Bis Anfang der 1970er-Jahre galt die Gasturbine als Antriebskonzept von morgen. Doch dazu kam es nie. Der hohe Verbrauch wurde mit der Ölkrise zu einem Problem. Dazu kam, dass die fehlende Motorbremswirkung vielen Testfahrern, die mit einer Gasturbine auf die Straße durften, missfiel. Erst 2010 kehrte die Gasturbine wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zurück. Jaguar feierte damals seinen 75. Geburtstag mit einer Studie, die zwei Gasturbinen an Bord hatte.
Gasturbine als Range-Extender
Allerdings trieben sie beim Jaguar C-X75 nicht direkt die Räder an. Vielmehr dienten die dieselbetriebenen Mikrogasturbinen von Bladon Jets als Range-Extender. Die rund 97 PS (71 kW) leistenden Gasturbinen waren mit einem Generator gekoppelt, um die vier elektrischen Radnabenmotoren des Jaguar C-X75 mit Strom zu versorgen. Jaguar sah in der Nutzung der Gasturbinen zur Verlängerung der Reichweite eine Möglichkeit, Gewicht bei der Batterie zu sparen.
Seine Premiere feierte der 1.350 Kilogramm schwere Jaguar C-X75 Anfang Oktober 2010 auf dem Mondial de l’Automobile in Paris. Der Zuspruch von Presse und Publikum war wohlwollend – und ausreichend, um Jaguar, damals seit gut drei Jahren eine Tochter von Tata Motors und unabhängig von Ford, über eine Kleinserie nachdenken zu lassen. Im Mai 2011 kündigte Jaguar an, den Jaguar C-X75 tatsächlich bauen zu wollen. Maximal 250 Exemplare sollte Williams Advanced Engineering bauen.
Für die Serie sollte die Gasturbine weichen!
Vorgesehen war ein Nettoverkaufspreis von mindestens 700.000 britischen Pfund. Das entsprach damals rund 960.000 Euro. Mit der jeweiligen Mehrwertsteuer, die im Land des Kunden anfällt, wäre der Sportwagen also mindestens eine Million Euro teuer gewesen. Start sollte 2013 sein. Doch dazu kam es nicht, weshalb große Teile dieses Artikels den „Konditionalis Perfekt“ als Möglichkeitsform der Vergangenheit nutzen müssen. Ende 2012 beerdigte Jaguar das Projekt.

Offenbar war es den Briten nicht gelungen, genügend Kunden von dem Jaguar C-X75 zu begeistern. Woran aber nicht die Gasturbine schuld war. Denn die war beim geplanten Serienmodell schon nicht mehr an Bord. Die nicht realisierte Serienversion des C-X75 hätte einen kleinen aufgeladenen Ottomotor als Range-Extender genutzt. Auch die Radnabenmotoren wären je einem Elektromotor pro Achse gewichen. So war es wie immer: Die Gasturbine scheiterte auch 2010 auf dem Weg zur Serie.
Jaguar C-X75 wurde Leinwandstar
Für den Jaguar C-X75 war das Scheitern seiner Serienvariante noch nicht das Ende. Im 2015 erschienenen „James Bond 007: Spectre“ feierte der Sportwagen als Filmstar ein Comeback. Wobei die – angeblich – sieben gebauten Filmfahrzeuge nur äußerlich dem C-X75 ähnelten. Unter deren attraktiver Karosserie steckte ein Gitterrohrrahmen und der Motor des Jaguar F-Type R-Coupé. Der Filmauftritt soll immerhin zwei begüterte Fans bewegt haben, sich eigene C-X75 bauen zu lassen.
Doch wie so vieles zum Jaguar C-X75 gibt es zur Anzahl der tatsächlich gebauten Fahrzeuge unterschiedliche Angaben. Selbst Jaguar nennt verschiedene Zahlen. Aber am Ende ist das auch nicht wichtig. Denn was bleibt, ist, dass mit dem britischen Sportwagen wohl vorerst die letzte Chance der Gasturbine, es in einem Auto auf die Straße zu schaffen, verstrich. Trotzdem war das Konzept, die Gasturbine im Jaguar C-X75 als Range-Extender zu nutzen, spannend.

Technische Daten des Jaguar C-X75:
Die originale Studie des Jaguar C-X75, die 2010 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde, besaß ein absolut faszinierendes Antriebskonzept: Sie funktionierte als serieller Hybrid, bei dem die Gasturbinen nicht direkt die Räder antrieben, sondern ausschließlich als Generatoren dienten, um die Batterien während der Fahrt zu laden.
Antrieb & Turbinen
- Elektromotoren: 4 YASA-Elektromotoren (ein Motor pro Rad, echtes Torque Vectoring)
- Reichweitenverlängerer (Range Extender): 2 Mikrogasturbinen (entwickelt mit Bladon Jets)
- Leistung der Turbinen: Jeweils 70 kW (circa 95 PS) bei konstanten 80.000 U/min
- Gewicht der Turbinen: Nur 35 kg pro Turbine
- Treibstoff: Diesel, Biokraftstoffe, Erdgas (CNG) oder Flüssiggas (LPG)
Leistungsdaten
- Gesamtleistung: 582 kW (789 PS)
- Maximales Drehmoment: 1.600 Nm (systembedingt ab der ersten Umdrehung verfügbar)
- Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
- Beschleunigung (0–100 km/h): circa 3,4 Sekunden
- Beschleunigung (0–300 km/h): 15,7 Sekunden
Batterie & Reichweite
- Batterietyp: Flüssigkeitsgekühlter Lithium-Ionen-Akku (Kapazität: 15 kWh / Gewicht: 185 kg)
- Rein elektrische Reichweite: 110 km (ohne Zuschalten der Turbinen)
- Gesamtreichweite: Bis zu 900 km (mit vollem 60-Liter-Tank und Unterstützung der Turbinen)
- CO₂-Ausstoß: 28 g/km im kombinierten EU-Zyklus
Abmessungen & Gewicht
- Chassis & Karosserie: Extrudiertes und verklebtes Aluminium (vom Flugzeugbau inspiriert)
- Leergewicht: 1.350 kg
- Länge / Breite / Höhe: 4.647 mm / 2.020 mm / 1.204 mm
- Radstand: 2.725 mm
- Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert): 0,32 (mit aktiver Aerodynamik am Heckdiffusor)
Obwohl dieses Setup futuristisch und extrem leicht war, erwies sich die Gasturbinen-Technologie für die Serienreife als zu komplex und teuer. Für die späteren fahrbereiten Prototypen wechselte Jaguar deshalb zu einem konventionelleren Hybrid-System mit einem hochgezüchteten 1,6-Liter-Vierzylinder. Die Filmauto aus dem James-Bond-Streifen Spectre nutzten einen hochgezüchteten V8-Motor.
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