Rennsport-Geschichten

Sachs Racing – das Formel-1-Projekt von Sachs und Harald Ertl

Mit meinem Freund Fabian verbindet mich, dass wir Motorsport-Memorabilien sammeln. Von Zeit zu Zeit machen wir uns einen schönen Abend im Garten und stellen uns bei Bier und Grillwurst unsere Neuerwerbungen vor. Dabei sind es oft die zunächst unscheinbaren Dinge, die das größte Interesse hervorrufen. So wie kürzlich zwei Presse-Fotos von Sachs aus Fabians Sammlung. Denn sie erinnerten uns an das Formel-1-Projekt Sachs Racing.

Wer an deutsche Formel-1-Projekte denkt, der erinnert sich in der Regel sofort an die Aktivitäten von ATS, Zakspeed und Rial. An die Formel-1-Projekte von Harald Ertl erinnern sich schon deutlich weniger. Dabei trat der damals in Deutschland ansässige Rennfahrer in der Königsklasse des Motorsports mehrfach unter der Bewerbung seiner Sponsoren an. Schon 1975 saß Ertl bei drei WM-Läufen einen Hesketh, den offiziell ein Team „Warsteiner Brewery“ an den Start brachte. Drei Jahre später trat Ertl viermal unter dem Teamnamen Sachs Racing mit einem Ensign N177 an.

Sachs und Ertl waren lange Jahre Partner!

Wer in den späten 1970er-Jahren in Deutschland eine Rennstrecke besuchte, der konnte den Werbeaktivitäten von Sachs eigentlich nicht entkommen. Der langjährige Firmen-Chef Ernst Wilhelm Sachs war ein treuer Förderer des Motorsports. Bis heute erinnern in Hockenheim die Sachs-Kurve sowie das Pressecentrum, das den Namen Ernst-Wilhelm-Sachs-Gebäude trägt, an den Industriellen. Besonders eng war auch die Partnerschaft mit Harald Ertl. Der Österreicher, der einst in Zell am See das gleiche Internat wie Jochen Rindt oder Dr. Helmut Marko besuchte, trat über Jahre in Autos an, die große Sachs-Schriftzüge trugen.

BMW 320 Turbo mit Harald Ertl
Mit dem BMW 320 Turbo von Schnitzer fuhr mit Harald Ertl 1978 in der Deutschen Rennsportmeisterschaft (DRM) zum Titel. Im gleichen Jahr trat Ertl mit Unterstützung von Sachs auch in der Formel 1 an. (Foto: Sachs – Archiv Fabian Wiedl)

Im BMW 320 Turbo von Schnitzer fuhr Ertl im Sachs-Kleid sogar zum größten Erfolg seiner Karriere. Denn in dem Rennwagen fuhr der Österreicher, der seit 1974 mit deutscher Lizenz startete, in der Deutschen Rennsport Meisterschaft (DRM) zum Titel. Ertl gewann im von Schnitzer Motorsport eingesetzten BMW fünf der elf Saisonrennen. Womit der Rennfahrer 1978 überlegen zum Titel fuhr. Trotz des Titelgewinns wechselte Ertl anschließend zu Ford und nahm ab 1979 im Zakspeed-Capri Platz.

Sponsor Sachs ging dabei mit und kleidete fortan den heute legendären Capri ein. Doch 1979 war für Ertl und Sachs eine Saison zum Vergessen. Zwei Rennsiegen in Zolder und Mainz-Finthen standen fünf Ausfälle gegenüber. In der Meisterschaft sprang damit nur ein dürftiger zehnter Platz heraus. Teamkollege Hans Heyer fuhr währenddessen zur Vize-Meisterschaft. Ein Jahr später lief es nur etwas besser. Mit nun vier Saisonsiegen sprang am Ende zwar Platz sieben in der DRM heraus. Doch Harald Ertl fand jetzt kein attraktives Cockpit mehr und legte 1981 eine Pause vom Rennsport ein.

