Schon Bruce McLaren plante den Bau eines Straßensportwagens. Doch nach dem Tod des Neuseeländers bei Testfahrten in Goodwood lag der Fokus der Familie zunächst darauf, den Rennstall am Leben zu halten. Unter der Regie von Teddy Mayer, Anwalt und Freund von Bruce McLaren, gewann McLaren Racing mit Emerson Fittipaldi (1974) und James Hunt (1976) zweimal die Fahrerweltmeisterschaft. Dazu kam schon 1974 auch der Konstrukteurstitel.
McLaren schrieb weltweit Erfolgsgeschichten
Parallel dazu gewann McLaren 1974 und 1976 zweimal das Indy 500. Ein Jahr später war das Kundenteam Penske beim größten amerikanischen Rennen erfolgreich. Doch trotz dieser Erfolge fuhr McLaren Ende der 1970er-Jahre in die Krise. In der Königsklasse verpasste McLaren lange den von Lotus initiierten Trend zum Ground-Effect-Wagen. Als die Erfolge ausblieben, zog sich McLaren aus Nordamerika zurück, um sich auf die Formel 1 zu beschränken.

Trotzdem geriet das Team auch dort immer weiter ins Hintertreffen. Von 1978 bis 1980 gewann das erfolgsverwöhnte Team keinen Grand Prix. 1979 scheiterte der mit großen Ambitionen verpflichtete Patrick Tambay dank des hoffnungslosen McLaren M28 in Zolder und Monaco gleich bei zwei Rennen hintereinander am Sprung ins Starterfeld. Das waren die ersten Nichtqualifikationen eines Stammfahrers in der gesamten Geschichte des McLaren-Teams.
McLaren drohte, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Auf Druck von Sponsor Philip Morris International, der mit seiner Marke Marlboro auf den Rennwagen von McLaren warb, „fusionierte“ der Rennstall im Herbst 1980 mit dem Formel-2-Rennstall Project Four Racing von Ron Dennis. Auch wenn der Zusammenschluss von McLaren und Project Four damals in Pressemitteilungen als Fusion gleichberechtigter Partner bezeichnet wurde, war das faktisch eine Übernahme, auch wenn formal Ron Dennis und Teddy Mayer bis 1982 gemeinsam die Firma leiteten.

Hinter den Kulissen war Ron Dennis von Anfang an der starke Mann, der McLaren mit schnellen Schritten zurück an die Spitze führte. Schon 1981 gewann McLaren wieder einen Grand Prix. 1984 fügte Niki Lauda der Vita des Rennstalls den nächsten WM-Titel hinzu. Bis 1991 folgten durch Alain Prost (1985/86 und 1989) sowie Ayrton Senna (1988, 1990/91) sechs weitere WM-Titel. Später gewannen auch Mika Häkkinen (1998/99), Lewis Hamilton (2008) und Lando Norris (2025) Titel für McLaren.
Zusammen mit Mansour Ojjeh machte Ron Dennis aus McLaren einen Autobauer
Und Ron Dennis, der 1982 auch die Anteile von Teddy Mayer übernahm, gewann in Mansour Ojjeh einen Gesellschafter, der ab 1984 die Mehrheit an der McLaren Group hielt. Zusammen verwirklichten Dennis und Ojjeh den Traum des Gründers, Bruce McLaren, Straßensportwagen zu bauen. 1993 stellten sie den Supersportwagen McLaren F1 vor, der tatsächlich Le Mans gewinnen sollte. Zehn Jahre später folgte in Kooperation mit Mercedes-Benz der SLR McLaren. Seit 2009 bietet McLaren seine Sportwagen unter dem eigenen Namen an.

