Lotus ehrt Jim Clark. Und ja, natürlich ist das völlig berechtigt. Der Mann war ein Gigant. Auch wenn wir ihn nie fahren sahen – der Mythos lebt. Wir benannten mal einen Hund nach ihm. Kein Scherz. Doch unser Jimmy starb jung. Sehr jung. Zu jung. Ob das am Namen lag? Denn auch Clark starb jung. 1968 in Hockenheim, in einem Formel-2-Rennen, mit 32 Jahren.
Am Vorabend war der Schotte noch gemeinsam mit Kurt Ahrens Gast im Aktuellen Sportstudio – lächelnd, zurückhaltend, wie immer. Die Nachricht seines Todes am nächsten Tag erschütterte die Motorsportwelt. Kein Glamour, keine Show – nur ein Mann, der Auto fuhr wie kein anderer. Jackie Stewart sagte einmal, wenn es Jimmy erwischen konnte, dann waren wir alle nicht sicher.
Jetzt also die Lotus Emira Clark Edition.
Limitierte 60 Stück, 400 PS aus einem aufgeladenen 3,5-Liter-V6, manuelles Getriebe, Track Mode, Holzschaltknauf (!), rote und schwarze Sitze sowie eine Lackierung in „Clark Racing Green“. Dazu kommt der ikonische gelbe Streifen, inspiriert von Clarks 1965er Lotus Type 38, den der Schotte beim Indianapolis 500 zu Sieg fuhr. Der Preis? 140.000 Euro kostet dieser handgefertigte automobile Weekender. Für die kleinen Fluchten des Lebens.
Weltpremiere? Ausgerechnet beim Großen Preis von Miami. Dessen Rennstrecke führt rund um ein Football-Stadion, vorbei an Palmen, Partyzelten und einen künstlichen Hafen. Da liegen Yachten – oder besser: Jachten-Attrappen – auf dem Trockenen, umhüllt von blauer Plastikfolie, die Wasser darstellen soll. Willkommen in der Formel 1 der Gegenwart: alles Show, alles Oberfläche, alles ein bisschen Disneyland für Superreiche.
Jim Clark verzauberte die Welt mit 220 PS!
Und mitten in diesem Spektakel: ein Auto, das an Jim Clark erinnern soll. An einen Mann, der auf Ruhm gepfiffen hat, lieber Schafe hütete, wenn er nicht gerade mit einem Formel-1-Wagen Kunst schuf. Einen Mann, der sich wohl im Erdboden vergraben hätte, müsste er heute in Miami von einer künstlichen Marina aus sein Auto enthüllen.
Dazu kommt, der Mann war kein PS-Protzer, kein Showfahrer. Seine größten Triumphe feierte er in der 1,5-Liter-Formel-1, als Autos noch leicht, klein, filigran und gefährlich waren. Ihre Motoren leisteten 220 PS. Später war Clark der Erste, der den damals brandneuen, 420 PS starken Cosworth DFV im Lotus 49 zu einem Sieg führte – beim Grand Prix von Zandvoort 1967.

Auf der Straße galten zu dieser Zeit noch 100 PS als sportlich. Mit 420 PS in einem Lotus warst du ein Formel-1-Held. Heute? Da kommt ein SUV mit 400 PS von der Stange. Die neue Clark-Edition? Sicher schnell. Sicher gut. Aber reißt das noch jemanden vom Hocker? Oder ist es einfach das, was man heute eben „Tribute“ nennt?
Und doch – vielleicht ist es okay. Vielleicht darf man dem Mythos auch mit einem modernen Auto, das in seiner Idee immerhin noch ein echtes Lotus ist. Puristisch, analog, mit Handschaltung. So gesehen: Ja, warum nicht. Die Emira Clark Edition ist vermutlich das Ehrlichste, was man einem Jim Clark im Jahr 2025 bauen kann.
Ob wir eine haben wollen?
Eher nicht. Was kostet heute eigentlich ein Lotus Elan oder vielleicht auch Lotus Europa? Das sind Autos, die zu Jim Clark passen.
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