Den Capri von Harald Ertl gibt es übrigens noch!

Den Capri, den Ertl in der DRM bewegte, kaufte später Herbert Stenger, um ihn erfolgreich in der Berg-Europameisterschaft einzusetzen. Wobei aus dem Gruppe-5-Boliden zeitweise ein Gruppe-C-Rennwagen wurde. Wozu Stenger das Dach absenkte, denn die Sportprototypen mussten über eine Höhe von genau einem Meter verfügen. Nach dem Tod des Berglöwen, der seinen Sport lange Jahre mit Unterstützung von Sachs betrieb, erwarb ein Wuppertaler Unternehmer den Capri. Inzwischen restaurierte Rüddel Racing den Rennwagen. Seitdem bringt der neue Besitzer ihn mit Unterstützung der Duisburger regelmäßig im historischen Motorsport an den Start.

BMW und Capri kennt jeder – den Ensign fast keiner!

Weniger bekannt als der BMW und der Ford im Sachs-Outfit ist der Formel-1-Bolide von Ensign, den Harald Ertl mit Unterstützung von Sachs steuerte. Denn der Österreicher kaufte sich mit dem Sponsorgeld von Sachs parallel zum Engagement in der DRM auch in der Königsklasse des Motorsports sein. Auf der Rückseite des Pressefotos aus Fabians Sammlung ist noch zurückhaltend von Testfahrten die Rede. Denn dort steht: „Der neue Ensign Formel 1, der von Sachs – unter Harald Ertl – als Versuchsträger eingesetzt wird.“

Rückseite des Pressebilds zum Sachs Racing Ensign N177
Auf der Rückseite des Pressebilds findet sich nur ein Hinweis auf Versuchsfahrten. (Archiv Wiedl)

Aus diesen Versuchsfahrten wurde schnell mehr. Doch der Reihen nach: Das Team Ensign des Briten Mo Nunn trat seit 1973 in der Königsklasse des Motorsports an. Nach dem Debüt mit Rikky von Opel saßen über Jahre Paydriver im Cockpit des Teams. Wobei streng genommen wohl auch Rikky von Opel, Nachfahre des Firmengründers Adam Opel und Verwandter der Familie Sachs, in diese Kategorie fielt. Erst Ende 1976 drehte mit Jacky Ickx ein Profi von Rang für Ensign am Lenkrad. 1977 fuhr dann mit Clay Regazzoni aktueller Spitzenpilot für Ensign. Denn der Schweizer wechselte nach sechs Jahren (1970 bis 1972 und 1974 bis 1976) bei Ferrari zu Ensign.

Möglich machte die Neuausrichtung von Ensign Teddy Yip. Der Casino-Besitzer aus Hongkong unterstützte Ensign finanziell. Zudem setzte sein Theodore Team zeitweilig einen weiteren Ensign N177 ein. Wie Clay Regazzoni fuhr auch Theodore-Pilot Patrick Tambay zu fünf WM-Punkten. Doch der Aufschwung endete jäh. Yip konzentrierte sich zunächst auf sei eigenes Team, kaufte dann Shadow auf. So verlor Ensign nach dem Debüt des Lotus 78 bald den Anschluss. Denn anders als die Mehrzahl der Wettbewerber fehlte Ensign Geld, um ebenfalls ein Wing Car auf die Räder zu stellen. Erst vor ein paar Tagen schrieben wir ausführlich über die Ära der Wing Cars.

Harald Ertl hoben Sponsoren in die Cockpits

Zudem war das Team wohl mit dem Einsatz von zwei Autos überfordert. 1977 kam erst beim WM-Finale in Canada mit Derek Daly ein Ensign-Pilot als Sechster ins Ziel und sicherte dem Team einen WM-Punkt. 1978 fuhr deshalb wieder, wer für sein Cockpit bezahlte. Das blieb auch Harald Ertl nicht verborgen. Das Sponsorgeld von Sachs ermöglichte Harald Ertl ein Formel-1-Comeback. Das erinnerte an das F1-Debüt des Mannheimers drei Jahre zuvor, als sich Ertl mit Geld von Warsteiner und RTL bei Hesketh einkaufte.

