Maserati Tipo 151 – schnell aber unzuverlässig und letzter GT von Maserati in Le Mans.

Eigentlich suchte ich vor ein paar Tagen in meinem Archiv nur ein Bild des Aston Martin DBR1, um einen Artikel zu bebildern. Zufällig stieß ich dabei auf den Maserati Tipo 151, den Maserati 1962 für Sportwagen-Rennen baute. Ich kopierte das Bild sofort hier ins Blog, denn der Maserati Tipo 151 ist sicher nicht so bekannt wie der Brite, dafür aber mindestens genauso interessant. Denn der geschlossene Tipo 151 war der letzte GT von Maserati in Le Mans.

Fabian P. Wiedl und Tom Schwede
Von Fabian P. Wiedl und Tom Schwede
07. August 2022 9 Minuten Lesezeit
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Der Maserati Tipo 151 zurück in Le Mans.

Der Maserati Tipo 151 zurück in Le Mans. 2013 sah ich den GT von Maserati im Rahmenprogramm der 24 Stunden von Le Mans. (Foto: Tom Schwede)

Der typische Sportwagen der frühen 1950er-Jahre war ein Roadster. Selbst zu Beginn des neuen Jahrzehnts gewannen 1960 und 1961 mit den Typen Ferrari 250TR59/60 und 250TRI/61 offene Sportwagen die 24 Stunden von Le Mans. Doch ab 1962 änderte die CSI, die Sportkommission des Automobil-Weltverbands FIA das Regelwerk der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Es verschob den Schwerpunkt der Meisterschaft zu den GT-Fahrzeugen. Das kam schon im neuen Namen „International Championship for GT Manufacturers“ zum Ausdruck und setzte sich bei den geänderten Klassen-Einteilungen fort. Aston Martin motivierte das neue Regelwerk zum Comeback. Im Südwesten von London entstand mit dem Aston Martin DP212 ein geschlossener GT-Prototyp.

Maserati und der Traum von Le Mans

Und auch in Modena kamen die Ingenieuren zu dem Ergebnis, dass ein geschlossener Sportwagen Vorteile bietet. Schließlich wartet die Krone des Sportwagensports in Le Mans auf den Sieger. Dort unterbrachen damals noch keine Schikanen die sechs Kilometer lange „Ligne Droite des Hunaudières“. Dort zählte nur Vollgas! 1961 erreichten die schnellsten Autos hier im Training ein Tempo von bis zu 280 Kilometern pro Stunde. Im Rennen beschränkte sich der schließlich siegreiche Ferrari auf ein Tempo von circa 265 Kilometern pro Stunde. Die Idee war, dass ein geschlossenes Auto ein höheres Tempo wählen kann und so automatisch im Vorteil ist.

Nino Vaccarella im Maserati Tipo 61 Birdcage bei der Targa Florio 1960. Den Rennwagen setzte die Scuderia Camoradi von Lloyd Casner ein. Der Amerikaner Casner verunglückte später im Maserati Tipo 151.

Nino Vaccarella im Maserati Tipo 61 Birdcage bei der Targa Florio 1960. Den Rennwagen setzte die Scuderia Camoradi von Lloyd Casner ein. Der Amerikaner Casner verunglückte später im Tipo 61-Nachfolger Maserati Tipo 151. (Foto: Bernard Cahier)

Seit 1959 bot Maserati seinen Kunden mit dem „Birdcage“ einen offenen Sportwagen an. Er war mit zwei unterschiedlichen Motoren lieferbar. Der Tipo 60 hatte den 2,0 Liter Motor aus dem 200S, während den Tipo 61 ein 2,9 Liter großer Motor antrieb. Sechs Tipo 60 und 16 Tipo 61 entstanden und spielten Maserati so gutes Geld ein. Damit baute Chefingenieur Giulio Alfieri zunächst eine Mittelmotorversion des „Birdcage“. Doch die Entwicklung verschlang deutlich mehr Geld als vorhanden war. Das finanziell schwach aufgestellte Unternehmen war mit der Entwicklung eines Mittelmotorsportwagens überfordert. So fuhren die „Supercages“ getauften Tipo 63 bis 65 den Erwartungen hinterher.

In Modena entstand der Maserati Tipo 151!

Trotzdem begann Giulio Alfieri mit dem Tipo 151 zusätzlich einen GT auf die Räder zu stellen. Denn ein GT schlug werbewirksam eine Brücke vom Rennwagen zu den Straßensportwagen. Dabei verabschiedete sich der Ingenieur vom Konzept des filigranen Rohrrahmens, der das Kennzeichen der offenen Vorgänger war. Der Tipo 151 bekam ein eher konventionelles Chassis. Alfieri verkleidete den stabilen Rahmen mit Blechen. An der Vorderachse kam eine Einzelradaufhängung zum Einsatz. Hinten entschied sich der Techniker für eine De-Dion-Achse, die doppelte Längslenker führen. Statt die bei den offenen Sportwagen bereits genutzten Alufelgen zu nutzen, stand der Tipo 151 auf klassischen Speichenrädern.

