Wer in den 1990er-Jahren einen Transporter mietete, saß mit großer Wahrscheinlichkeit in einem VW LT. Das bescherte auch mir die erste Erfahrung mit dem großen Transporter von Volkswagen. Denn als mein Vater und ich Anfang der 1990er-Jahre den Haushalt seiner Tante auf Sylt auflösten, gab es bei Europcar einen blauen LT. Da war der große Transporter von VW schon im letzten Abschnitt seiner immerhin 21 Jahre währenden Produktionszeit.
Der VW LT: der große Bruder des VW Bus alias Bulli!
Denn schon 1975 erweiterte Volkswagen sein Transporter-Angebot mit dem LT nach oben. Das war auch deshalb logisch, da VW und Transporter zwei Begriffe sind, die seit dem Start des VW Typ 2 im Jahr 1950 untrennbar zusammengehören. Doch weil der VW Bus alias Bulli für größere Lasten nicht geeignet war, entstand in Niedersachsen ein Modell zwischen dem Bulli und den schweren Lkw: ein Transporter im 2,8- bis 3,5-Tonnen-Segment.
Bei der Namensgebung blieben die Verantwortlichen norddeutsch nüchtern: LT, für „Lasten-Transporter“. Dazu kamen die Kürzel 28, 31 und 35 – passend zum zulässigen Gesamtgewicht von 2,8, 3,1 und 3,5 Tonnen. Wie beim Transporter hörte Volkswagen auch beim LT auf die Kundenwünsche: Schon zum Start des LT gab es zwei Radstände und zwei Dachhöhen. Den Raumriesen konnten die Kunden als Kastenwagen, Kombi, Bus, Pritsche, Doppelkabine oder Fahrgestell mit Kabine ordern.
Der LT war kaum größer als der Bulli – und bot beim Platz einen Quantensprung!
Um die Raumausnutzung zu optimieren, entstand ein platzsparendes Frontlenker-Design. Der Motor saß über der Vorderachse. Angetrieben wurde weiterhin die Hinterachse. Weil der Motor nun nicht mehr wie beim Bulli im Heck saß, war der gesamte Laderaum nutzbar. Trotzdem war der LT nur 34 Zentimeter länger und 30 Zentimeter breiter als der inzwischen in zweiter Generation angebotene Transporter – und doch bot der VW LT mit 7,85 Kubikmetern mehr als 50 Prozent mehr Laderaum.

Ein weiteres zentrales Thema war für Volkswagen damals die Ergonomie. Die Kabine entstand zusammen mit Ergonomie-Experten. Sie platzierten die Bedienelemente nah am Fahrerplatz. Auch die große Frontscheibe sowie die extra großen Außenspiegel gingen auf die Beratung der Experten zurück. Sie hatten offenbar die Konkurrenz genau studiert. Dazu setzte der LT auch beim Fahrkomfort Maßstäbe. Seine Einzelradaufhängung an der Vorderachse war damals in diesem Segment eine Rarität.
Wasserkühlung und Frontmotor – der VW LT folgt Volkswagens neuer Linie!
Zunächst standen für den LT zwei Motoren zur Wahl: ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner aus dem Audi 100 (auf 75 PS gedrosselt) oder ein 2,7-Liter-Vierzylinder-Diesel von Perkins aus England mit 65 PS. Erst ab 1979 ersetzte Volkswagen den Perkins durch den ersten eigenen Sechszylinder-Dieselmotor. Der neue 2,4-Liter-Diesel brachte zwar nur acht PS mehr, lieferte aber deutlich mehr Drehmoment. Er lief so vibrationsarm und leise, dass sogar Volvo ihn im ersten eigenen Sechszylinder-Pkw verbaute.
1983 entfiel auch der aus dem Audi 100 stammende Vierzylinder, der einst auch den Porsche 924 antrieb. An seine Stelle trat ein 2,4-Liter-Sechszylinder-Benziner. Wie der gleich große Diesel stammte auch dieser Sechszylinder vom 1,6-Liter-Vierzylinder-Motor EA 827 ab. Als Sechszylinder-Turbodiesel mit 102 PS war der LT damals der stärkste Transporter Europas. Dank des mehr als bisher geneigt eingebauten und um zehn Zentimeter nach hinten verschobenen Motors passten in den LT nun zwei Beifahrer.
Mehr als 470.000 Exemplare des ersten VW LT rollten vom Band!
Ab 1983 gab es auch ein neues Armaturenbrett sowie eine bis zu 4,60 Meter lange Ladefläche. Zwei Jahre später folgten ein LT mit 5,6 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sowie ein LT mit Allradantrieb. Dazu gab es eckige Scheinwerfer. 1993 gestalteten die Designer den Kühlergrill neu. Erst 1996 war nach mehr als 470.000 produzierten Exemplaren Schluss für die erste LT-Generation. Damit setzte der erste VW LT echte Maßstäbe – und schrieb eine Erfolgsgeschichte.
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