In unserem Foto-Archiv schlummern inzwischen weit mehr als 100.000 Aufnahmen von Rennfahrzeugen, ihrer Technik oder ihren Piloten. Gerade in der Anfangszeit, als dieses Archiv entstand, nahmen wir es mit der Verschlagwortung leider nicht immer so genau, wie wir es uns heute wünschen. Deshalb stolpern wir manchmal wie zufällig über Foto-Schätze einiger Raritäten, die dort selig im digitalen Koma schlummern. Ein Foto des Modus F2, der 1976 in der Formel-2-Europameisterschaft antrat, ist so ein Fall.
Modus war der Rennwagenhersteller eines Baulöwen!
Der Modus M7 fuhr mir schon 2006 beim damaligen Jan-Wellem-Pokal vor das Objektiv, trat im Feld der „European Formula 2“ an. Schon im damaligen Artikel, der ursprünglich – lange bevor aus ein paar Bildergalerien ein Online-Magazin wurde – auf schwede.de erschien, bezeichneten wir den Modus als Exoten. Denn sein Hersteller, die Firma „Modus Developments“, meldete Ende 1976 Konkurs an. So nahm sie anschließend nicht mehr am Rennbetrieb teil.
„Modus Developments“ wurde 1973 von Teddy Savory in Norfolk als Rennteam gegründet. Savory war im richtigen Leben Immobilienentwickler und Bauunternehmer. In seiner Freizeit fuhr der Unternehmer Tourenwagen-Rennen. Wobei er auf seinen Rennwagen für seine Firma „Modus Homes“ warb. Das neue Team stieg in den Formel-Sport ein, setzte dabei zunächst auf Chassis anderer Hersteller. In den Quellen finden sich Einträge zu Boliden von March und Ensign.
Jo Marquart war der technische Kopf hinter Modus!
Aber Firmengründer Teddy Savory wollte von Anfang an mehr. Dazu holte der Unternehmer den erfahrenen Ingenieur und Designer Josef „Jo“ Marquart (1936–1993) an Bord, der bei Modus Chef-Konstrukteur und Teamchef wurde. Der Schweizer war zuvor bei Lotus, McLaren sowie GRD tätig. Unter den Lotus-Chef-Technikern Colin Chapman und Maurice Phillippe arbeitete Marquart an der Entwicklung des allradangetriebenen Formel-1-Wagens Lotus 63 sowie des Formel 5000-Rennwagens Lotus 70 mit.

Danach wechselte Marquart zu McLaren und war dort als Konstrukteur am McLaren M19A (Formel 1) tätig, der 1971 debütierte und mit seinem charakteristischen „Hummer-Scheren“-Chassis auffiel. Nach einem kurzen Zwischenspiel beim Sportwagen-Projekt Huron gehörte Marquart 1971 zu den Mitgründern von GRD (Group Racing Developments). Dort entwarf der Schweizer erfolgreiche Monoposti für die Formel 3, Formel 2 und Formel Atlantic.
Bei Modus setzte Marquart auf ein modulares Monocoque-Konzept!
Jo Marquart machte aus Modus einen eigenständigen Konstrukteur, der Rennwagen für verschiedene Nachwuchs- und Juniorenklassen entwickelte, sie selbst einsetzte und an Kunden verkaufte. Dabei verfolgte der Designer die Idee eines modularen Monocoque-Konzepts. Dies sollte ermöglichen, dass Modus in unterschiedlichen Fahrzeugklassen mit einem konzeptionell sehr ähnlichen Monocoque antritt. 1974 debütierte der Modus M1, den Tony Brise prompt beim Formel-3-Rennen in Monaco auf Platz zwei steuerte.
Schon im Debütjahr 1974 leitete Ingenieur Marquart vom M1 den M2 für die Formel Super Vee sowie den M3 für die Formel Atlantic ab. Auch der M6 für die Formel Renault stammte ein Jahr später direkt vom Erstlingswerk ab. Das war grundsätzlich eine Praxis, die damals auch andere Rennwagen-Hersteller praktizierten. Besonders in der Formel 3 funktionierte das gut. Denn Tony Brise, Danny Sullivan und Eddie Cheever gewannen 1974 und 1975 wichtige Rennen in der Formel 3 und Formula Atlantic für das Team.
Über die Formel 5000 in die Formel 2!
1975 entstand für die Formel 5000 zusätzlich der Modus M5. Auch dieses Fahrzeug verfügte über das „Einheits-Monocoque“ von Modus. Wobei Designer Jo Marquart beim Bau des ersten Modus M5 sogar auf ein verunfalltes F3/Atlantic-Chassis zurückgriff. Im Laufe der Saison 1975 zerstörte Tom Walkinshaw beide gebauten M5 bei Unfällen. Worauf Modus sich aus der Formel 5000, wo das Team auf den Cosworth GAA aus dem Ford Capri vertraute, zurückzog.

