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Der Monaco-GP braucht mehr als Tradition

Der Monaco-GP gilt als Kronjuwel der Formel 1. Doch wenn Überholmanöver zur Ausnahme werden, stellt sich die Frage: Reicht Tradition allein noch aus?

Tom Schwede
Von Tom Schwede
08. Juni 2026 3 Minuten Lesezeit
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Formel 1 in Monaco
Mit dem up! ist auf der Strecke in Monte Carlo reichlich Platz. Selbst die Zufahrt zur Rascasse wirkt hier wie ein breiter Boulevard. Doch die heutigen Formel 1-Boliden sind größer als der Kleinwagen aus Wolfsburg (Foto: VW)

Monaco war eine Qual. Wenn nicht wenige Runden vor dem Ende der Asphalt aufgebrochen wäre und für eine rote Flagge gesorgt hätte, dann wäre das Rennen wohl jetzt schon vergessen. Wobei das nicht nur an der Strecke lag. Denn die Art und Weise, wie Mercedes mit Kimi Antonelli zurzeit die Formel 1 dominiert, ist sicherlich auch ein wichtiger Baustein der Langeweile. Gleichwohl muss im Fall von Monaco auch die Strecke ein Grund sein.

Auch im hinteren Feld gab es praktisch keine Überholmanöver!

Das Gleiche galt für die Rennen der Nachwuchsklassen. Die Rennen der Formel 2 und der Formel 3 waren genauso öde wie der Grand Prix. Nun bin ich grundsätzlich kein Freund davon, Strecken zu verändern, um sie an die heutigen Autos anzupassen. Aber so, wie es sich zurzeit darstellt, reduziert sich in Monte Carlo der Wettbewerb aufs Training und die Strategie.

Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, wie zeitgemäß das Rennen in den engen Straßen des Fürstentums noch ist. Bisher hieß es, dass für eine andere Strecke kein Platz sei. Doch bei X fand ich einen Vorschlag des Users Cytrus, der eine Diskussion wert sein sollte:

Cytrus schlägt vor, die Strecke nach der Haarnadelkurve vor dem Grand Hotel neu zu gestalten. Statt mit einer Doppelrechts zum Meer zu fahren, sollen die Boliden zunächst links abbiegen, um dann durch einen Kreisverkehr zu fahren. Das erinnert etwas an Long Beach und würde die Strecke nur um wenige Meter verlängern. Der Vorteil liegt darin, dass die Fahrzeuge so mit mehr Anlauf zur Hafen-Schikane kommen. Gestaltet man diese neu, wie es Cytrus vorschlägt, so entsteht hier ein Überholpunkt.

Tom im VW up! GTI in Monte Carlo

2018 nahm ich im VW up! GTI den traditionsreichen Kurs selbst unter die Räder. Selbst im kleinen up! war die Haarnadel-Kurve ziemlich eng. (Foto: VW)

Ein zweiter Überholpunkt könnte in der ersten Kurve entstehen. Bisher ist es so, dass im Rennen hier selten jemand dicht genug zum Vordermann aufschließen kann. Das liegt daran, wie eng die letzte Kurve der Strecke ist, dort, wo gestern Charles Leclerc und Lance Stroll ihre Boliden in den Leitplanken versenkten. Deshalb schlägt Cytrus vor, dort die Fußgängerinsel zu entfernen, um die Strecke flüssiger zu gestalten. So können Verfolger hier besser als heute aufschließen und in Sainte Devote einen Angriff setzen.

Natürlich wäre ein solcher Umbau kein Allheilmittel!

Und Monaco würde dadurch nicht plötzlich zu einer Überholstrecke werden. Dafür sind die Straßen des Fürstentums schlicht zu eng. Dennoch könnten diese beiden Modifikationen in der Tat genügen, um den sportlichen Wert des Rennens spürbar zu erhöhen. Denn ein Grand Prix sollte nicht bereits am Samstag entschieden sein. Ob die Verantwortlichen einen so tiefgreifenden Eingriff in den traditionsreichen Stadtkurs wagen, steht auf einem anderen Blatt.

Doch die Diskussion darüber ist überfällig. Denn Tradition allein kann auf Dauer kein Argument sein, wenn die Rennen Jahr für Jahr langweiliger und vorhersehbarer werden. Monaco bleibt ein Mythos. Aber auch ein Mythos muss sich gelegentlich der Gegenwart stellen.


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