Mitte der 1960er-Jahre hatten Dieselmotoren keinen guten Ruf. Sie galten als laut, langsam und rußig. Fahrspaß galt dabei nicht als ihre Stärke. Aber sie überzeugten mit Sparsamkeit und Langlebigkeit, weshalb besonders Taxifahrer und das Transportgewerbe zum Diesel griffen. Peugeot gehörte zu den Herstellern, die konsequent an den Diesel-Pkw glaubten. Um das Image des Diesels zu verbessern, musste ein wirksamer Beweis her, dass der Diesel besser als sein Ruf ist.
Ein stromlinienförmiger 404 entstand!
Als Basis diente das elegante Peugeot 404 Cabriolet von Pininfarina. Allerdings blieb von dem offenen Viersitzer auf dem Weg zum Rekordfahrzeug nicht mehr viel übrig. Die unternehmenseigene Entwicklungsabteilung im Pariser Vorort La Garenne, das „Bureau d’Études de La Garenne“, verkleidete das Cabrio mit einer aerodynamisch optimierten Karosserie. Der Beifahrersitz und die Rückwand verschwanden vollständig unter einer Abdeckung.
Dazu kamen eine kleine, flache Windschutzscheibe sowie eine schmale Verkleidung des Cockpits, die ein wenig an ein Flugzeug erinnerte. Um Gewicht zu sparen, entfernten die Entwickler alle überflüssigen Teile wie Stoßstangen oder Radkappen. Das Ziel war: Der Wagen sollte zeigen, dass ein Dieselmotor nicht nur sparsam, sondern auch schnell und vor allem dauerhaft belastbar sein konnte. Am 4. und 5. Juni 1965 trat der Peugeot 404 Diesel Record auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Montlhéry den Beweis an.
40 Rekorde in zwei Wochen
Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem 2,2-Liter-Indenor-Dieselmotor mit 2.163 cm³ Hubraum. Peugeots damalige Motorenbau-Tochter „Indenor“ (die Société Industrielle de l’Est et du Nord) ist eine echte Legende in der Peugeot-Historie. Sie hatte sich komplett auf die Entwicklung und Produktion extrem robuster Dieselmotoren spezialisiert. Ihre legendäre XD-Serie galt mechanisch als nahezu unzerstörbar. Sie lief oft Hunderttausende von Kilometern ohne größere Probleme.

Bei der Rekordfahrt in Montlhéry wechselten sich fünf Fahrer im Drei-Stunden-Takt ab. Unterstützt wurden sie von 25 Mechanikern und Motorspezialisten, die den Wagen rund um die Uhr betreuten. Über 5.000 Kilometer erzielte der Peugeot einen Durchschnitt von rund 160 km/h und stellte 22 internationale Rekorde für Dieselfahrzeuge auf. Doch damit war der Hunger von Peugeot nicht gestillt. Schon eine Woche später kehrte das Team auf die Rennstrecke zurück.
72 Stunden mit 161 km/h – Rekorde als Werbung
Beim zweiten Versuch arbeitete unter der Haube des Peugeot 404 Diesel Record der serienmäßige 1,9-Liter-XD88 mit 1.948 cm³. Trotz des kleineren Motors absolvierte der modifizierte 404 innerhalb von 72 Stunden mehr als 11.000 Kilometer mit durchschnittlich 161 km/h. Lediglich zum Fahrerwechsel und zum Tanken hielt der Wagen kurz an. Die Boxenstopps dauerten im Mittel gerade einmal 52 Sekunden. Am Ende standen weitere 18 Rekorde auf dem Konto.
Insgesamt stellte Peugeot innerhalb von zwei Wochen 40 internationale Dieselrekorde auf. Solche Rekordfahrten waren damals weit mehr als technische Fingerübungen. Sie dienten als glaubwürdige Werbung. Eine Anzeige oder ein Prospekt konnte behaupten, ein Motor sei zuverlässig. Wenn derselbe Motor aber tagelang mit Vollgas über eine Rennstrecke fuhr, gewann diese Aussage deutlich mehr Gewicht. Peugeot bewies, dass ein Dieselmotor hohe Dauergeschwindigkeiten problemlos verkraftete.
Die Konkurrenz folgte Peugeot!
Dazu kam, dass der Diesel dabei trotzdem vergleichsweise wenig Kraftstoff verbrauchte. Denn selbst unter den extremen Bedingungen der Rekordfahrten lag der Verbrauch bei rund 12 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Andere Hersteller folgten dem Beispiel von Peugeot und starteten eigene Diesel-Rekordfahrten. Schon 1972 fuhr Opel im eigenen Testzentrum in Dudenhofen mit seinem Opel Dieselweltrekord GT, der sich klar am Peugeot orientierte, zu zwei Weltrekorden.

Etwas später griff Mercedes-Benz die Idee auf und rüstete die C111-Rekordwagen statt mit einem Wankelmotor mit Dieselmotoren aus. 1976 stellte der C111-II D auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Nardò mehrere Langstreckenweltrekorde auf. Drei Jahre später rüstete Mercedes den aerodynamisch verbesserten C111-III mit einem aufgeladenen Fünfzylinder-Diesel aus. Er erreichte über 320 km/h und demonstrierte eindrucksvoll, welches Potenzial moderne Selbstzünder inzwischen entwickelt hatten. 1980 folgte Volkswagen mit dem ARVW.
Die Rekordfahrten polierten das Image des Diesels auf!
Denn die Rekordfahrten trugen erheblich dazu bei, den Dieselmotor vom gemütlichen Arbeitstier zum leistungsfähigen Langstreckenantrieb aufzuwerten. Dem Peugeot 404 Diesel Record kam dabei eine besondere Rolle zu. Denn er markierte einen wichtigen Wendepunkt. Er zeigte als Erster, dass ein Dieselmotor nicht nur sparsam und langlebig sein konnte, sondern auch hohe Geschwindigkeiten über lange Distanzen problemlos verkraftete.
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