40 Jahre Ford Nugget: Wie aus einem Transit ein Kult-Camper wurde
Vom einfachen Transit-Ausbau zum Kult-Camper: Der Ford Nugget begleitet seit 40 Jahren Reisende, Surfer und Freiheitsliebende. Wie wurde aus der Zusammenarbeit von Ford und Westfalia hervorgegangene Nugget zur ernsthaften Alternative zu VW California & Co.?
Beim Stichwort „Cult-Camper“ denken viele Auto-Fans zuerst an Volkswagen und seine zahlreichen Camping-Ausbauten. Das begann mit dem Bulli, der spätestens in den 1960er Jahren zum rollenden Symbol für Freiheit, Fernweh und alternative Reisekultur aufstieg. Vom Hippie-Bus bis zum modernen California prägte Volkswagen wie kaum ein anderer Hersteller das Bild des kompakten Freizeitmobils. Dabei gab es auch auf Basis des Ford Transit oder des bei Opel verkauften Bedford Blitz schon früh Campingmobile.
Der Nugget veränderte die Sicht auf Camper von Ford!
Doch erst mit dem 1986 vorgestellten Ford Nugget gelang auch Ford Deutschland der große Wurf. In Zusammenarbeit mit Westfalia entstand ein kompakter Camper, der den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und mobilem Abenteuer schaffte. Denn während klassische Wohnmobile oft riesig, schwerfällig und nur wenige Wochen im Jahr genutzt wurden, funktionierte der Nugget genauso als Familienauto wie als Ferienwohnung auf Rädern.
Genau diese Mischung machte ihn über inzwischen vier Jahrzehnte hinweg zum Kult-Camper mit eigener Fangemeinde. Der erste „Goldklumpen“ entstand in Zusammenarbeit mit Westfalia. Das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück erfand einst die Kugelkopf-Anhängerkupplung. 1950 begann die Zusammenarbeit mit Volkswagen. Was mit einer „Camping-Box“ begann, die den VW Bus ferientauglich machte, führte ab 1958 zur Entwicklung von komplett zu Wohnmobilen umgerüsteten VW-Transportern.
Vom Joker zum Nugget
Bis in die 1970er Jahre stand dabei die Feriennutzung der umgebauten Fahrzeuge im Vordergrund. Das änderte sich mit dem 1979 präsentierten VW Joker auf Basis des VW-T3-Transporters. Der Joker wurde in den frühen 1980er-Jahren auf Anhieb zum Inbegriff des kompakten Reisemobils. Er verband den praktischen Transporter mit einer vollständigen Campingausstattung. Damit war er die Blaupause für den kompakten europäischen Camper-Van.

Das weckte Begehrlichkeiten auch bei anderen Autobauern. Schon parallel zum Joker gab es von Westfalia mit dem Mercedes-Benz James Cook auch einen Umbau auf Basis des Mercedes T1 („Bremer Transporter“). Und ab 1982 baute Westfalia auch den Mercedes-Benz MB 100, dessen Ursprung noch bei der Auto Union lag, zum kompakten Campingbus um. Damit fehlte von den deutschen Herstellern, die Mitte der 1980er-Jahre auch Transporter anboten, nur noch Ford auf der Liste der Westfalia-Kunden.
Das änderte sich 1986!
Der erste Ford Nugget basierte auf der dritten Generation des Ford Transit. Bereits auf den ersten Blick unterschied auch er sich von klassischen Wohnmobilen. Statt sperriger Alkoven-Aufbauten setzten nun auch Ford und Westfalia auf ein kompaktes Konzept, das möglichst viel Alltagstauglichkeit erhalten sollte. Sie folgten den Beispielen der Wettbewerber und trafen damit Mitte der 1980er Jahre genau den Nerv vieler Kunden.
Die Vordersitze ließen sich drehen, im Heck befand sich die Küchenzeile mit Spüle, Kühlschrank und Gasherd. Dazu kamen eine umklappbare Sitzbank und ein weiteres Doppelbett im Aufstelldach oder Hochdach. Besonders clever: Die Küche lag quer im Heckbereich. Wer wollte, konnte die Heckklappe öffnen und im Freien kochen. Das machte den Nugget nicht nur zum Campingmobil, sondern zum Freizeitfahrzeug für spontane Wochenendtrips.
Smiley und ein praktisch unkaputtbarer Diesel!
In den 1990er Jahren erhielt der Nugget zunächst nur eine Modellpflege. Wegen der überarbeiteten Frontpartie trägt diese Generation bis heute den Spitznamen „Smiley“. Technisch blieb das Konzept weitgehend unverändert. Genau das schätzen viele Fans heute noch an den frühen Nugget-Modellen. Die robusten Transit-Diesel gelten als nahezu unzerstörbar, zahlreiche Fahrzeuge haben längst mehrere Hunderttausend Kilometer hinter sich. Das war ein wichtiger Baustein für den Nugget-Erfolg.