1977 Zolder – Harald Ertl im Hesketh
1975 bis 1977 fuhr Harald Ertl für Hesketh in der Formel 1. Sponsor HEYCO finanzierte den Einsatz des Teams.Der Automobilzulieferer aus Remscheid warb auch auf dem BMW 320 Turbo, den Ertl in der DRM einsetzte. (Foto: Erik Nassen – Archiv Wiedl)

Eine gute Investition, denn 1976 stieg Ertl bei Hesketh zum Stammpiloten auf. Doch dem Team fehlte nach dem Abgang von James Hunt, der seine Karriere bei McLaren fortsetzte, das Zugpferd. Der Auftritt des Teams war ein Sterben auf Raten. Ertl trat 1976 bei insgesamt 15 Rennen für Hesketh an. Bei drei Läufen endete das Rennwochenende für Team und Pilot bereits nach der Qualifikation. In Canada fand das Rennen ohne Ertl statt, da dessen Bolide nach einem Unfall nicht fahrbereit war. Einen WM-Punkt gewann Ertl für Hesketh nicht.

Das Comeback mit Ensign und Sachs Racing

Auch 1977 ging Ertl bei der europäischen Grand-Prix-Saison zunächst als zweiter Pilot für Hesketh an den Start. Doch dem inzwischen allein von Bubbles Horsley geleiteten Team fehlte weiter Geld. Daran änderte auch der Einsatz eines dritten Rennwagens für den finanzkräftigen Mexikaner Héctor Rebaque nichts. Irgendwann im Sommer 1977 erkannte Harald Ertl die Sinnlosigkeit des Unterfanges und zog sich vorerst aus der Formel 1 zurück. Doch die Partnerschaft mit Sachs ermöglichte Ertl ein knappes Jahr später ein Comeback.

Ensign N177 von Sachs Racing
Mit diesem Pressebild kündigte Sachs den Einsatz des Ensign N177 beim Großen Preis von Deutschland an. Beim Rennen war der Wagen dann übrigens dunkelblau. (Foto: Sachs – Archiv Fabian Wiedl)

Denn beim Heimrennen in Hockenheim stand Harald Ertl mit dem Ensign N177 unter der Bewerbung von Sachs Racing wieder im Grid. Wobei es sich bei diesem Einsatz um einen von Sachs unterstützten Werkseinsatz von Ensign handelte. So blieb es Ertl zumindest vorerst erspart, in einer Vorqualifikation, um die Teilnahme am offiziellen Training kämpfen zu müssen. Das Rennen nahm Harald Ertl schließlich vom 23. Startplatz auf. Zusammen mit Jochen Mass (22.) und Hans Joachim Stuck (24.) bildete Ertl den Schluss des Feldes.

Sachs Racing kam nie ins Ziel!

Während Mass und Stuck nach einen Unfall schon in der ersten Runde ausfielen, wurde Ertl schließlich als Elfter gewertet. Wobei auch Ertl nicht die Zielflagge sah. Denn ein Defekt am Motor stoppte die Fahrt kurz vor dem Ende. Zuvor lag Ertl nach einem harten Kampf mit dem Ferrari des Kanadier Gilles Villeneuve auf Platz sechs – hatte damit einen WM-Punkt praktisch schon vor Augen. Auch beim folgenden Rennen in Österreich gelang Harald Ertl der Sprung ins Starterfeld. Doch nach einem Unfall in der achten Runde fiel Ertl vorzeitig aus.

Beim Großen Preis der Niederlande musste Harald Ertl in die Vorqualifikation. Hier scheiterte der Rennfahrer und verpasste den Sprung ins Training fürs Rennen. Trotzdem brachte Ensign den N177 für Sachs Racing auch beim Großen Preis von Italien an den Start. Doch beim traditionellen Abschluss der europäischen Grand-Prix-Saison scheiterte Harald Ertl erneut in der Vorqualifikation. Da spielte auch keine Rolle, dass die von Ertl in der Vorqualifikation gedrehte Runde (1:40,27 Minuten) in der Qualifikation für den 21. Startplatz gereicht hätte.

