AutoNatives.de bei Google bevorzugen

Sechs Autos, die man auf der Techno Classica gesehen haben sollte

Eigentlich wollte ich diesen Artikel in diesem Jahr gar nicht schreiben. Doch schon am Donnerstag sprachen mich auf der Techno Classica mehrere Leute an: „Macht ihr wieder einen Artikel darüber, welche drei Autos man auf der Messe unbedingt gesehen haben muss?“

Tom Schwede
Von Tom Schwede
27. September 2026 7 Minuten Lesezeit
f x ✉
Techno Classica Salon 2026 in Dortmund
Was bleibt von der Techno Classica 2026 in Dortmund? Vor allem die Erkenntnis, dass das Konzept wichtiger als der Ort ist.

Nun ja. Nein. Unsere Vorschau auf die Premiere des Techno Classica Salons in Dortmund baute ich diesmal bewusst anders auf. Schließlich gibt es auf einer solchen Messe viel mehr zu entdecken als drei Autos. Und überhaupt: Wer will schon entscheiden, welche drei Klassiker die wichtigsten sind? Heute waren Fabian und ich noch einmal gemeinsam auf der Messe unterwegs.

Wir schlenderten durch die Hallen, blieben hier stehen, diskutierten dort und stellten irgendwann fest: Natürlich haben wir unsere Favoriten. Also gut. Ihr habt gewonnen. Allerdings machen wir aus drei Autos diesmal sechs. Denn Fabian und ich nennen in diesem Artikel jeweils drei Fahrzeuge, die uns besonders im Gedächtnis geblieben sind. Und erstaunlicherweise gibt es dabei keine einzige Überschneidung. Doch lest selbst:

Meine Nummer eins: BMW 319/1 trifft BMW 328

Mein erster Kandidat stand bei Feierabend: ein BMW 328 Restaurationsobjekt mit der Karosserie eines BMW 319/1 Sportroadsters von 1938. Genau solche Autos liebe ich auf Oldtimermessen. Denn natürlich kann man sich einen perfekt restaurierten BMW 328 ansehen. Man kann seinen Lack bewundern, das Leder bestaunen und anschließend ehrfürchtig auf das Preisschild schauen. Doch interessanter finde ich manchmal Autos, an denen, wie bei diesem Exponat die Geschichte des Autos noch sichtbar ist.

BMW 328 mit Karosserie des BMW 319/1

BMW 319/1 Sportroadster mit einem Chassis und Motor des BMW 328 und einer unglaublichen Patina.

Zumal sich beim 319/1 und 328 ohnehin zwei Generationen BMW-Sportwagen begegnen. Der 319/1 war Mitte der 1930er-Jahre einer der frühen Sportwagen der Marke. Aus ihm entstand 1936 der 328, der 1940 die Mille Miglia gewann und als erfolgreichster Sportwagen seiner Zeit gilt. Das Dortmunder Exponat erzählt diese Verwandtschaft auf besonders ungewöhnliche Weise. Er ist kein glattpoliertes Schmuckstück, sondern ein Auto, vor dem man stehen bleibt und Fragen stellt.

Mercedes-Benz 190 E SGS Cityfun: Was zum Teufel ist das?

Mein zweiter Favorit ist das komplette Gegenteil. Denn der Mercedes-Benz 190 E SGS Cityfun sieht aus, als hätten sich in den 1980er-Jahren ein Mercedes 190 E, ein Targa, ein Kombi und ein Pick-up nach einer ziemlich wilden Party nicht mehr voneinander trennen können. Ungefähr so entstand die Idee vermutlich tatsächlich. Die Styling Garage von Chris Hahn kürzte den Radstand eines Mercedes 190 um rund 45 Zentimeter.

Mercedes-Benz 190 E SGS Cityfun

Lange vor dem Dreier Compact kürzte die Styling Garage von Chris Hahn den Baby-Benz.

Dazu kamen ein herausnehmbares Targadach und ein abnehmbares Kombiheck, die aus dem Auto je nach Bedarf Targa, Cabrio, Kombi oder Pick-up machen. 1984 zeigte SGS den Cityfun auf dem Genfer Autosalon. Ein Verkaufserfolg wurde die Idee nicht. Das Einzelstück galt später zeitweilig als verschollen, wurde nach der Wiederentdeckung restauriert. Vernünftig ist das alles nicht. Aber seit wann müssen interessante Autos vernünftig sein?

Volkhart V2 Sagitta: Ein Käfer aus einer anderen Welt

Mein drittes Auto übersieht man fast, wenn man zwischen all den Mercedes, Ferrari, Porsche und BMW nur nach großen Namen sucht. Der Volkhart V2 Sagitta entstand 1946/47 auf Basis eines VW KdF 82 E. Seine extrem aerodynamische Karosserie wirkt, als wäre sie ihrer Zeit davongefahren, hat mit dem später allgegenwärtigen Volkswagen kaum noch etwas gemeinsam.

Volkhart V2 Sagitta

Der Volkhart V2 Sagitta verfügt über eine Karosserie, die ihrer Zeit voraus war. Unter ihr steckt ein früher Kriegs-Käfer.

Gerade deshalb gehört der Volkhart V2 Sagitta für mich zu den Autos, für die sich eine Messe wie der Techno Classica Salon lohnt. Einen Käfer kann man auf fast jedem Oldtimertreffen sehen. Einen Volkhart V2 Sagitta nachvollziehbarerweise nicht. Damit waren meine drei Kandidaten gefunden. Fabian sah die Sache etwas anders, fand drei völlig andere Kandidaten.

