von AutoNatives.de am 17.03.2026

Caterham Seven HWM Edition: Erinnerung an Grand Prix-Team der 1950er

Die Seven HWM Edition von Caterham wirkt auf den ersten Blick wie eine weitere Variante des minimalistischen Roadsters. Doch diese erzählt eine interessante Motorsportgeschichte. Denn das Kürzel HWM steht für Rennwagen, die von 1951 bis 1954 auch in der Automobil-Weltmeisterschaft antraten.

Caterham Seven HWM Edition neben dem historischen HWM-Alta Grand-Prix-Rennwagen von 1951 auf dem Goodwood Motor Circuit

Vergangenheit trifft Gegenwart: In Goodwood zeigt Caterham die neue Seven HWM Edition gemeinsam mit dem historischen HWM-Alta-Grand-Prix-Wagen von 1951, der als gestalterisches Vorbild für die limitierte Sonderserie diente. (Foto: Caterham)

Denn diese limitierte Version des Seven entsteht in Zusammenarbeit von Caterham und HWM (Hersham and Walton Motors) – einem Sportwagenhändler, dessen Vergangenheit für mehr als „nur“ den Verkauf von Sportwagen steht. 19 Exemplare der Caterham Seven HWM Edition sollen entstehen. Der Einstiegspreis liegt bei 57.990 Pfund. Technische Basis ist der Caterham Seven 420 mit seinem frei saugenden 2,0-Liter-Ford-Vierzylinder. Das 210 PS leistende Triebwerk sorgt für ein Leistungsgewicht von rund 375 PS pro Tonne.

Das macht die Caterham Seven HWM Edition aus:

Doch die Besonderheit der Edition liegt weniger in der Technik als in ihrer historischen Referenz. Denn das Design der Sonderserie orientiert sich am HWM Alta Grand Prix-Rennwagen von 1951. Die Sonderserie ist deshalb nur in dem Grün lieferbar, das HWM damals nutzte. Die Zusammensetzung dieser Farbe rekonstruierten die Verantwortlichen mit Hilfe des historischen Rennwagens.

Weitere Details wie die seitlichen Lüftungsschlitze, ein spezieller Kühlergrill, graue Querlenker und Scheinwerferhalterungen greifen ebenfalls Elemente des damaligen Rennwagens auf. Auch der Innenraum erinnert an die frühen fünfziger Jahre: ein handgedrehtes Aluminium-Armaturenbrett im Stil damaliger SuperSprint-Modelle, klassische Smiths-Instrumente sowie ein Holzlenkrad von Moto-Lita. Eine „1 of 19“-Plakette weist jedes Fahrzeug als Einzelstück innerhalb der Sonderserie aus.

Autohändler mit Rennstall-Vergangenheit

Fans der Marke Aston Martin kennen HWM als ältesten bis heute aktiven Händler der britischen Sportwagenmarke. Gegründet wurde das Unternehmen HWM 1938 von George Abecassis und John Heath. Der Name HWM leitet sich vom Standort in Walton-on-Thames und dem benachbarten Hersham in Surrey ab. Abecassis und Heath waren beide Motorsportler. In der Gründung ihres Autohandels sahen sie die optimale Möglichkeit, ihr Hobby zu finanzieren.

Und offenbar florierte ihr Geschäft unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gut. Denn bis in die 1950er-Jahre gehörte HWM zu den prägenden britischen Akteuren des internationalen Motorsports. Als Höhepunkt dieser Ära gilt der HWM-Alta von 1951, der für die Formel 2 entstand. Der Wagen nutzte einen Vierzylinder-Motor der Firma Alta und trat in zahlreichen internationalen Rennen an. Zu den Fahrern gehörten unter anderem Stirling Moss sowie Piloten wie Peter Collins oder Lance Macklin.

Mit der Formel 2 in der Formel 1 am Start!

1951 bestritten Firmengründer George Abecassis und der fast noch jugendliche Stirling Moss mit dem HWM 51 den Großen Preis der Schweiz. Damals war es üblich, dass auch Piloten mit Formel-2-Boliden an den Läufen zur Automobil-Weltmeisterschaft teilnahmen. Und besonders Stirling Moss wusste mit dem eigentlich chancenlosen HWM zu überzeugen. Nach zwei Stunden erreichte der Brite das Ziel als guter Achter und ließ dabei unter anderem Louis Rosier im Talbot-Lago T26C-DA hinter sich.

Auch wenn HWM nie zur absoluten Spitze der Formel-1-Szene gehörte, erzielte das Team im Sportwagen beachtliche Ergebnisse: Sieben Siege, sieben zweite Plätze und zehn dritte Plätze bei internationalen Sportwagenrennen werden HWM zugeschrieben. Die Motorsportaktivitäten endeten Mitte der fünfziger Jahre nach dem frühen Tod von John Heath. Der Brite starb 1956 bei der Mille Miglia. Das Unternehmen konzentrierte sich danach wieder stärker auf den Handel mit Sportwagen.

Vom Rennstall zum exklusiven Sportwagenhändler

Zuvor gewann Firmengründer George Abecassis schon 1950 mit einem Aston Martin in Le Mans seine Klasse. Auch dies hatte eine enge Verbindung zum eigenen Unternehmen, schließlich war (und ist) HWM Aston-Martin-Händler. Denn bis heute gelten Familie Abecassis und HWM – wie schon in den Tagen seiner Gründer – in Großbritannien als eine der etablierten Adressen für leistungsstarke Fahrzeuge, verkauft unter anderem Autos von Aston Martin.

Seit 2023 ist HWM der offizielle Caterham-Händler für den Südosten Englands. Die Firma betreut sowohl Kunden mit Straßenfahrzeugen als auch mit Rennversionen des Seven. Die gemeinsame Sonderedition ist deshalb auch als eine Art Rückblick auf diese ungewöhnliche Unternehmensgeschichte zu verstehen: ein Händler, der einst selbst Rennwagen konstruierte, und ein Hersteller, dessen Fahrzeuge bis heute den puristischen Motorsportgedanken pflegen.

Reminiszenz an die Geschichte von HWM

Caterham-Manager Trevor Steel beschreibt das Projekt entsprechend als Hommage an die „Rennsportgeschichte von Walton-on-Thames“. Gleichzeitig sei die Zusammenarbeit zweier britischer Marken mit tiefen Motorsportwurzeln ein bewusstes Signal, so der Manager. Ob die Seven HWM Edition mehr als eine nostalgische Reminiszenz wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass sie eine Geschichte aufgreift, die im Motorsport inzwischen fast in Vergessenheit geraten ist.

Denn HWM ist, was den Motorsport betrifft, heute fast in Vergessenheit geraten. Dabei steht der Name für einen kleinen britischen Rennstall, der in den frühen Jahren der Formel 1 gegen die großen Namen Europas antrat. Gerade deshalb passt die Hommage gut zum Charakter des Caterham Seven: leicht, puristisch und fest verwurzelt in der Tradition des britischen Motorsports.


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