Zurück auf der Rennstrecke: Maserati Tipo 151

Zurück auf der Rennstrecke: Maserati Tipo 151. Beim Chassis, das von Zeit zu Zeit auf Rennstrecken auftaucht, handelt es sich um das Chassis 151.006. Es wurde ursprünglich an Briggs Cunningham ausgeliefert und war später zeitweilig sogar ein Straßen-Sportwagen.

Unter der Motorhaube des Frontmotorsportwagens vertraute Alfieri auf den V8 aus dem 450S, den Maserati 1956 bis 1958 einsetzte. Um ins Schema der inzwischen gültigen Regeln zu passen, reduzierte Maserati den Hubraum auf vier Liter. Damit standen rund 360 PS Leistung zur Verfügung. Drei Exemplare des Tipo 151 entstanden und traten ab 1962 bei ausgewählten Sportwagen-Rennen an. Wobei Maserati die Autos nicht selbst einsetzte. Diese Aufgabe übernahmen Briggs Cunningham und der französische Generalimporteur Johnny Simone. Zeitweilig plante auch die Scuderia Serenissima von Giovanni Volpi den Einsatz des Maseratis. Doch das dafür notwendige Auto wurde nicht rechtzeitig fertig. Daher entschied sich die Scuderia Serenissima für den Einsatz ihres Ferrari 250 GT SWB Breadvan.

In Le Mans gehörten die Maserati 1962 zu den schnellsten Fahrzeugen!

Erst bei den 24 Stunden von Le Mans feierte der Maserati Tipo 151 seine Rennpremiere. Im Training bewiesen die Rennwagen mit den Startplätzen drei, fünf und sieben ihr Potential. Im Rennen übernahm einer der Tipo 151 sogar zeitweise die Führung und lag bei seinem Ausfall auf dem dritten Platz. Bis zur Halbzeit des Rennens fielen auch die beiden verbleibenden Maserati vorzeitig aus. Am Ende gewann ein offener Ferrari 330TRI LM Spyder als letzter Frontmotorsportwagen Le Mans. Briggs Cunningham überführte seine beiden Tipo 151 nach dem Rennen in die USA. Ein Chassis gab Cunningham nach einem Unfall auf. Das andere Fahrzeug ging an einen neuen Besitzer, der es zeitweise mit einer Straßenzulassung als Alltagsauto nutzte.

Die Rosso Bianco Collection von Peter Kaus galt zeitweise aus die weltweit größte Sammlung von Sportwagen.

Die Rosso Bianco Collection von Peter Kaus galt zeitweise aus die weltweit größte Sammlung von Sportwagen. Zwei der drei gebauten Maserati Tipo 151 gehörten zeitweise zur Sammlung der Rosso Bianco Collection in Aschaffenburg. (Foto: Carstenrun / GNU Free Documentation License)

An Johnny Simones Rennwagen überarbeitete Maserati die Hinterachse und die Bremsanlage. Zudem bekam dieser Tipo 151 einen fünf Liter großen Einspritzmotor. Das brachte zusätzliche 90 PS Leistung. Ein Jahr später erweiterten die Techniker nochmals den Hubraum und verlängerten den Radstand. Doch bei allem Aufwand sah der Maserati in Le Mans nie eine Zielflagge. 1963 streikte das Getriebe, ein Jahr später die Elektrik. Trotzdem wollte Johnny Simone seinen Rennwagen 1965 nochmals in Le Mans rennen lassen. Doch bei Testfahrten im Vorfeld verunglückte der ehemalige Camoradi-Racing-Teamchef Lloyd Casner mit dem Tipo 151 tödlich. Im Rennen fiel der von Simone parallel eingesetzte Tipo 65 aus. Bis heute ging kein Dreizack mehr an der Sarthe ins Rennen.

Wo wurden die Rennwagen eingesetzt und wo sind sie heute?

Die drei von Maserati gebauten Maserati Tipo 151 trugen die Chassisnummern 151.002 (Johnny Simone) und 151.004 sowie 151.006 (beide für Briggs Cunningham).

Chassis # 151.002 – Ausgeliefert an Johnny Simone

Chassis # 151.004 – Ausgeliefert an Briggs Cunningham

Chassis # 151.006 – Ausgeliefert an Briggs Cunningham

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