AutoNatives.de bei Google bevorzugen

Porsche 356 „Notchback“

Ein Porsche 356 mit Stufenheck? Was auf den ersten Blick wie ein nachträglicher Eigenbau wirkt, ist eine der seltensten Werkskreationen aus Zuffenhausen. Die Existenz des sogenannten „Notchback“ entsprang 1961 einer historischen Notlösung.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
21. Juli 2026 3 Minuten Lesezeit
f x
Porsche 356 „Notchback“ beim OGP 2006
Beim Stöbern in unserem Bildarchiv fragte ich mich: Warum hat dieser Porsche 356 ein Stufenheck? Weil der „Notchback“ einer historischen Notlösung entsprang. (Foto: Tom Schwede)

Unser Bildarchiv umfasst mehr als 130.000 Aufnahmen. Einige von ihnen wirken wie digitale Zeitkapseln. Das Bild dieses Porsche 356 „Notchback“ ist so ein Fall. Fast zwei Jahrzehnte lang schlummerte es in den Tiefen unseres Archivs, vergraben im Ordner der 2006er-Ausgabe des Oldtimer Grand-Prix. Damals muss ich diesen seltenen Porsche 356 übersehen haben, denn in unsere Galerie schafft er es nicht. Offenbar holte mich nach dem Oldtimer Grand-Prix der Alltag ein. Bild und Auto gerieten in Vergessenheit.

Kürzlich fand ich das Bild zufällig wieder. Ich scrollte durch Lightroom und blieb an der Form des Porsche hängen. Sie irritierte mich. Vorne klar ein 356. Aber hinten passt das Bild nicht zum Bekannten. Denn normalerweise verfügt der Klassiker über eine fließende Silhouette. Die ununterbrochene, sanft abfallende Kurve von der Dachkante bis hinunter zum Motorheck ist einen automobile Ikone. Doch das Fahrzeug auf dem Foto bricht radikal mit dieser Ästhetik.

Das Geheimnis des Heck-Knicks: Der Porsche 356 „Notchback“

Denn statt der bekannten weichen Kurve zeigt dieser Wagen ein echtes Stufenheck. Das Dach fällt zunächst steil ab, knickt dann ab und geht in die gerade Gürtellinie über. Was auf den ersten Blick wie ein nachträglicher, seltsamer Eigenbau wirkt, ist tatsächlich eine der seltensten Werkskreationen aus Stuttgart-Zuffenhausen und entstand mit Hilfe aus Osnabrück. Denn das Bild zeigt das Karmann Hardtop Coupé, in Sammlerkreisen besser bekannt als „Notchback“ (Stufenheck).

Porsche 356 „Notchback“

Zufällig gelang mir auch dieses Foto, das den „Notchback“ und einen normalen offenen 356 zeigt. Das ermöglicht einen Vergleich der beiden Varianten des Porsche 356 (Foto: Tom Schwede)

Seine Existenz entsprang 1961 einer historischen Notlösung. Denn Anfang der 1960er-Jahre boomte die Nachfrage nach dem Porsche 356, doch das traditionelle Karosseriewerk Reutter kam mit der Produktion der normalen Coupés nicht hinterher. Porsche musste improvisieren und wich auf das Karosseriewerk Karmann in Osnabrück aus. Der norddeutsche Spezialist für offene Fahrzeuge fertigte damals bereits die offenen Cabriolet-Karosserien des 356 für Porsche. Und offene Fahrzeuge liefen nicht mehr ganz so gut. 1961 stellte Porsche daher auch den puristischen Roadster ein.

Der „Notchback“ entsprang einem pragmatischen Ansatz:

Um schnell eine weitere geschlossene, wetterfeste Variante anbieten zu können, griffen die Ingenieure zu einem genauso genialen wie pragmatischen Trick: Sie nahmen das fertige Chassis des 356 Cabriolets und verschweißten es im Werk fest mit einem neu entworfenen, markanten Hardtop aus Stahl. Und da die Basis ein 356 Cabriolet war, blieb dessen gerade, flache Gürtellinie erhalten. Das aufgesetzte Stahldach sorgte für den harten Knick am Heck, der auch mir beim Scrollen jetzt sofort auffiel.

Nur 1.742 Exemplare des – oft so gerufenen – „hässlichen Entleins“ entstanden (aufgeteilt auf 1.043 BT5 und 699 BT6). Bei den kleinen Stückzahlen spielte wohl auch eine Rolle, dass das Karmann Hardtop Coupé etwa 15.000 DM kostete. Damit lag es rund 1.500 DM über dem Coupé. Alles zusammen macht ihn heute zu einer absoluten Rarität und unser Foto noch ein Stück faszinierender. Denn vor 20 Jahren trat die die clevere Stuttgarter Notlösung beim Oldtimer Grand-Prix an. Sein Besitzer hatte ihn in einen charakterstarken Rennwagen verwandelt.


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Ihre Rückmeldung hilft uns, AutoNatives weiterzuentwickeln.

Wer etwas bei Google sucht, bekommt neben normalen Ergebnissen auch aktuelle News angezeigt. Über das Hinzufügen von AutoNatives.de als bevorzugte Quelle, erscheinen unsere Artikel dann in diesen Google-Schlagzeilen häufiger.

Bei Google bevorzugen

Mehr entdecken