Chevron im C2-Kleid – Der letzte Auftritt des Isolia 002 in Spa 1986
Manche Autos gewinnen Rennen, andere gewinnen Geschichten. Der Isolia 002 gehört zur zweiten Kategorie. Als dieser Rennwagen 1986 in Spa-Francorchamps sein letztes Rennen fuhr, lag unter seiner kantigen C2-Hülle bereits eine zehnjährige Karriere, die lange vor der Gruppe C begann.
Die Geschichte des Isolia 002 begann 1976 in der Werkstatt von Derek Bennett. Unter dem etwas unbeholfenen C2-Kleid verbarg sich das Chassis eines Chevron B36, eines klassischen Gruppe-6-Sportprototyps. Leicht, effizient und kompromisslos konstruiert. Bennett, Jahrgang 1933, war nicht nur Konstrukteur, sondern selbst Rennfahrer, Maschinenbauer und Elektrotechniker. Er fuhr Stock-Car-Rennen und baute schon damals seine eigenen Autos.
Derek Bennett war Chevron – im wörtlichen Sinne.
Anfang der 1960er-Jahre wechselte der Brite auf die Rundstrecke und konstruierte weiter selbst. Die Formel Junior blieb Episode. Seine eigentliche Heimat fand Bennett in der britischen Clubman-Szene des „British Racing and Sports Car Club“. Als andere Fahrer seine Konstruktionen kaufen wollten, gründete er 1965 die Derek Bennett Engineering Ltd. und gab seinen Fahrzeugen einen Namen: Chevron.
Chevron war kein Großserienhersteller, aber eine feste Größe im internationalen Kundensport. David Purley gewann 1975 mit dem B30 die europäische Formel-5000-Meisterschaft, Eddie Cheever und Brian Henton feierten Formel-2-Siege. Vor allem aber dominierten die 2-Liter-Sportwagen von Chevron ihre Klasse. B19, B21, B26 und schließlich der B36 gewannen regelmäßig Läufe der „European 2-Litre Championship“. Zeitweise war Chevron in dieser Kategorie die Referenz.
Der 1976 vorgestellte B36 setzte diese Erfolgsgeschichte fort. Bis 1978 entstanden 21 Exemplare. Dann kam der Einschnitt: Derek Bennett starb 1978 bei einem Hängegleiter-Unfall. Die Firma bestand weiter, doch Eigentümer und Geschäftsmodelle wechselten. In den 1980er-Jahren alterten Rennwagen schneller, und was gestern konkurrenzfähig war, galt ein Jahr später als überholt.
Die Renngeschichte von DBE 36-76-04
Das Chassis mit der Nummer DBE 36-76-04 wurde 1976 an Fred Stalder und seine Racing Organisation Course (ROC) ausgeliefert. Mit Simca-Motor ausgestattet, trat es in der Europäischen 2-Liter-Meisterschaft und in Le Mans an. François Sérvanin und Laurent Ferrier starteten mit „04“ an der Sarthe, fielen jedoch nach 88 Runden aus. Zwei Wochen später stand das Auto bereits wieder bei der Coppa Florio in Enna Pergusa am Start. 1977 scheiterte das Team in Le Mans an der Qualifikation, 1979 gelang schließlich mit Platz 22 eine Zielankunft.
1980 erzielte DBE 36-76-04 mit Platz 17 in Le Mans sein bestes Gesamtergebnis und gewann die Klasse bis zwei Liter Hubraum. Danach wechselte das Auto mehrfach den Besitzer, bis es Anfang der 1980er-Jahre bei Jean-Claude Ferrarin landete. Ferrarin war ein engagierter Privatmann, der das Auto kontinuierlich weiterentwickelte. Zunächst erhielt der B36 einen BMW-M12/7-Motor. Mit diesem robusten Zweiliter-Vierzylinder gewann Ferrarin 1984 ein Rennen in Lédenon. Doch die französische Gruppe-6-Meisterschaft verlor an Bedeutung, die Felder wurden kleiner, und Ferrarin suchte eine neue Bühne.