Während alle diese modernen McLaren der letzten drei Jahrzehnte unter den strengen Augen der Öffentlichkeit die Fans begeisterten, war der McLaren M6GT bisher das Einhorn unter den Sportwagen der Marke. Und das, obwohl der M6GT die absolute Urzelle aller McLaren-Straßensportwagen ist. Denn er war Bruce McLarens persönlicher Traum vom ultimativen Straßenauto, lange bevor es den heute legendären McLaren F1 und seine Nachfolger gab.
Die Geschichte hinter dem McLaren M6GT ist einfach.
1967 dominierte McLaren mit dem Typ M6A die nordamerikanische Can-Am-Rennserie, gewann fünf der sechs Saisonläufe. Nur beim Finale auf dem „Stardust International Raceway“ in der Nähe von Las Vegas rang John Surtees im Lola T70 Mk2 die Übermacht von McLaren nieder. Bei McLaren und dem Partner Trojan, wo Ron Tauranac tätig war und die Kundenfahrzeuge von McLaren entstanden, reiften Pläne, bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreten.

Der Plan war, vom erfolgreichen M6A eine geschlossene Coupé-Version, den M6GT, abzuleiten. Der M6A, den Bruce McLaren zusammen mit den Technikern Robin Herd, Gordon Coppuck, Tyler Alexander und Don Beresford baute, war der erste McLaren mit einem Monocoque-Chassis. Deshalb war der offene Can-Am-Sportwagen eine gute Basis für ein Coupé. Allerdings wurde allen Beteiligten schnell klar, dass der Start in Le Mans eine Homologation in der Gruppe 4 erforderte.
50 Exemplare waren für McLaren nicht zu stemmen.
Denn bei den Le-Mans-Prototypen begrenzten die Regelhüter ab 1968 den Hubraum auf drei Liter. Zum Konzept der McLaren-Sportwagen gehörten amerikanische V8-Motoren. Diese waren nach der Entscheidung der CSI und der FIA nur noch in Seriensportwagen der Gruppe 4 einsetzbar. Für deren Homologation war allerdings der Bau von 50 Exemplaren innerhalb von zwölf Monaten erforderlich. Bruce McLaren und seinen Partnern war klar, dass das für die kleine Firma McLaren (noch) nicht zu stemmen war.

So entstanden vom McLaren M6GT drei oder vier Prototypen. Zwei von ihnen wurden zu Straßensportwagen umgebaut. Ein Exemplar nutzte Bruce McLaren im Alltag. Mit 370 PS Leistung und 800 Kilogramm Gewicht ließ der Sportwagen Konkurrenten von Ferrari oder Porsche alt aussehen. Da es relativ einfach war, das Chassis des M6A oder des Kundenchassis M6B für die Verwendung einer geschlossenen Karosserie anzupassen, entstanden später für Sammler weitere geschlossene McLaren M6GT.
2026 entstand ein weiterer McLaren M6GT
Im Rahmen des Goodwood Festival of Speed 2026 präsentierte McLaren selbst jetzt einen restaurierten M6GT. Das Einzelstück wurde von der hauseigenen Abteilung McLaren Special Operations (MSO) aufgebaut. Es orientiert sich eng an Bruce McLarens Straßenwagen. Für die Restaurierung griff MSO auf historische Zeichnungen, Fotografien und originale Karosserieformen zurück. Das Chassis basiert auf einem zeitgenössischen M6A-Rennwagen.

Den Antrieb übernimmt ein Small-Block-V8 mit sogenannten „Camel Hump“-Zylinderköpfen, der der ursprünglichen Spezifikation entsprechen soll. Auch viele Details orientieren sich am historischen Vorbild. Dazu gehören unter anderem ein Schalthebel aus Walnussholz, Sitze mit grünem Vinylbezug sowie eine Lackierung in einem cremeweißen Farbton namens „Colnbrook White“. Der Name erinnert an den Standort der damaligen McLaren-Werkstatt nahe dem heutigen Flughafen Heathrow.
Der McLaren M6GT steht für alles, was McLaren ausmacht!
Mit der Restauration des McLaren M6GT unterstreicht die heutige McLaren Group die besondere Stellung des Coupés in der Geschichte der Marke. Auch wenn es nie zu der geplanten Serienfertigung kam, fanden viele Ideen des Projekts, wie die Verbindung von Renntechnik und Straßensportwagen, Jahrzehnte später im McLaren F1 und seinen Nachfolgern ihre Fortsetzung.
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