Im Jahr 2000 machte der Nugget einen gewaltigen Entwicklungsschritt. Mit der vierten Transit-Generation zog auch ein komplett neues Innenraumkonzept ein. Westfalia verlagerte die Küche aus dem Heck in die Fahrzeugmitte und entwickelte die bis heute charakteristische Zweiraumlösung. Vorne liegt der Wohn- und Essbereich, hinten bleibt Platz für das Bett. Das neue Layout erwies sich als echter Glücksgriff. Während jemand noch schlief, konnte bereits Kaffee gekocht werden.
Der Innenraum wirkte dadurch wohnlicher.
Mit dem 2013 vorgestellten Ford Transit Custom hielt endgültig modernes Pkw-Feeling Einzug in den Nugget. Das Fahrwerk wurde komfortabler, die Geräuschdämmung besser und das Cockpit deutlich moderner. Gleichzeitig begann Ford, den Nugget auch außerhalb Deutschlands stärker zu vermarkten. War das Modell zuvor vor allem ein deutsches Phänomen, entwickelte sich der Camper nun europaweit zum Geheimtipp unter Freunden kompakter Reisemobile.
Dass Camping inzwischen längst Lifestyle geworden war, zeigte sich spätestens 2019. Gemeinsam mit Westfalia, dessen Fahrzeugbau-Unternehmen seit 2010 einem französischen Investor gehört, präsentierte Ford damals den Big Nugget auf Basis des großen Transit. Das deutlich größere Reisemobil verfügte sogar über ein separates Badezimmer mit Dusche und Toilette. Damit wollte Ford ausloten, wie weit sich das Nugget-Konzept ausdehnen und ausbauen ließ.
Corona beflügelte das Geschäft
Kurz darauf erlebte das Thema Van-Life einen unvorhersehbaren Boom. Denn während der Corona-Pandemie entdeckten viele Menschen den Camper als mobile Alternative zu Hotelurlauben und Fernreisen. Ford erkannte das früh und reagierte darauf 2021 mit den robust auftretenden Varianten Nugget Active und Nugget Trail. Zusätzliche Beplankungen, Outdoor-Details und optionale Allradtechnik richteten sich nun gezielt an Abenteuer- und Sportkunden.

Die aktuelle Nugget-Generation erschien schließlich 2023. Technisch machte der Camper damit nochmals einen großen Sprung. Erstmals gab es den Nugget auch mit Plug-in-Hybridantrieb und sogar Allradtechnik. Dazu kamen digitale Instrumente, moderne Assistenzsysteme und ein deutlich hochwertigerer Innenraum. Gleichzeitig blieb Ford der Grundidee treu: Der Nugget ist immer noch ein Camper, der im Alltag nicht wie ein Wohnmobil wirkt.
Zum Geburtstag gibt es den Retro-Look
Zum 40. Geburtstag legt Ford eine limitierte Jubiläumsedition des aktuellen Campingmobils auf. Die Sondermodelle zitieren mit ihrem schwarz-weißen Retro-Look bewusst die Gestaltung des ersten Nugget von 1986. Damit schließt sich der Kreis. Denn auch vier Jahrzehnte später steht der Nugget noch immer für genau jene Idee, mit der alles begann: spontan losfahren, irgendwo am Wasser oder Waldrand stehen bleiben und die eigene Ferienwohnung einfach dabeihaben.
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