Vom B36 zum Isolia 002
1985 entschied sich der Franzose für den Umbau auf Gruppe C2-Spezifikation. Nach dem Vorbild ähnlicher Umbauten erhielt der offene B36 eine geschlossene Karosserie. Ferrarin erwarb von Hubert Striebig einen Karosseriesatz und passte ihn an sein Chassis an. Das Ergebnis bekam den Namen „Isolia 001“. 1985 startete das Fahrzeug in Spa und Brands Hatch zu zwei 1.000-Kilometer-Rennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, fiel jedoch beide Male aus.
1986 folgte der nächste Schritt: Der Einbau eines 3,0-Liter-Ford-Cosworth-DFV-V8 sollte mehr Leistung und Anschluss an die moderne C2-Konkurrenz bringen. Aus dem einstigen Zweiliter-Chevron wurde der Isolia 002. Der Plan war nachvollziehbar, doch die Umsetzung erwies sich als schwierig. In Brands Hatch verpasste das Team die Qualifikation, am Nürburgring endete das Rennen nach einem Unfall.
Letzer Tanz in Spa
Beim 1000-Kilometer-Rennen von Spa-Francorchamps im September 1986 gelang schließlich ein Achtungserfolg. Der Isolia 002 lag zeitweise auf Rang vier im C2-Feld. Ein zehn Jahre altes Chassis behauptete sich gegen moderne, konsequent als C2 entwickelte Konstruktionen wie Spice oder Tiga. Doch ein Defekt an der Ölversorgung beendete das Rennen vorzeitig und markierte das faktische Ende dieses Projekts.
Nach Spa verschwand der Isolia aus der Weltmeisterschaft. Ein weiterer Versuch 1987 unter der Bezeichnung Isolia 003 blieb folgenlos. Die technische Entwicklung hatte das Auto überholt. Erst 2007 begann ein neues Kapitel. Das Chassis wurde wieder in seine ursprüngliche Spezifikation als Chevron B36 zurückversetzt – mit 2-Liter-Motor, historischer Dokumentation und FIA-HTP-Papieren. Im historischen Motorsport knüpfte das Fahrzeug an seine frühen Jahre an und gewann sogar eine Meisterschaft. Heute befindet es sich in einer deutschen Sammlung.
Was bleibt vom Isolia 002?
Kein großer Titel, kein technologischer Durchbruch. Doch das Auto steht exemplarisch für eine Übergangszeit im Sportwagenbau – für private Teams, die mit begrenzten Mitteln gegen eine zunehmend professionalisierte Weltmeisterschaft antraten, und für die Idee, einem bewährten Chassis noch einmal ein neues Leben einzuhauchen.
Das Foto aus Spa zeigt deshalb mehr als nur ein altes Auto. Es dokumentiert einen Moment, in dem ein Rennwagen aus den 1970er-Jahren ein letztes Mal versuchte, im Feld der 1980er mitzuhalten. Vielleicht war es nur ein kurzer vierter Platz auf Zeit. Vielleicht endete alles an einer Ölpumpe. Doch für einen Augenblick war der Isolia 002 Teil des Geschehens. Und manchmal reicht genau das für einen Platz im Archiv.
Über diesen Artikel:
Kategorie:
Schlagwörter:
Ähnliche Artikel:
Gefallen gefunden?
Helfen Sie uns, besser zu werden – wie fanden Sie diesen Artikel?
Unterstützen Sie uns – mit einem Klick!
Wenn Sie unseren Amazon-Link nutzen, unterstützt das direkt unseren Blog. Sie profitieren von gewohnter Amazon-Qualität, wir von einer kleinen Provision. Und so hilft uns jeder Einkauf, den Sie über unseren Amazon-Link tätigen, hochwertigen Content für Sie zu erstellen. Ohne zusätzliche Kosten für Sie!
Online-Magazin für echte Auto-Enthusiasten:
Seit 2007 dreht sich bei AutoNatives.de alles um Oldtimer, Youngtimer und die faszinierende Geschichte des Motorsports. Wir feiern automobiles Kulturgut und bringen regelmäßig spannende Geschichten über klassisches Blech und legendäre Rennsport-Momente.
Wir lassen Klassiker aufleben und prüfen moderne Autos!
Doch damit nicht genug: Auch aktuelle Modelle kommen bei uns auf den Prüfstand – authentisch, leidenschaftlich und mit dem unbestechlichen Popometer unserer Redakteure.
Alles zusammen macht AutoNatives.de zum Blog, das Auto-Geschichte lebendig werden lässt und moderne Technik auf Herz und Nieren prüft.

