten, nichts.
- Hafenschikane: Früher landeten Autos hier tatsächlich im Meer. Alberto Ascari (1955) und Paul Hawkins (1965) überlebten beide einen unfreiwilligen Tauchgang im Mittelmeer. Heute verhindern massivste Barrieren solche Ausflüge.
- Tabac-Kurve am Hafen: Früher sorgten Schmutz, Feuchtigkeit und der Hafenbetrieb rund um die Strecke hier oft für besonders tückische Bedingungen. Besonders die enge Linkskurve – benannt nach einer Zigarettenbude am Hafen – war oft eine besonders rutschige Angelegenheit.
- Sainte-Dévote: Die erste Kurve nach dem Start ist berüchtigt für Massenkarambolagen, da sich das Feld hier radikal verengen muss.
Alles zusammen macht das Rennen in der modernen Sicherheits-Ära zu einem Anachronismus.
„Kings of Monaco“ und die goldene Ära
In den 1960er Jahren dominierte Graham Hill, der als „Mr. Monaco“ fünf Siege einfuhr, das Rennen. Offenbar hatte Hill das Geheimnis der Strecke entschlüsselt. Lange galt es als unvorstellbar, dass jemand diesen Rekord einstellen könne. Denn das Rennen war immer wieder für spektakuläre Ergebnisse gut. 1982 fand in den Straßen des Fürstentums eines der verrücktesten Formel 1-Rennen statt.
Denn in den Schlussrunden schieden oder strandeten mehrere Führende. Alain Prost rutschte an erster Stelle liegend raus. Riccardo Patrese übernahm und drehte sich im einsetzenden Regen. Didier Pironi ging an die Spitze und blieb stehen, Andrea de Cesaris, dem im Alfa Romeo der Sprit ausging, ebenfalls. Derek Daly im Williams hatte Probleme und fiel zurück. So gewann doch noch Riccardo Patrese im Brabham-Ford.
Monaco zeigt Talent!
Nur zwei Jahre später kündigten zwei Jungstars in Monaco den Beginn einer neuen Ära an. Ayrton Senna und Stefan Bellof zeigten bei heftigem Regen in unterlegenen Autos ihre Extraklasse. Nur der umstrittene Abbruch durch Rennleiter Jacky Ickx verhinderte den Erfolg eines der Nachwuchsstars.
Doch in den nächsten Jahren bewies Ayrton Senna, dass er die Straßen des Fürstentums wie kein anderer beherrschte. Zwischen 1987 und 1993 gewann der brasilianische Ausnahmekönner das Rennen sechsmal, davon fünfmal in Folge und pulverisierte Graham Hills Rekord. Sennas Qualifying-Runde von 1988, in der er laut eigener Aussage wie in Trance über dem Asphalt schwebte, gilt bis heute als eine der legendärsten Leistungen der Motorsportgeschichte.
Glamour als Schutzschild
Warum fährt man heute noch dort, obwohl Überholen fast unmöglich ist? Weil Monaco mehr ist als ein Rennen. Es ist eine logistische Meisterleistung: Sechs Wochen braucht der Aufbau, drei Wochen der Abbau. Jedes Jahr werden Gullydeckel festgeschweißt, damit der Unterdruck der F1-Boliden sie nicht aus dem Boden reißt. Wer nicht zu den Reichen und Schönen auf den Yachten gehört, muss sich mit einem Platz auf den Tribünen oder an den steilen Hängen oberhalb der Strecke begnügen.
Monaco bleibt der Ort, an dem ein Fahrer mit einem Sieg unsterblich wird – ganz egal, wie öde das Rennen im Fernsehen manchmal wirken mag.
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