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25. Juni 1939: Richard Seaman verunglückt in Spa-Francorchamps

Triumph oder Tragödie? In kaum einer Sportart liegen diese beiden Pole so schicksalhaft beieinander wie im Motorsport. Ein typisches Beispiel ereignete sich am 25. Juni 1939, als der Brite Richard Seaman in Spa am Steuer seines Silberpfeils tödlich verunglückte. Damit endete vor 75 Jahren die viel zu kurze Karriere eines der größten britischen Rennfahrer seiner Zeit.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
25. Juni 2014 4 Minuten Lesezeit
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Richard Seaman, Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring 1938
Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, 24. Juli 1938. der Sieger Richard Seaman (Foto: Mercedes-Benz)

Heute gilt Richard Seaman als der beste Brite der Grand-Prix-Ära zwischen den Weltkriegen. 1913 als Sohn wohlhabender Eltern geboren, begeisterte sich Seaman früh für das Auto. Schon als Kind zeichnete „Dick“, wie ihn die Eltern riefen, Rennwagen. Seine Schulausbildung genoss der Brite im Internat von Hildersham House. Zum Schulabschluss schenkten ihm die Eltern einen Riley Brooklands Nine.

1931 nahm Seaman ein Studium am Trinity College in Cambridge auf. Praktischerweise gab es in Cambridge seit 1902 den „Cambridge University Automobile Club“. Dort traf Seaman Gleichgesinnte. Mit dem MG Magna, den die Eltern ihm inzwischen gekauft hatten, bestritt der 18-Jährige erste Motorsportwettbewerbe. Es war der Amerikaner Whitney Straight, der Seaman auf die Idee brachte, ernsthaft Rennen zu fahren. Seaman fuhr inzwischen einen Bugatti und trat in einen von Straight geführten Rennstall ein.

Auf den Bugatti folgte bald ein Lagonda und 1934 ein MG Magnette. Mit dem MG gewann Seaman seine Klasse beim „Prix de Bern“ und entschied das Bergrennen am Mont Ventoux für sich. Die Eltern sahen die Rennsport-Ambitionen ihres Sohnes gespalten. Während der Vater gegen den Rennsport war, unterstützte seine Mutter das teure Hobby. Um den Junior vom Hobby Rennsport abzubringen, kaufte der Vater ein Flugzeug. Heute gilt Richard Seaman als einer der ersten Rennfahrer, die mit dem eigenen Flugzeug zu den Rennen reisten.

Das Flugzeug erweitert den Radius.

Seaman suchte die Nähe der Werksteams von Auto Union und Mercedes-Benz. Er trat bewusst bei den Voiturette-Rennen im Rahmen der Grand-Prix-Rennen an, um die Aufmerksamkeit der großen Teams auf sich zu ziehen. Mit Erfolg: Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer lud den Briten im November 1936 zu Testfahrten am Nürburgring ein. Seaman kommentierte die Einladung mit: „If I ever get a drive for Mercedes, I shall never drive for anybody else.“ („Wenn ich jemals für Mercedes fahren darf, dann fahre ich nie wieder für jemand anderen.“)

Bei den Testfahrten am Nürburgring setzte sich Seaman gegen alle Konkurrenten durch und ging ab 1937 als Werksfahrer für Mercedes-Benz an den Start. Der Newcomer benötigte einige Zeit, um sich an die stärkeren Rennwagen der Grand-Prix-Klasse zu gewöhnen. Mehrfach lieferte Seaman Schrott statt Pokalen ab. Trotzdem verlängerte Mercedes den Vertrag. Prompt gewann Seaman 1938 den Großen Preis von Deutschland am Nürburgring. In der Schweiz und in Donington folgten weitere Podestplätze. Am Ende der Saison belegte Seaman einen guten vierten Platz in der Grand-Prix-Europameisterschaft, die als Vorläufer der Formel 1 gilt.

Nicht ganz freiwillig war Seaman inzwischen nach Deutschland gezogen. Der Brite lebte seit 1937 in Dambach am Starnberger See. Die Devisengesetze der Nationalsozialisten verboten es ihm, deutsches Geld auszuführen. Und der Geldstrom der Eltern stockte, weil sie seinen Vertrag in Nazideutschland missbilligten. Als Seaman Ende 1938 die Tochter eines BMW-Direktors heiratete, kam es endgültig zum Bruch mit den Eltern. Sie blieben der Trauung demonstrativ fern.

Das Unglück von Spa-Francorchamps

In die Saison 1939 startete Seaman mit einem Ausfall. Beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps lief es zunächst besser. Die Strecke in den Ardennen war in dichten Regen gehüllt. Seaman übernahm nach wenigen Runden die Führung und setzte sich konsequent vom Feld ab. Trotz eines komfortablen Vorsprungs reduzierte der Brite das Tempo nicht. Er wollte an diesem Tag offensichtlich auch den inoffiziellen Titel des „Regenkönigs“ gewinnen. Das war die Suche nach dem totalen Triumph.

Großer Preis von Belgien, 25. Juni 1939: Der brennende Mercedes von Richard Beattie Seaman

Großer Preis von Belgien, 25. Juni 1939: Der brennende Mercedes von Richard Beattie Seaman (Foto: Mercedes-Benz)

Doch sie endete in einer Tragödie. Denn als der Regen noch stärker wurde, verlor Seaman die Kontrolle über seinen Mercedes-Benz. Bei hoher Geschwindigkeit, jenseits der Marke von 200 km/h, prallte er gegen einen Baum. Innerhalb weniger Sekunden stand der Rennwagen in Flammen. Seaman konnte sich nicht aus eigener Kraft aus dem brennenden Wrack befreien. Als der Brite endlich aus dem Wrack geborgen wurde, hatte er schwerste Brandverletzungen erlitten.

Trotzdem war der Brite auf der Fahrt ins Krankenhaus noch bei Bewusstsein. Er scherzte gegenüber seiner Frau, dass er sie heute Abend leider nicht ins Kino einladen könne. Und gegenüber Neubauer gab Seaman unumwunden zu, dass der Unfall die Folge seines viel zu hohen Tempos und damit sein eigener Fehler gewesen sei. Wenige Stunden nach dem Unfall erlag Richard Seaman seinen schweren Verletzungen. Prinz Chula Chakrabongse von Thailand bezeichnete seinen Freund und Konkurrenten in einer 1941 veröffentlichten Biografie als „vielleicht größten Fahrer von Straßenrennen, den England jemals hervorgebracht hat“.


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