Ertl war draußen – oder auch nicht!

Die Formel 1 von 1978 ist nicht mit der heutigen Formel 1 zu vergleichen. Und so nahm Harald Ertl schließlich trotzdem an der Qualifikation zum Großen Preis von Italien teil. Denn Ertl wechselte zwischen Vorqualifikation und Qualifikation das Team. ATS-Stammfahrer Jochen Mass lag mit schweren Beinverletzungen in einem britischen Krankenhaus. Mass war bei einem Test des ATS in Silverstone auf der Hangar Straight hart in die Leitplanken eingeschlagen. ATS-Teamchef Günter Schmid bot das verwaiste Cockpit schließlich Harald Ertl an.

Harald Ertl und ATS-Team-Chef Hans Günter Schmid
Harald Ertl (links) und ATS-Team-Chef Hans Günter Schmid (rechts) betrachten 1978 in Monza den ATS HS1 – Ertl verpasste mit dem Rennwagen von ATS den Sprung ins Teilnehmerfeld und war damit gleich mit zwei Autos an der Qualifikationshürde gescheitert. Ein wohl einmaliger Vorgang in der langen Geschichte der Formel 1. (Foto: Archiv Wiedl)

Doch der in Mannheim lebende Österreicher konnte die Chance nicht nutzen. Ertl verpasste den Sprung ins Starterfeld, war mit einer Rundenzeit von 1:41.185 Minuten mit dem ATS sogar langsamer als mit dem Ensign. An einen Start im Rennen war damit nicht zu denken. Damit blieb Ertl erspart, im Unglücksrennen von Monza anzutreten. Denn der Große Preis von Italien 1978 ging wegen seines Startunfalls in die Geschichte ein. Bei diesem zog sich Ronnie Peterson schwere Verletzungen zu und konnte das brennende Wrack seines Lotus nur mit Hilfe der Rettungskräfte verlassen. Bei der anschließenden Operation kam es zu Komplikationen, an deren Folgen der Schwede starb. 

Sachs Racing tanzte nur viermal

Bei den folgenden Überseerennen traten Ertl und Sachs Racing nicht mehr an. Beide konzentrierte sich auf ihr DRM-Programm. Erst 1980 kehrte Ertl für ATS nochmals in den Grand-Prix-Zirkus zurück. Doch in Hockenheim scheiterte der Mannheimer erneut an der Qualifikationshürde, war fast fünf Sekunden langsamer als Team-Kollege Marc Surer. 1981 legte Ertl als Rennfahrer eine Pause ein, arbeitete als Journalist und PR-Experte. 1982 wollte der Österreicher im Renault 5 Turbo Eurocup starten. Doch dazu kam es nicht mehr, denn Harald Ertl starb im April 1982 bei einem Flugzeugabsturz.

Grand-Prix-Einsätze des Ensign N177 unter dem Banner von Sachs Racing

  • 28. bis 30. Juli 1978: Großer Preis von Deutschland in Hockenheim mit Harald Ertl – Training Platz 23 – Rennen Ausfall durch Motorschaden, gewertet als Elfter
  • 11. bis 13. August 1978: Großer Preis von Österreich in Zeltweg mit Harald Ertl – Training Platz 24 – Rennen Ausfall nach einem Unfall in Runde acht
  • 25. bis 27. August 1978: Großer Preis der Niederlande Zandvoort mit Harald Ertl – Vorqualifikation Platz acht von zehn Teilnehmern, keine Zulassung fürs Training
  • 8. bis 10. September 1978: Großer Preis von Italien in Monza mit Harald Ertl – Vorqualifikation Platz vier von sieben Teilnehmern, keine Zulassung fürs Training

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