Am 8. August 2026 feiert Brooklands 100 Jahre britischer Grand Prix
Brooklands ist ein historischer Ort. Hier entstand die erste speziell für den Motorsport konzipierte Anlage. Vollständig aus Beton gebaut, war Brooklands die erste permanente Rennstrecke mit überhöhten Kurven. So steht dieser Ort wie kaum ein anderer für den Ursprung des britischen Motorsports. Kein Wunder, dass hier 1926 der erste Grand Prix auf britischem Boden ausgetragen wurde.
Am 8. August 2026, fast exakt 100 Jahre später, feiert das Brooklands Museum dieses historische Ereignis mit einer außergewöhnlichen Jubiläumsveranstaltung. Nicht weniger als 100 Grand-Prix-Fahrzeuge werden an diesem Tag in Brooklands zu sehen sein. Die Spanne der ausgestellten Fahrzeuge wird von den frühen Pionierkonstruktionen der Zwischenkriegszeit bis hin zu modernen Formel-1-Boliden reichen. So würdigt die Veranstaltung nicht nur ein Rennen, sondern ein ganzes Jahrhundert britischer Grand-Prix-Geschichte.
Die Wiege des britischen Motorsports
Brooklands entstand 1907 in der Grafschaft Surrey und war die weltweit erste eigens gebaute, überhöhte Rennstrecke. Initiiert von Hugh und Ethel Locke King, war das Betonoval mit seinen spektakulären Steilkurven eine Sensation. Auslöser für den Bau war, dass Straßenrennen auf dem britischen Festland verboten waren. Und während sich im restlichen Europa der Motorsport rasant entwickelte und Rennen wie der Große Preis von Frankreich 1906 das Grand-Prix-Zeitalter begründeten, fehlte den Piloten in Großbritannien eine geeignete Spielwiese.
Es gab zwar Rennveranstaltungen auf Rennbahnen für Pferde oder Fahrräder, doch keine dieser Anlagen bot befriedigende Möglichkeiten, um die Fähigkeiten des Automobils auszutesten. So entstand die Idee, eine eigene Hochgeschwindigkeitsarena auf privatem Gelände zu schaffen. Und tatsächlich: Brooklands wurde schnell zum Zentrum des britischen Motorsports und zugleich zu einem Treffpunkt der frühen Luftfahrt. Geschwindigkeit war hier nicht nur ein Ziel, sondern ein Lebensgefühl.
1926: Großbritanniens erster Grand Prix
Am 7. August 1926 schrieb Brooklands dann erneut Geschichte. Der Royal Automobile Club organisierte den ersten offiziellen Grand Prix von Großbritannien. Dieser erhielt sofort das Zusatzprädikat „Grandes Épreuves“ (französisch für „Große Prüfung“) und wurde damit im Kalender der Grand-Prix-Saison 1926 vom Automobil-Weltverband AIACR, der heutigen FIA, hervorgehoben. Neun Grand-Prix-Wagen gingen an den Start. Nach vier Stunden siegte der Delage 15-S-8 mit Louis Wagner und Robert Sénéchal.

Für das Event wurde die Strecke in Brooklands eigens angepasst. Denn der Grand Prix lief nur auf einem Teil des äußeren Ovals. Die Verantwortlichen ergänzten die Streckenführung durch provisorische Erdschikanen auf der Zielgeraden. So entstand eine Kombination aus Highspeed und Improvisation. Die britische Gefühlslage beflügelte beim Debüt des Grand Prix von Großbritannien Malcolm Campbell, der seinen Bugatti 39A auf Platz zwei steuerte.
Vom Betonoval nach Silverstone
Interessant aus heutiger Sicht: Aston Martin war bereits 1926 beteiligt – wie heute. Brooklands richtete 1927 einen weiteren Grand Prix aus, ehe sich das internationale Renngeschehen verlagerte. In Großbritannien übernahm die Strecke von Donington Park für ein paar Jahre eine führende Rolle. Gleichwohl fand dort nie ein Grand Prix von Großbritannien statt. Auch das legendäre Regenrennen 1993, als Ayrton Senna ein Glanzlicht der Grand-Prix-Geschichte setzte, war „nur“ ein Grand Prix von Europa.
Der Zweite Weltkrieg setzte dem Rennbetrieb ein jähes Ende. Die Strecke von Brooklands wurde überbaut, Flugzeuge wie die Hawker Hurricane und der Wellington-Bomber entstanden auf dem ehemaligen Kurs. Nach dem Krieg zog der Motorsport auf ehemalige Militärflugplätze um. 1948 fand der erste britische Nachkriegs-Grand-Prix auf dem Silverstone Circuit statt. Zwei Jahre später wurde dort das erste zur Weltmeisterschaft zählende Formel-1-Rennen überhaupt ausgetragen.
Die Jubiläumsfeier 2026
In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Austragungsort des Großen Preises von Großbritannien zwischen Silverstone, Aintree (wo 1961 Wolfgang von Trips im Ferrari siegte) und Brands Hatch. Seit 1987 ist Silverstone dauerhaft im WM-Kalender vertreten. Trotzdem: Der Ursprung dieser Geschichte liegt in Brooklands. Und zum 100. Jahrestag kehrt der Geist des Grand Prix an seinen Ursprungsort zurück. Einige historische Autos werden auf den erhaltenen Abschnitten der legendären Steilkurven zu sehen sein. Moderne Rennwagen treten auf der benachbarten Teststrecke von Mercedes-Benz World in Aktion.
Alles zusammen ergibt, so verspricht es das Brooklands Museum, eine der größten und vielfältigsten Sammlungen von Grand-Prix-Fahrzeugen, die jemals an einem Ort versammelt wurde. Eingeladen sind zudem frühere Formel-1-Piloten, die beim Großen Preis von Großbritannien angetreten sind. Für Motorsportfans ist das mehr als eine Ausstellung – es ist eine Zeitreise. Sie führt von wagemutigen Anfängen auf rauem Beton bis zur Hightech-Formel 1 der Gegenwart. Und nebenbei wird am 8. August nicht nur ein Jubiläum gefeiert, sondern auch daran erinnert, wo alles begann: auf einem Betonoval in Surrey, das Geschichte schrieb.
Tickets sind ab sofort über die offizielle Website BrooklandsMuseum.com erhältlich. Der Eintritt für Erwachsene kostet im Vorverkauf 39,95 Pfund. Für begleitete Kinder im Alter von 4 bis 17 Jahren (Kinder unter 4 Jahren haben freien Eintritt) sind Tickets für 19,95 Pfund erhältlich. Mitglieder können Karten für einen exklusiven VIP-Preview-Abend am Freitag erwerben und erhalten zudem Eintritt für Samstag zum Sonderpreis von 19,95 Pfund (Kinder 9,95 Pfund) – inklusive offiziellem Show-Guide.
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