Teambesitzer Teddy Savory träumte von einem Aufstieg seines Teams in die Formel 1, ein Formel-2-Bolide sollte der finale Zwischenschritt sein. Dazu entwarf „Jo“ Marquart den Modus M7. Der britische Rennfahrer Ian Grob trat 1976 mit diesem Fahrzeug in der „Formel-2-Europameisterschaft“ an. Doch die Saison gestaltete sich schwierig. Ian Grob konnte das Potenzial des Rennwagens nie ausschöpfen. Dazu kam, dass die Baubranche in Großbritannien gerade in eine Krise lief. Damit fehlte Geld.
„Modus Homes“ zog „Modus Developments“ mit in den Abgrund!
Im Herbst 1976 musste Teddy Savory den Konkurs seiner Bauunternehmung „Modus Homes“ anmelden. Das riss auch den Rennwagenhersteller „Modus Developments“ mit. Am Saisonende stellte das Unternehmen den Betrieb ein. Da half auch nicht, dass Jörg Obermoser als Generalimporteur für Deutschland mit Fahrzeugen von Modus handelte. Obermoser hatte mit Jo Marquart schon zu GRD-Zeiten zusammengearbeitet und folgte dem Schweizer als Partner zu Modus.
Schon 1975 setzte Obermoser den Modus M1 in der Formel 3 ein, versah ihn jedoch mit einer eigenen Karosserie (Design Achim Storz). Modus/TOJ hieß dieses Gefährt. Auch 1976 in der Formel 2 arbeiteten Modus und TOJ eng zusammen. Der TOJ F201 und der Modus M7 teilten sich dasselbe britische Aluminium-Skelett aus der Feder Jo Marquarts. Ihr Herzschlag unterschied sich: TOJ vertraute auf bayerisches BMW-Brüllen, während beim Modus das britische Hart-Röhren den Takt angab.
ARGO war die Fortsetzung von Modus!
Nach dem Aus von Modus gründete Jo Marquart noch im Sommer 1976 mit Anglia Cars einen neuen Rennwagenhersteller. Dieser stellte im Februar 1977 mit dem ARGO JM1 seinen ersten Formel-3-Boliden vor. Das Fahrzeug war offensichtlich eine Weiterentwicklung des Modus-Designs. Der Name „ARGO“ war eine Anspielung auf das schnelle, abenteuerliche Schiff von Jason und den Argonauten in der griechischen Mythologie.

Und wie schon bei Modus boten Jo Marquart und seine Mitstreiter, die zuvor ebenfalls bei Modus tätig waren, auch mit ARGO ein atemberaubend breites Arsenal. Es bediente sowohl die kleinen Nachwuchs-Monoposti wie die Formel Ford oder die Formel Super Vee, deckte aber weiter auch die Formel 3 sowie die Formel Atlantic ab. Später bot ARGO auch ein Indycar an. Ab 1983 konzentrierte sich ARGO fast ausschließlich auf Sportwagen für die Gruppe C oder die IMSA.
Modus geriet dagegen in Vergessenheit!
Während die Boliden von ARGO bis heute im historischen Motorsport starten, ist Modus fast vergessen. Jo Marquart versuchte hier in kurzer Zeit extrem viel. Doch anstatt sich nach den ersten F3-Erfolgen auf diese Klasse zu konzentrieren, bot der Schweizer parallel auch Fahrzeuge für die Formel Atlantic, Formel Super Vau und Formel 2 an und entwarf einen 2-Liter-Sportwagen für Jörg Obermoser. Diese Vielfalt band Budget und Kapazitäten, die eine kleine Manufaktur in Norfolk kaum stemmen konnte.
Alle Rennwagen von Modus im Überblick:
Duch das „Einheitsmonocoque“ war die Umrüstung der Fahrzeuge für eine andere Fahrzeugklasse relativ einfach. Das erschwert die Analyse der tatsächlich gebauten Stückzahlen. Insgesamt entstanden bei Modus weniger als 50 Rennwagen.
- Modus M1: Formel 3 (1974–1976 – je nach Quelle 26 bis 30 Exemplare – zwei davon wurden zu Fahrzeugen für die Formel Atlantic umgerüstet, eins zum Formel 5000)
- Modus M2: Formel Super Vee (1975–1976 – je nach Quelle sieben bis neun Exemplare)
- Modus M3: Formel Atlantic (1974 – konnte zum Formel 3 umgerüstet werden – je nach Quelle zwischen elf und 13 Exemplare; ein Chassis wurde später um Formel 2)
- Modus M4H: Formel 2 / Bergrennen (1975 – ein Exemplar für Ken MacMaster)
- Modus M5: Formel 5000 (1975 – ein Exemplar, dazu kam ein umgerüsteter M1)
- Modus M6: Formule Renault Europe (1975 – zwei Exemplare, Einsatz durch Alain Vignais)
- Modus M7: Formel 2 (1976 – ein Exemplar, dazu kam ein umgerüsteter M3)
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