Jaguar C-X75: Die letzte Chance für die Gasturbine

Zwei Gasturbinen, vier Elektromotoren und große Pläne: Der Jaguar C-X75 sollte die Zukunft des Sportwagens neu definieren. Doch daraus wurde nichts.

12. Juli 2026 5 Minuten Lesezeit
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Jaguar C-X75
2010 wagte Jaguar einen letzten Anlauf mit der Gasturbine. Doch auch der Jaguar C-X75, hier das 2010 in Paris ausgestellte Konzeptfahrzeug, wurde kein Serienmodell. Dafür lebte er im Kino weiter. (Foto: Jaguar)

Bis Anfang der 1970er-Jahre galt die Gasturbine als Antriebskonzept von morgen. Doch dazu kam es nie. Der hohe Verbrauch wurde mit der Ölkrise zu einem Problem. Dazu kam, dass die fehlende Motorbremswirkung vielen Testfahrern, die mit einer Gasturbine auf die Straße durften, missfiel. Erst 2010 kehrte die Gasturbine wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zurück. Jaguar feierte damals seinen 75. Geburtstag mit einer Studie, die zwei Gasturbinen an Bord hatte.

Gasturbine als Range-Extender

Allerdings trieben sie beim Jaguar C-X75 nicht direkt die Räder an. Vielmehr dienten die dieselbetriebenen Mikrogasturbinen von Bladon Jets als Range-Extender. Die rund 97 PS (71 kW) leistenden Gasturbinen waren mit einem Generator gekoppelt, um die vier elektrischen Radnabenmotoren des Jaguar C-X75 mit Strom zu versorgen. Jaguar sah in der Nutzung der Gasturbinen zur Verlängerung der Reichweite eine Möglichkeit, Gewicht bei der Batterie zu sparen.

Seine Premiere feierte der 1.350 Kilogramm schwere Jaguar C-X75 Anfang Oktober 2010 auf dem Mondial de l’Automobile in Paris. Der Zuspruch von Presse und Publikum war wohlwollend – und ausreichend, um Jaguar, damals seit gut drei Jahren eine Tochter von Tata Motors und unabhängig von Ford, über eine Kleinserie nachdenken zu lassen. Im Mai 2011 kündigte Jaguar an, den Jaguar C-X75 tatsächlich bauen zu wollen. Maximal 250 Exemplare sollte Williams Advanced Engineering bauen.

Für die Serie sollte die Gasturbine weichen!

Vorgesehen war ein Nettoverkaufspreis von mindestens 700.000 britischen Pfund. Das entsprach damals rund 960.000 Euro. Mit der jeweiligen Mehrwertsteuer, die im Land des Kunden anfällt, wäre der Sportwagen also mindestens eine Million Euro teuer gewesen. Start sollte 2013 sein. Doch dazu kam es nicht, weshalb große Teile dieses Artikels den „Konditionalis Perfekt“ als Möglichkeitsform der Vergangenheit nutzen müssen. Ende 2012 beerdigte Jaguar das Projekt.

Pressekonferenz zum Bau des Jaguar C-X75

2011 kündigte Jaguar eine Kleinserie von 250 Exemplaren des Jaguar C-X75 an. Deren Bau sollte Williams Advanced Engineering, eine Tochter des Williams-Formel 1-Teams übernehmen. (Foto: Jaguar)

Offenbar war es den Briten nicht gelungen, genügend Kunden von dem Jaguar C-X75 zu begeistern. Woran aber nicht die Gasturbine schuld war. Denn die war beim geplanten Serienmodell schon nicht mehr an Bord. Die nicht realisierte Serienversion des C-X75 hätte einen kleinen aufgeladenen Ottomotor als Range-Extender genutzt. Auch die Radnabenmotoren wären je einem Elektromotor pro Achse gewichen. So war es wie immer: Die Gasturbine scheiterte auch 2010 auf dem Weg zur Serie.

Jaguar C-X75 wurde Leinwandstar

Für den Jaguar C-X75 war das Scheitern seiner Serienvariante noch nicht das Ende. Im 2015 erschienenen „James Bond 007: Spectre“ feierte der Sportwagen als Filmstar ein Comeback. Wobei die – angeblich – sieben gebauten Filmfahrzeuge nur äußerlich dem C-X75 ähnelten. Unter deren attraktiver Karosserie steckte ein Gitterrohrrahmen und der Motor des Jaguar F-Type R-Coupé. Der Filmauftritt soll immerhin zwei begüterte Fans bewegt haben, sich eigene C-X75 bauen zu lassen.

Doch wie so vieles zum Jaguar C-X75 gibt es zur Anzahl der tatsächlich gebauten Fahrzeuge unterschiedliche Angaben. Selbst Jaguar nennt verschiedene Zahlen. Aber am Ende ist das auch nicht wichtig. Denn was bleibt, ist, dass mit dem britischen Sportwagen wohl vorerst die letzte Chance der Gasturbine, es in einem Auto auf die Straße zu schaffen, verstrich. Trotzdem war das Konzept, die Gasturbine im Jaguar C-X75 als Range-Extender zu nutzen, spannend.

Test des Serienmodells Jaguar C-X75

Jaguar nahm die Entwicklung des Serienmodells des Jaguar C-X75 mit viel Engagement auf. Doch die Zeit war nicht reif für einen Sportwagen, der mehr als eine Million hätte kosten sollen (Foto: Jaguar).

Technische Daten des Jaguar C-X75:

Die originale Studie des Jaguar C-X75, die 2010 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde, besaß ein absolut faszinierendes Antriebskonzept: Sie funktionierte als serieller Hybrid, bei dem die Gasturbinen nicht direkt die Räder antrieben, sondern ausschließlich als Generatoren dienten, um die Batterien während der Fahrt zu laden.

Antrieb & Turbinen

Leistungsdaten

Batterie & Reichweite

Abmessungen & Gewicht

Obwohl dieses Setup futuristisch und extrem leicht war, erwies sich die Gasturbinen-Technologie für die Serienreife als zu komplex und teuer. Für die späteren fahrbereiten Prototypen wechselte Jaguar deshalb zu einem konventionelleren Hybrid-System mit einem hochgezüchteten 1,6-Liter-Vierzylinder. Die Filmauto aus dem James-Bond-Streifen Spectre nutzten einen hochgezüchteten V8-Motor.

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