Es gibt Fotos, die wirken auf den ersten Blick völlig unspektakulär. Diese Szene, die 1981 am Rennwochenende beim Großen Preis von Österreich entstand, gehört dazu. Denn beim ersten Blick könnte man meinen, dass das Bild kurz nach dem Start entstand. Dort erwischte Gilles Villeneuve, der mit seinem Ferrari von Startplatz drei ins Rennen ging, einen Raketenstart und ging zunächst in Führung.
Parken in der Hella-Licht-Schikane!
Schon in der zweiten Runde versuchte Alain Prost im Renault, den legendären Kanadier vor der Hella-Licht-Schikane zu überholen. Villeneuve verbremste sich beim Verteidigen vehement, blockierte die Räder und musste den Weg über die ehemalige Strecke und zwischen den dort stehenden Reifenstapeln hindurch suchen. Doch der Schein trügt. Wo ist der Rest des Feldes, das in Runde zwei sicher noch dicht zusammen war?
Dazu kommt: Links hinter dem letzten Reifenstapel steht ein Formel-1-Bolide, während sich rechts auf der normalen Strecke Slim Borgudd im ATS seinen Weg sucht. Der weiße Bolide, dessen Nasenspitze links hinter dem Reifenstapel hervorschaut, war schließlich der endgültige Hinweis darauf, dass die Aufnahme beim Training am alten Österreichring entstanden sein muss.
Hinter dem letzten Reifenstapel liegt die Lösung!
Denn das traurige, weiße Häufchen Elend ist der Brabham BT49C, den kurz zuvor Héctor Rebaque in die Botanik semmelte. Und ziemlich gründlich, denn dem Boliden fehlt die komplette linke Vorderradaufhängung. Wo eben noch präzise Ingenieurskunst das Rad führte, herrscht jetzt krummer Salat aus Stahl und Alu. Das Schöne an einer fehlenden Aufhängung ist die kompromisslose Klarheit: Hier geht erst mal nichts mehr.
So ist das, was auf den ersten Blick wie eine spektakuläre Rennszene aussieht, in Wahrheit eine sehr entschleunigte Momentaufnahme aus dem Training. Gilles Villeneuve schlängelt sich brav im Ferrari durch die Reifenstapel, dicht gefolgt vom gelben ATS des schwungvollen ABBA-Schlagzeugers Slim Borgudd. Doch der heimliche Hauptdarsteller dieser Szene hat sich bereits sang- und klanglos aus dem Fahrbetrieb verabschiedet.
Rennbetrieb trifft steirische Gelassenheit!
Heute wäre die Position des Wracks von Héctor Rebaque undenkbar. Ein Unfall, wie ihn der Mexikaner 1981 am Österreichring erlebte, würde heute mit Sicherheit eine rote Flagge auslösen. Erst wenn der Havarist sicher hinter den Leitplanken stehen würde, liefe der Fahrbetrieb weiter. Das Gleiche gilt für den Sportwart, der links am Rand des Bildes zu sehen ist.
Denn während die Formel-1-Boliden lautstark durch die Hella-Licht-Schikane donnern, verkörpert der Mann ganz links die reine steirische Gelassenheit: Er läuft in seinem leuchtend gelben Overall durch das Kiesbett. Keine Hektik, kein Drama. Denn Rebaque ist längst zu Fuß auf dem Weg zurück an die Box, der Brabham parkt sicher im Gras, und der Fahrbetrieb läuft einfach weiter.
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