Fabians Nummer eins: Tatra 87

Fabian entschied sich zunächst für den Tatra 87. Und dagegen lässt sich wenig einwenden. Optisch ist der große Tscheche eines dieser Autos, bei denen man auch nach fast 90 Jahren noch zweimal hinschaut. Stromlinienkarosserie, Heckflosse und ein luftgekühlter V8 im Heck: Der Tatra stammt aus einer Zeit, in der Ingenieure noch nicht wussten, dass große Limousinen gefälligst so auszusehen haben wie große Limousinen.

Motor des Tatra 87

Der Tatra 87 verfügt über einen luftgekühlten V8-Motor

In Dortmund stand ein restauriertes Exemplar von 1941. Wer wissen möchte, wie radikal fortschrittlich ein Auto Ende der 1930er-Jahre aussehen konnte, sollte sich einen Tatra 87 bei der nächsten Gelegenheit unbedingt aus der Nähe ansehen. Denn der Techno Classica Salon 2026 in Dortmund schloss am Sonntagabend nach vier spannenden Tagen die Tore.

Mercedes-Benz 190 SL Clubsport

Fabians zweiter Kandidat trägt auch einen Stern, verfolgt aber einen völlig anderen Ansatz als mein – zugegeben – merkwürdiger SGS Cityfun. Der Mercedes-Benz 190 SL gehört normalerweise zu den Autos, die man eher mit gepflegter Sonntagsausfahrt als mit sportlichem Ehrgeiz verbindet. Der in Dortmund gezeigte 190 SL Clubsport dreht dieses Bild um.

Mercedes-Benz 190 SL Clubsport

Der Mercedes-Benz 190 SL Clubsport war der Versuch, aus dem kleinen SL einen echten Sportwagen zu machen.

Denn plötzlich sieht man den kleinen Bruder des 300 SL nicht nur als eleganten Roadster der Wirtschaftswunderjahre. Der sportlich interpretierte 190 SL Clubsport erinnert daran, dass unter der hübschen Hülle immer noch ein Automobil steckt, mit dem man mehr machen kann, als vor dem Café vorzufahren. Vielleicht muss man einen 190 SL gerade deshalb einmal so sehen.

Bugatti Type 13: Zurück zu den Anfängen

Fabians dritter Kandidat war ein roter Bugatti Type 13 von 1914. Damit führt Fabians Auswahl zurück in die Frühzeit des sportlichen Automobils. Ein schmaler Aufbau, freistehende Räder, wenig Auto um Fahrer und Technik herum: Der Type 13 zeigt sehr schön, wie wenig es braucht, um einen Sportwagen zu bauen.

Motor des Bugatti Type 13

Der Bugatti Type 13 verfügte über den ersten Vier-Ventiler der Sportwagen-Geschichte.

Vor allem aber erinnert er daran, dass Bugatti vor den späteren riesigen Achtzylinder-Rennwagen und Luxusautos einst vor allem für leichte und sportliche Fahrzeuge stand. Neben einem solchen Auto wirken selbst viele Vorkriegsklassiker plötzlich erstaunlich groß.

Und wer von uns hat nun die besseren drei ausgesucht?

Natürlich ich. Fabian sieht das natürlich anders. Und vermutlich werden viele Besucher weder seiner noch meiner Auswahl zustimmen. Der eine hätte vielleicht den Ferrari Dino 206 S Spyder genommen, der andere einen BMW 507, einen Mercedes-Benz 540 K Special Roadster oder einen der Porsche 356. Genau darin liegt der Spaß. Denn nach vier Tagen auf der Techno Classica bleibt für mich vor allem eine Erkenntnis: Es gab in Dortmund erstaunlich viel zu entdecken.

Vor der Messe hörte ich immer wieder einen Satz: „Ich schaue mir die Techno Classica nach dem Umzug erst einmal an.“ Nach Jahrzehnten in Essen müsse Dortmund schließlich erst beweisen, dass die Techno Classica auch dort funktioniert. Die Skepsis war groß, und manche wollten offenbar lieber abwarten, was andere über die Premiere berichten. Inzwischen glaube ich allerdings, dass sich einige von ihnen über diese Zurückhaltung ärgern werden.

Denn natürlich ist in Dortmund nicht alles wie früher in Essen.

Aber das muss es auch nicht sein! Viel wichtiger war etwas anderes: Man lief durch die Hallen, entdeckte einen fast 90 Jahre alten Tatra, einen vollkommen verrückten Mercedes-Umbau, einen Bugatti von 1914 oder einen Stromlinienwagen auf Käferbasis. Man blieb stehen, diskutierte und stellte irgendwann fest, dass man längst seine persönliche Favoritenliste im Kopf zusammenstellt.

Genau das schafft eine gute Oldtimermesse. Wer die Premiere der Techno Classica in Dortmund erst einmal vorsichtig aus der Ferne beobachten wollte, weiß jetzt zumindest, was ihn erwartet. Und vielleicht auch, was er verpasst hat.


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Ihre Rückmeldung hilft uns, AutoNatives weiterzuentwickeln.

Wer etwas bei Google sucht, bekommt neben normalen Ergebnissen auch aktuelle News angezeigt. Über das Hinzufügen von AutoNatives.de als bevorzugte Quelle, erscheinen unsere Artikel dann in diesen Google-Schlagzeilen häufiger.

Bei Google bevorzugen

Mehr entdecken